Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Der Moment der feierlichen Eröffnung 2020: Landesinnungsmeister der Fotografen Niederösterreichs Christian Schörg, Geschäftsführerin Silvia Lammerhuber, Festivaldirektor Lois Lammerhuber, Botschafter der Republik Frankreich François Saint-Paul, Landesrat Martin Eichtinger, Bürgermeister der Stadt Baden Stefan Szirucsek, Bezirkshauptfrau in Baden Verena Sonnleitner

FESTIVAL LA GACILLY-BADEN PHOTO 2020 Niemals aufgeben!

Foto © Sergei Prokudin-Gorski / Festival La Gacilly-Baden Photo 2020 / Fotomontage

„Renaissance“ und „Im Osten viel Neues“ als zwei beeindruckende Bilderzyklen

Die ganze Innenstadt von Baden ist bis zu unserem Nationalfeiertag, dem 26. Oktober, wieder als gewaltiges Fotoalbum zu durchwandern. Bemerkenswert ist auch der Eröffnungstag. Am 14. Juli feiern die Franzosen ihre Grand Nation. Das Datum ist damit eine Verbeugung vor dem Geburtsort dieses Fotofestivals. La Gacilly ist eine kleine Gemeinde in der Bretange, in der sich seit Jahren hochgradige Fotografen treffen, um ihre Werke im Freien auszustellen. Der Fotograf Lois Lammerhuber hat das Festival vor zwei Jahren erstmals in seine Heimatstadt Baden geholt und damit eine Erfolgsgeschichte eingeleitet. Baden bei Wien wird für diese Monate zum Schauplatz einer kunstvoll abgelichteten Welt.

Foto © Charles Delcourt / Festival La Gacilly-Baden Photo

Davon angezogen werden nicht nur Kunstliebhaber, sondern einfach Freunde des angeregten Schauens, die aus vielerlei Gründen in die freundliche, fein nach heilsamem Schwefelwasser duftende Kurstadt kommen. In den malerischen Gassen und blühenden Parks reihen sich groß ausgearbeitete Fotos aneinander, fangen immer wieder den Blick und laden zum Nahetreten ein, um die Titel lesen zu können. Insgesamt sind es sieben Kilometer, die vom Besucherzentrum am Brussatiplatz ausgehend zu zwei Runden „Blickkontakt“ bei freiem Eintritt einladen. Immerhin handelt es sich um das größte Outdoor-Fotofestival Europas, das nunmehr in dessen geografischer Mitte stattfindet. Zusammengezählt sind es 31 Ausstellungen, die sich in diesem Jahr verschiedenen Aspekten der Beziehung zwischen Menschen und ihrer Umwelt widmen.

Foto © Sergey Maximishin / Festival La Gacilly-Baden Photo

Das mehr als passende Motto 2020 ist „Niemals aufgeben!“ Unter dieser Mut machenden Klammer sind zwei Bilder-Zyklen vereint. „Renaissance“ oder „Wiedergeburt“ zeigt das Bekenntnis und das Bewusstsein der ausstellenden Fotografen für unseren einzigen Planeten namens Erde. Die Zeichen stehen auf Veränderung zum Guten, das ebenso für das zweite große Thema „Im Osten viel Neues“ gilt. 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs herrscht dort erfrischende Aufbruchsstimmung.

Freiheit und Modernisierung haben ein gewaltiges Kreativpotential freigesetzt, das von den Künstlern nun in ihren Bildern umgesetzt wurde. Der Frost Russlands wurde ebenso eingefangen wie die desolate Produktionsstätte von Raketenantrieben oder die Menschen auf dem Bild mit der zehnjährigen Tomiris zwischen ihren beiden Großmüttern. Ein einst versperrter Teil unseres Erdteils zeigt sich in seiner Vielseitigkeit, die von eine Ikone tragenden Popen über zwei Männer im Sandunowskie Ban, dem ältesten Dampfbad Moskaus, bis zu den sexy adjustierten Kellnerinnen des Restaurants Zov Iljitscha („Lenins Ruf“) beim Putzen der Leninbüsten reichen.

 

Einen Blick zurück hinter die fest verrammelten Grenzen wirft SIBYLLE, einst die „Vogue der DDR“, mit damals bereits mutigen Fotografen wie Ute und Werner Mahler, deren Ostblock-Modetrends schaffende Werke einen bestens erhaltenen Trabi umgeben und gerne ein Schmunzeln erlauben. Dass Europa auch ganz gut ohne Grenzen auskommt, beweist Valerio Vincenzo in seinem Zyklus „Borderline – Grenzen des Friedens“. Zwischen Tschechien und Österreich markiert ein rot-weiß-roter Stab zwischen zwei Waldbäumen eine ehemals tödliche Grenze, ein elektrischer Weidezaun, skeptisch beäugt von einer Kuh, hat irgend wann einmal Belgien Deutschland getrennt und zwischen Deutschland und Polen spazieren Badegäste auf einem Brettersteg.

Jedes der Fotos erzählt eine Geschichte, stellt aber auch Fragen, die nicht immer leicht zu beantworten sind. Wann wird man weltweit überzeugt sein, dass unsere Wälder unabdingbar sind? Die Aufnahmen von Guillaume Herbaut dazu sind erschütternd. Er nennt seine Serie „Osteuropas Wälder des Widerstandes“. Beispiele sind der Rote Wald in einem der am stärksten kontaminierten Gebiete um Tschernobyl oder die völlig verwüsteten Berge von Fegras in Rumänien. Angesichts dieser Schreckensbotschaften tut es gut, mit Franck Seguin unter Wasser zugehen, dort auf dem Buckeln von Walen zu reiten oder als Apnoetaucher dem Licht und der Luft auf der Wasseroberfläche zuzustreben.

Foto © Valerio Vincenzo / Festival La Gacilly-Baden Photo
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