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Bosch & Banisadr Ausstelllungsansicht

BOSCH & BANISADR Zwei Meister der düsteren Schattenwelten

Bosch & Banisadr Ausstellugnansicht

Gemälde zwischen Figuration und abstraktem Expressionismus versus großes Weltgericht

Es ist dem Betrachter keineswegs klar, ob die Bilder in sich abstürzen oder doch von unten nach oben brennen. Das Gewirr seines dynamischen Pinselstriches scheint Chaos pur zu sein und erst ein langer Blick eröffnet dem Auge einen Kosmos, geschaffen aus Gestalten und phantastischen Formen. Wenn man will, dann entdeckt man Figuren, die ein Hieronymus Bosch erdacht haben könnte – und liegt damit gar nicht so schlecht. Ali Banisadr, ein im Irak geborener amerikanischer Maler, ist ein erklärter Verehrer des niederländischen Meisters, dessen „Jüngstes Gericht“ (um 1500) in der Gemäldegalerie im Theatermuseum regelmäßig mit Korrespondenzen konfrontiert wird. Ist es das Rätselhafte, das die beiden Künstler, wenngleich gut fünf Jahrhunderte zwischen ihnen liegen, verbindet? 1976 ist Banisadr in Teheran zur Welt gekommen und als Kind mit seiner Familie in die USA emigriert. Studiert hat er an der School of Visual Arts in New York, das zu seiner Heimatstadt geworden ist. In der pulsierenden Metropole war ihm die Kunst des Alten Europa ebenso zugänglich wie die Moderne.

Ali Banisadr in der Ausstellung der Gemäldegalerie

In seinem Lernen vereinigte Banisadr alle diese Strömungen, um darin schließlich zu einem eigenen künstlerischen Ausdruck zu gelangen, der seine Gemälde auszeichnet und zu einem würdigen Gegenüber für seine „Lehrmeister“ macht. Klang und Musik sind dabei ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit, in der er mit großem ästhetischem Vermögen das Akustische mit dem Optischen zu verbinden imstande ist.

 

Bis 1. Dezember 2019 werden nun Werke von Ali Banisadr unter dem Titel „We Work in Shadows“ in der Gemäldegalerie (dzt. zu Gast im Theatermuseum) gezeigt und können an Ort und Stelle mit dem Altar von Bosch verglichen werden. Er selbst sagt über sein nunmehriges Gegenüber:

Hieronymus Bosch erschafft diese Welten alle aus seiner Imagination, er beschäftigt sich mit unbekannten Orten der Psyche. Das ist etwas, das mich ebenfalls an seiner Arbeit interessiert.“ Zu sehen sind sechs teils großformatige Gemälde aus den Jahren 2015, 2017, 2018 und 2019. Einige dieser Werke kommen direkt aus der ersten Museumsausstellung des Künstlers in Europa, die – besser könnte es nicht passen – das Het Noordbrabants Museum in Boschs Geburtsstadt s´Hertogenbosch ausgerichtet hat.

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