Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Martin Purth als Baron André Laborde © Barbara Pálffy

Martin Purth als Baron André Laborde © Barbara Pálffy

AUS DER LUFT GEGRIFFEN Kraft der Lüge wird Unmögliches möglich

Aus der Luft gegriffen, Ensemble © Barbara Pállfy

Aus der Luft gegriffen, Ensemble © Barbara Pállfy

Die perfekte Schule für windige Bankgeschäfte

Hermann Broch hatte den unbestechlichen Blick auf die Unzulänglichkeit seiner Mitmenschen. Er lotete Gefühle aus, um trocken festzustellen, dass diese nichts anders als „Seelenlärm“ sind, wie er es in seinem Roman „Die Schuldlosen“ eine Magd bekennen lässt. In seiner Komödie „Aus der Luft gegriffen“ gibt es überhaupt keine wahren Empfindungen mehr, abgesehen vom Widerwillen, einen Mitmenschen zu lieben. In der ihm eigenen literarisch fein pointierten Sprache lässt er ein Hochstaplerpärchen in einem nicht näher benannten Hotel sein Unwesen treiben. Deren Gegner sind Bankiers, die sich letztlich als dieselben Betrüger herausstellen. Das Theater „Spielraum“ hat für diesen Hasard die Karten gemischt und bittet um die Einsätze. Der Croupier ist ein gewisser Baron André Labord, alias ein Prinz oder sogar Fürst, der das Rad des Spieltisches kreisen lässt – natürlich nur im übertragenen Sinn. Die Bühne wurde von Anna Pollack nämlich sehr praktisch eingerichtet, damit alle Beteiligten fast ständig anwesend sind und dennoch immer die entscheidenden Dialoge vor den mit Kreuz, Herz und Pik bezeichneten Hotelzimmern stattfinden.

Dana Proetsch, Mario Klein © Babara Pálffy

Dana Proetsch, Mario Klein © Babara Pálffy

Martin Purth, Raimund Bfrandner, Christian Kohlhofer © Barbara Pálffy

Martin Purth, Raimund Brandner, Christian Kohlhofer © Barbara Pálffy

Prinzipal Gerhard Werdeker lässt seine Geldsäcke und die, die sie von ihrer monetären Last erleichtern wollen, gleich einmal einen Selbstmordversuch antreten. Ein dadurch verursachter Stromausfall bringt die Betrügereien auf allen Ebenen in Schwung. Raimund Brandner ist Präsident Seidler, Inhaber eines Bankkonzerns, der seine Tochter Agnes (Valentina Himmelbauer) an einen seiner Bankdirektoren, den feschen, aber recht verklemmten Walther Ruthart verlobt hat. Mario Klein ist der in seinem gewagt gemusterten Businessanzug korrekt steife junge Mann, der mit leichter Hand eine veritable Fehlinvestition von einer Million verursacht. Wie ein Wirbelwind mischen Martin Purth als magisch dämonischer Baron André Laborde und dessen laszive Begleiterin Baronin Stasi (Dana Proetsch) das öde Dasein der Konsumenten des Börsenkuriers auf. Es wird kreuz und quer geflirtet und mit Papieren gehandelt, die das Material, auf dem sie gedruckt sind, nicht wert sind. Jedenfalls kommt Leben in die Bude, die sich der Hoteldirektor, gleichzeitig Kellner und Concierge, für sich zunutze machen kann. Chapeau vor Nicole Metzger für den Einspringer in dieser Rolle, die es grandios schafft, als Mann die ganze fragwürdige Gesellschaft mit ein paar servilen Worten amüsant infrage zu stellen.

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