Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Christian Kohlhofer, Selina Ströbele © Barbara Pálffy

Christian Kohlhofer, Selina Ströbele © Barbara Pálffy

VENUS IM PELZ Verwirrung von Theater und Realität

Christian Kohlhofer, Selina Ströbele © Barbara Pálffy

Christian Kohlhofer, Selina Ströbele © Barbara Pálffy

Wird aus gegenseitiger Erniedrigung am Ende gar so etwas wie Gleichberechtigung?

Die Tante ist majestätisch, aber grausam. Angetan mit Pelz und Diadem prügelt sie den kleinen Severin mit einer Birkengerte auf den nackten Hintern und um seine Schande noch zu steigern, lässt sie ihn dabei von zwei weiblichen Angestellten verlachen. Diese Schmach soll in der Folge seine Beziehung zu Frauen prägen. So erklärt zumindest Thomas, der ein Theaterstück über den Roman von Leopold von Sacher-Masoch verfasst hat, das sonderbare sexuelle Verlangen seines Helden nach Schmerz und Unterwerfung. Dazu sucht er die passende Darstellerin. Das Casting hat aber nichts gebracht außer Frust über die Talentlosigkeit der Kandidatinnen. Sein Hauptdarsteller ist bereits gegangen, als Wanda erscheint, eine überdrehte junge Frau, die mit köstlicher Schmiere um ein Vorsprechen ersucht. Dass sie mit Vornamen zufällig so heißt wie die Figur, die sie darstellen soll, kann Zufall sein oder ein geschickter Schmäh. Dem Autor ist es egal und nach einigem Zögern willigt er ein, um bald überzeugt zu sein, die Richtige gefunden zu haben. Er kann nicht damit rechnen, dass sich in Kürze die Machtverhältnisse wenden und die in härtestem SM-Outfit agierende Wanda zuerst Regie, dann sogar das Lektorat an seinem Werk übernimmt.

Christian Kohlhofer, Selina Ströbele © Barbara Pálffy

Christian Kohlhofer, Selina Ströbele © Barbara Pálffy

Christian Kohlhofer, Selina Ströbele © Barbara Pálffy

Christian Kohlhofer, Selina Ströbele © Barbara Pálffy

Die Realität des Hearings und erdichtete Handlung vermischen sich bis zur Unkenntlichkeit und wabbern im wahrsten Sinn des Wortes zwischen dem Himmel, der sich immer wieder mit kräftigen Donnerschlägen einmischt, und einer Erde, auf der ein erbitterter Kampf zwischen den Geschlechtern abgeht. Die Bandbreite der Beziehungen reicht von der Göttin Aphrodite bis zur Verlobten von Thomas, die gegen eine grausame Venus wie Wanda offenbar keine Chancen hat.

 

Der amerikanische Theaterautor David Ives hat mit „Venus im Pelz“ ein vielschichtiges Drama geschaffen, das lediglich zwei Schauspieler braucht, um die ganze Welt von Liebe, Erotik und in diesem Fall von prickelnden Perversionen infrage zu stellen, wenn nicht sogar zu erschüttern.

Selina Ströbele, Christian Kohlhofer © Barbara Pálffy

Selina Ströbele, Christian Kohlhofer © Barbara Pálffy

Regie geführt hat Gerhard Werdeker, der auf einer minimalistisch eingerichteten Bühne (Dimiter Ovtcharov und Markus Filgut) Christian Kohlhofer als Thomas und Selina Ströbele als Wanda in sehenswerter Manier aufeinanderprallen lässt. Er ist anfangs ganz der souveräne Dramatiker, der gewohnt ist, dass man seine Anordnungen nicht hinterfragt. Als sie ihm jedoch die Rolle des Severin von Kusiemski aufzwingt und selbst zu Wanda von Dunajew wird, ist sie nicht mehr die Tussi, die um einen Job vorstellig geworden ist, sondern die Verkörperung einer Venus, vor der ein Mann nur mehr knien kann und trotzdem vernichtet wird. Immer wieder versuchen beide aus den nunmehr übernommenen Rollen heraus zu springen und sachlich miteinander zu reden. Die Fiktion verdichtet sich jedoch verhängnisvoll und wird am Ende weniger zu einer Aufarbeitung des Phänomens Masochismus als zu einer Antwort auf die Frage, ob Gleichberechtigung tatsächlich nur über Sieger und Besiegte zu erreichen ist.

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