Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Minister gesucht Ensemble © Gregor Viilukas

MINISTER GESUCHT Heiterer Blick hinter die Kulissen hoher Politik

Rudolf Pfister, Johannes Terne © Gregor Viilukas

Ein ganz normal verrückter Tag im Leben der Familie Stapler

Wie wenig sich doch seit den Tagen eines Fritz Eckhardt geändert hat. Eine neue Regierung soll gebildet werden und schon machen sich allerhand windige Elemente ans Werk, die vorgeben, da oben mitmischen zu können. Bis endlich die Ministerriege steht, werden Namen getuschelt und die Redaktionen mit vagen Vermutungen bombardiert, um das Zeitung lesende Staatsvolk gründlich zu verwirren. Jeder kennt irgendwen, der möglicherweise genügend Einfluss hätte, diesen oder jenen in ein solches Amt zu hieven. Eckhardt hat dieses unheilige Treiben in seiner Komödie „Minister gesucht“ mit einer guten Portion Ironie und viel Humor offengelegt. Dass daraus nicht ein Offenbarungseid geworden ist, verdanken wir einzig und allein der Gutmütigkeit dieses überaus populären Universalgenies der Bühnen- und TV-Unterhaltung. Aber die Wirklichkeit wäre ja lang nicht so lustig wie dieser heitere Blick hinter die Kulissen hoher Politik. So aber dürfen wir über ein angeblich frei erfundenes Prozedere bei der Rekrutierung unserer höchsten Staatsbeamten herzlich lachen.

Dagmar Truxa © Gregor Viilukas

Und ganz ehrlich, was wäre eine Regierung, über die nicht Witze gerissen werden? Ein Jammer! Denn noch haben wir hierzulande die Freiheit zum Matschkern und Spotten und ein Minister, der von Karikaturisten und Kabarettisten ignoriert wird, wäre eine wahrlich traurige Figur.

Bettina Schawarz, Anke Zisak © Gregor Viilukas

Gregor Viilukas hat das Stück für das Theater Center Forum eingerichtet und sanft aktualisiert. Wie gesagt, viel brauchte er dafür ja gar nicht umzuschreiben, abgesehen von Sebastian, dem Vornamen des Bundeskanzlers, der zufällig der gleiche ist wie der eines Technikers in dessen Amt. Bewahrt wurden auch der sprachliche Witz und das Tempo, mit dem aus der angehenden politischen Karriere eines vielbeschäftigten Geschäftsmannes die Genese eines verständnisvollen Familienvaters entspringt.

Rudolf Pfister gibt diesen Mann namens Richard Stapler, der sich tatsächlich Hoffungen machen darf, den Staat mitzuregieren. Man sieht vom ersten Moment an, dass es sich um keinen hartherzigen Menschen handelt. Sein Protest gegen die Morgen für Morgen verbrannten Ham & Eggs ist leise und der Umgang mit seinem Sekretär Häusler (Gregor Viilukas) durchaus höflich. Gegen Elli, die Köchin seines missratenen Frühstücks hätte er rhetorisch auch nicht den leisesten Funken einer Chance. Dagmar Truxa ist ein Dienstmädchen, dessen Mund schneller plappert als ihr Hirn die Stopp-Taste drücken kann. Ihr rutschen die Staatsgeheimnisse halt einfach nur so heraus. Trotzdem kann so einer reizenden Haushilfe keiner böse sein. Am wenigsten der Freund von Lisa (Bettina Schawarz), der untalentierte Dichter Pellegrin, hinter dessen Künstlervollbart sich Michael Duregger verbirgt.

Elli tröstet ihn, als Lisa ihn verlassen will. Neben Putzen und kochen zählt zu ihren Aufgaben nämlich auch die Erhaltung des Hausfriedens, den Roberts (Georg Hasenzagl) Ehefrau Mitzou (Anja Waldherr), eine erklärte und nichts weniger attraktive Kommunistin, zu stören droht. Als sich herausstellt, dass beider Kinder Partner, sowohl der Freund von Lisa als auch die Frau von Robert vermögende Väter haben, kann und will auch Vater Richard sich nicht mehr gegen die fruchtbaren Verbindungen stellen.

Rudolf Pfister © Gregor Viilukas

Was wird nun aus der politischen Karriere des Geschäftsmannes Stapler? Das wird hier nicht verraten. Nur so viel: Der, dem Richard den Ministerposten verdanken sollte, ist ein gewisser Graf Friedrich, eigentlich Fritz Graf, der an diesem ganz normalen Tag der Familie Stapler auftaucht und diesen bis zum Chateaubriand beim Abendessen derartig verwirrt, dass dagegen der tolle Tag von Figaros Hochzeit zum langweiligen Stundenzählen wird.

Johannes Terne lässt genial dieses Ekel die brave Familie gründlich durcheinander wirbeln. Hemmungslos greift er an den Hintern der geplagten Hausfrau Marion (Anke Zisak), schnorrt beim Hausherrn stattliche Geldsummen, gibt mit seinen Connections an wie nur was und legt sich mit Elli an. Die jedoch dreht den Spieß um. Nach anfänglichem Widerstreben findet sie dieses ungute Stück gar nicht so übel und kann sich mit Graf Friedrich sogar ein Ende ihrer Einsamkeit vorstellen.

Anke Zisak © Gregor Viilukas
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