Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Totenbuch Sesostris (Detail) © Österr. Nationalbibliothek

PAPYRUSMUSEUM Wissen zur Antike neu präsentiert

Skorpion auf Papyrus © Österr. Nationalbibliothek

Die wahre Bedeutung der Sammlung liegt in ihren Inhalten

(Dr. Bernhard Palme, Direktor des Papyrusmuseums)

Hinter einer Vielzahl an Sprachen und Schriften verbirgt sich Geschichte, die man nur zu lesen braucht, wenn man es kann. Dr. Bernhard Palme ist einer der wenigen, für den sich die zumeist gleich aussehenden Papyrusfetzchen ganz wesentlich voneinander unterscheiden. Er könnte zu jedem der 400 für die Neuaufstellung des Papyrusmuseums ausgewählten Stücke wohl stundenlang referieren. Aus diesem gewaltigen, unsereins esoterisch anmutenden Wissen rührt auch seine Überzeugung, dass die eigentliche Bedeutung der Sammlung in ihren Inhalten liegt, wohl wissend, dass der Besucher zumeist ratlos davor steht. So wurde für die jetzige Gestaltung auch das für Museen renommierte Architekturbüro BWM beigezogen, um die „Software“ auch für Laien zumindest rudimentär verständlich aufzubereiten. Großflächige Wandillustrationen z. T. aus Bildern des Ägyptologen Karl Richard Lepsius (1810-1884) holen den Eintretenden aus der Gegenwart ab, um ihn in die frühe Antike am Nil und von dort durch die Zeiten herauf bis ins 15. Jahrhundert n. Chr. zu führen.

Totenbuch Osiris aus der Tarumarolle © ÖNB

Ein Lichtkonzept und ein raffiniert ausgewähltes Farbprogramm machen den Zugang einladend und freundlich. Das erforderliche Begleitwissen gibt es wie bisher auf Täfelchen bei den Ausstellungsstücken, aber auch am Medientisch oder mittels eines Audioguides. Ergänzend zur überwältigenden Erfahrung von 3.000 Jahren Schriftkultur wird praktisch erlebbare Information geboten, mit einer Einführung in die Erzeugung von Papyrus, mit einem eigens als Grabkammer gestalteten Raum zum ägyptischen Totenkult, aber auch mit der Möglichkeit, sich den Stein von Rosette, der bekanntlich das Verständnis der Hieroglyphen ermöglichte, zum Heimstudium abrubbeln zu können und später auf Papyrus, wie es in Ägypten nach wie für Touristen feilgeboten wird, feierlich zu übertragen.

Ein römischer Vertrag P. Vindobona © ÖNB

In Ägypten war Papyrus eine Schreibunterlage, die schon früh flotte Notizen im heutigen Sinn erlaubte, ganz anders als die noch zur Römerzeit gebräuchlichen Tontäfelchen und schon gar nicht der Stein, den man erst mit dem Meißel mühsam bearbeiten musste. Pergament war stets teuer und nur äußerst Wichtigem vorbehalten. Damit sind die Papyrusblätter teilweise ein Spiegel des antiken Alltags. Auf ihnen finden sich die Korrespondenz von Geschäftsleuten, Rechtsgebräuche und medizinische Tipps neben feierlichen Texten wie Hymnen oder Literatur von Homer bis zu den lateinischen Klassikern.

Das älteste Stück der Wiener Sammlung ist ein Fragment des Totenbuches des Sesostris (über 3.400 Jahre alt). Später hinterließen eine Reihe fremder Herrschaften wie die Ptolemäischen Könige, die römischen Kaiser und Statthalter bis zu den Wesiren Mohammeds in Ägypten aufschlussreiche Zeugnisse. So zeigen die jüngsten Handschriften arabische und koptische Texte.

Deren historischen und geistigen Wert hatte einst der Habsburger Erzherzog Rainer erkannt, der 1883 begann, die Schriftdokumente anzukaufen, die kurioserweise kurz zuvor in antiken Müllhalden in Ägypten gefunden worden waren. Mit insgesamt 180.000 Objekten zählt die Sammlung der Österr. Nationalbibliothek heute zu den bedeutendsten Institutionen auf ihrem Fachgebiet und hat es verdient, dass sie 2001 in das „Memory of the World“-Register der UNESCO eingetragen wurde.

Raumansicht der Nneugesstalteten Papyrussammlung © ÖNB
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