Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht DAME MIT FÄCHER Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

DAME MIT FÄCHER Der letzte Strich eines großen Malers

Gustav Klimts Arbeitsraum © ONB/Wien Foto: Moriz Nähr

Nach 100 Jahren erstmals vereint: Gustav Klimts letzte Werke

Eine junge Frau, mit kokettem Blick in eine Welt, die damals den Menschen alles andere als freundlich gesinnt war, hält einen chinesischen Fächer vor ihre wohl entblößte Brust. Hinter ihr auf der Leinwand wimmeln ganz nach ostasiatischer Mode Ziervögel und Blumen in hellen Farben. Am 10. Jänner 1918 sitzt Gustav Klimt noch an dieser Staffelei. Ihm gegenüber posiert eine uns unbekannte Dame, die sich von dem gerade erst 52 Jahre alten Meister dieses Genres porträtieren lässt. Was Klimts letzte Worte an sein Modell waren, ist ebenso unbekannt. Vielleicht haben sie gemeinsam das Atelier verlassen, er hat noch abgesperrt, ein paar Worte zum grausamen Kriegsgeschehen verloren, das in seiner Malerei einen lebensbejahenden Kontrapunkt erfahren sollte, und die Dame für den nächsten Tag wieder zur Sitzung bestellt. Dazu kam es aber nicht. Am 11. Jänner morgens erlitt Gustav Klimt einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholen sollte. Er verstarb am 6. Februar 1918. Einige Tage darauf durfte der Fotograph Moriz Nähr, ein Vertrauter Klimts, das Atelier betreten.

Foto: Erwin Böhler / Courtesy of the Michael Huey and Christian Witt-Dörring

Mit seiner Kamera schuf Nähr ein Zeitdokument für die Kunstgeschichte und den Beweis für die bis zuletzt ungebrochene Schaffenskraft des Malers. Auf dem Foto sind zwei Gemälde in Arbeit zu sehen, eben die „Dame mit Fächer“ und „Die Braut“, ein für Klimt typisch symbolhaft aufgeladenes Bild, das einen Mann umgeben von schemenhaften Frauen zeigt. An beiden Werken wären wohl noch Kleinigkeiten zu verbessern, zu perfektionieren gewesen, obwohl sie auf flüchtiges Hinschauen längst vollendet erscheinen.

Gustav Klimt, Dame mit Fächer, 1917-18 © Belvedere, Wien, Foto: Markus Guschelbauer

Diese Momentaufnahme sollte über 100 Jahre die einzige sein, auf denen die zwei Letzten Werke gemeinsam zu sehen sind. „Die Braut“ kam als Leihgabe der Gustav Klimt/Wien 1900 Privatstiftung ins Belvedere. Die „Dame mit Fächer“ hingegen wurde vom Industriellen Erwin Böhler angekauft, der sie anno 1920 als Leihgabe der Kunstschau in Wien zur Verfügung stellte. Bis 1960 verblieb sie im Besitz der Familie (auf einem Foto hängt sie über einem Sockel in einem der Räume). Zeitweilig befand sich dieses Gemälde im Besitz des Sammlers Rudolf Leopold, gelangte dabei zu einer Ausstellung in Tokyo, wurde aber aus nicht näher bekannten Gründen verkauft. Aufgetaucht ist es wieder 1992, wo es in Krakau öffentlich gezeigt wurde.

Kurator Markus Fellinger freut sich, dass er im Zuge der Vorbereitungen zur aktuellen Ausstellung erstmals einen Blick darauf werfen konnte. Ihm wurde die Ehre zuteil, neben einigen anderen Spätwerken („Amalie Zuckerkandl“, „Adam und Eva“ oder „Dame in Weiß“) von Gustav Klimt diese beiden letzten großen Arbeiten erstmals seit dem Tod des Künstlers wieder zusammenführen zu können. Unter dem Titel „DAME MIT FÄCHER Gustav Klimts letzte Werke“ sind sie nun bis 13. Februar 2022 im Oberen Belvedere zu sehen, mit erläuternden Wandtexten und selbstverständlich dem berührenden Foto von Moriz Nähr.

Belvedere Logo 300

Statistik