Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Geschäft mit zwei Winzerinnen; Papyrus Griechisch, Arsinoiton Polis, 6. Jh. n. Chr. – © ÖNB

IN VINO VERITAS Papyri als Zeugen blühender Weinwirtschaft

Altägyptische Weinbauszene, GRab des Chaemwaset, TT261 (18. Dynastie)

Wein, das Getränk für Götter, Herrscher und die Oberschicht

Dank teils von den Jahrtausenden recht mitgenommenen Papyri wissen wir heute durchaus Bescheid über Weinbau und Winzer des Alten Ägypten. Das Papyrusmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek verwahrt bis zu 3.000 Jahre alte Beweise, dass im Nildelta oder in den Oasen des Pharaonenreiches Weinstöcke gepflanzt, Trauben gekeltert und Wein schwungvoll gehandelt wurde. 70 dieser Papyrusreste sind nun, ausgehend von der pharaonischen bis in die arabische Zeit, gemeinsam mit Textilien und Abbildungen der Weinbauernarbeit bis 12. Jänner 2020 unter dem Titel „In Vino Veritas. Wein im Alten Ägypten“ wenn schon nicht zu lesen, zumindest aber zu bewundern. Es war ein edles Getränk, anders als das Bier, das von den Haushalten selbst erzeugt wurde. Wein war bei religiösen Riten ebenso unabdinglich wie bei vielen Kulten.

Textiles Medaillon mit Kelterszene 4. – 5. Jh. n. Chr. – © Österreichische Nationalbibliothek

Der Verstorbene sollte auch im Jenseits seinen Durst damit stillen können, genauso wie er es zu Lebzeiten im Kreise hochstehender Persönlichkeiten getan hatte. Das einfache Volk war von diesem heiligen Rausch großteils ausgeschlossen. Bestenfalls wurde Wein als Medizin in wohl geringen Dosen verabreicht oder ausnahmsweise bei Festen der Menge kredenzt. Erst mit den Hellenen und später den Römern wurde Wein für jedermann populär, um mit dem Einzug des Islam zwar verboten, aber dennoch erzeugt zu werden. Die Kopten durften schließlich Alkohol trinken und hielten damit die große Tradition des ägyptischen Weinbaus am Leben.

 

An den Wandtexten der Sonderausstellung liest man die spannenden Geschichten, die sich hinter den geheimnisvollen Papyri verbergen. So erzählt ein Papyrus um 546 n. Chr. von einem Weinlieferungskauf über mehr als 8.000 Liter. Aurelius Apollos bestätigt darin Flavius Pseel den Erhalt des Kaufpreises für die Lieferung von 2.500 Dipla Wein. Wofür diese beachtliche Menge gebraucht wurde, ist leider unbekannt. Wir wissen aber von der Not mit den Gebinden, wenn ein Schreiber Alarm schlägt: „Wir haben keine Gefäße, wir verlieren den Wein!“, das heißt, er würde unabgefüllt verderben. Da half auch die schönste Musik nichts, mit der ein eigens für die Lese engagierter Flötenspieler die Traubentreter im Takt und die Erntehelfer bei Laune hielt.

Weinbau war auch damals keineswegs nur eine Domäne der Männer, was mit den Schwestern Anna und Tgothis belegt ist. Sie bestätigen einer Dritten Person, dass sie im kommenden Juli und August wohlschmeckenden Weinmost im richtigen Maße übergeben werden, um eine faire Klausel hinzuzufügen: Sollte der Wein bis Dezember/Jänner aber zu Essig geworden sein, werden sie ihn ersetzen. Im Übrigen hatte man von heute abweichende Vorlieben bezüglich des Geschmacks. Eine koptische Schrift spricht von Lorbeerwein und einem Gefäß Fischbrühe gemischt mit Wein. Dass man sich vor Diebstahl zu schützen wusste, erfahren wir aus einem Pachtvertrag zwischen Aurelios Abraamios und dem Ratsherren Flavios Demetrios über drei Aruren (ca. ein Hektar) Weinland in der Nähe der Stadt Hermupolis. Aufgezählt sind darin u. a. die Zwischenpflanzungen (Dattelpalmen), die Bewässerungsreinrichtungen, umzäunter Sonnenplatz (Heliasterion) und ein Turm zur Bewachung. Wie nun die Weinstöcke ausgesehen haben, zeigen Zeichnungen, die detailliert den Weinbau illustrieren. Erstaunlich, aber man beherrschte im Alten Ägypten bereits die Pergolaerziehung, die den Arbeitern das mühselige Bücken zu den am Boden dahin kriechenden Ranken ersparte und bis heute in Teilen der Weinwelt noch genauso praktiziert wird. Wein lügt also nicht oder wie schon das ewig gültige Sprichwort sagt: In Vino Veritas.

Arbeitsvertrag mit einem Flötenspieler, Hermupolis © Österreicische Nationalbiiothek
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