Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


La Gacilly Baden Ausstellungsansicht ©  William Albert Allard / Festival La Gacilly-Baden Photo

LA GACILLY BADEN Der Fotografen Hymne an die Erde

Doblhofpark Orangerie Coper & Gorfer ©  William Albert Allard / Festival La Gacilly-Baden Photo

Im zauberhaften Ambiente der Kurstadt durch die große Welt spazieren

Auf dem von Rosenstöcken umrankten Doblhofteich schwimmen Eisberge. Die Enten kümmert das wenig. Sie haben mit den Plattformen, auf denen die Werke des Franzosen Philippe Bourseiller montiert sind, eine praktische Sitzgelegenheit im Trockenen. Sie fliegen nicht auf, wenn man sich ihnen mit einem Boot nähert. Sie sind Besucher gewohnt. Die Bilder sind auch nicht für sie, sondern für die Menschen gedacht, die ihre Mußestunden in diesem wunderbaren Park verbringen. Die eindrucksvollen Fotos eines einst als ewig geltenden Eises wollen sie nachdenklich machen. Sie zeigen, wie die Gletscher dahinschmelzen. Bourseiller war dafür in den Anden, in der Schweiz, im indonesischen Sudirman-Gebirge nahe des Äquators und in der Arktis. Er hat mit seiner Kamera das Verschwinden dieser Eismassen dokumentiert und ist zum Schluss gekommen, dass es 2035 die meisten Gletscher des Himalaya einfach nicht mehr geben wird.

Karen Knorr Fabeln Grande Singerie Musée Condé Chantilly

Auf Informationstafeln am Rande dieser Installation liest man an sich bekannte Tatsachen, beispielsweise dass Erderwärmung und Abschmelzen der Gletscher zu den großen Umweltkatastrophen der Gegenwart gehören. Nur ein paar Schritte weiter gibt der deutsche Fotograf Olaf Otto Becker Anleitungen, wie man Landschaften lesen kann und schlägt damit in dieselbe Kerbe. Die hier gezeigte Serie entstand in den Urwäldern Indonesiens und Malaysias mit einer Natur in drei verschiedenen Stadien. Das erste sind intakte, über Millionen von Jahren gewachsene Regenwälder, die jedoch immer weniger werden, weil man ihre Flächen für Palmölplantagen missbraucht. Mit Feuer wird gerodet, ohne Rücksicht auf die menschlichen und tierischen Bewohner, die ihre Wohnstätten nun in entwaldeten Wüsten vergeblich aufzubauen versuchen. Wenn genügend Kapital vorhanden ist, wird in diesem Teil unseres Planeten der lächerlich anmutende Versuch gestartet, Natur in den Megastädten künstlich nachzustellen. Man sollte genau hinschauen, auch im Supermarkt, wenn uns mit Etiketten wie „biologisch“, „vegan“ oder „nachhaltig“ seitens der Marketingstrategen eine heile Welt vorgegaukelt wird.

Fausto Podavini Am Ende der Welt mit zwei jungen Mursi-Frauen

Ein Rundgang durch „La Gacilly Baden“ ist also nicht nur Erholung vom Bad im Schwefelwasser. Es sind Botschaften, die bis 30. September 2019 im Rahmen des größten Fotofestivals Europas in den Parks und in den Gässchen der Altstadt den Spaziergang begleiten, aufrütteln und ernst genommen werden wollen. 38 Bilderzählungen in 2.000 Fotografien auf bis zu 280 m² großen Leinwänden verwandeln Baden für diese Wochen in eine „Bilderstadt“, so der Direktor des Festivals, Lois Lammerhuber.

Er hat dieses Festival aus aus dem bretonischen Städtchen La Gacilly in das Zentrum von Europa gebracht. Gemeinsam mit Jacques Rocher, der 2004 dieses Festival ins Leben gerufen hat, wurde für heuer eine „Hymne an die Erde“ komponiert. Eingeladen wurden dazu, und dafür bürgt der österreichische Spitzenfotograf Lammerhuber, ausschließlich weltweit renommierte Fotokünstler. Zu ihnen zählt der Astronaut und Wissenschaftler Thomas Pesquet, der die Erde aus einer Höhe von 400 Kilometern fotografiert hat und damit dem Betrachter eine bedrohte Schönheit der Erde entdeckt, die anders als von der Raumstation aus nicht sichtbar gemacht werden könnte. Im Gegensatz dazu blickt Michael Nichols den Tieren tief ins Auge. Er gilt als Pionier der Tierfotografie, hat mit Jane Goodall zusammengearbeitet und sich in der Serengeti mutig in ein Löwenrudel gemischt, um C-Boy, ein stattliches Männchen, bei seinem täglichen Kampf um die Vorherrschaft abzulichten.

An das Ende der Welt führt schließlich der italienische Fotojournalist Fausto Podavini. Er war dabei, als die äthiopische Regierung in Stammesland einen Damm errichtet und damit den Bewohnern die Lebensgrundlage entzogen hat. Seine Bilder von Frauen und Kindern in einer zerstörten Heimat sind mächtige Mollakkorde dieser Hymne, die leise, aber dennoch deutlich hörbar aus allen den im Rahmen von La Gacilly Baden gezeigten Fotos einer mittlerweile geschundenen Erde erklingt.

Michael Nichols C-Boy in der Serengeti
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