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Ausstellungsansicht © Kunstsammlungen der Akademie der bildenden Künste Wien, Foto: Iris Ranzinger

Ausstellungsansicht © Kunstsammlungen der Akademie der bildenden Künste Wien, Foto: Iris Ranzinger

DIE SAMMLUNG BETRACHTEN plus Cranach-Insert von Klaus Scherübel

Archtektonisches Setting „Cranach´s Holy Productivity VOL. 28“

Archtektonisches Setting von „Cranach´s Holy Productivity VOL. 28“

Highlights aus dem Barock neu geordnet und mit „Cranach´s Holy Productivity“ in Bezug gesetzt

Klaus Scherübel ist ein Künstler, der für seine eigenen Werke die Arbeiten von Kollegen hinterfragt und auf deren Gehalt an Material für neue Sichtweisen überprüft. Für die Kunstsammlung der Akademie der bildenden Künste war es das Gemälde „Die Heilige Sippe“ von Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553), die überraschende Eröffnungen zum Leben des Malers am Beginn der Neuzeit preisgegeben hat. Auf den ersten, oberflächlichen Blick zeigt sie mehrere Familien, deren Frauen und ein Mann sich um eine hübsche Schar von Kindern kümmern, während der zweite Herr eher bekümmert dem Betrachter ins Auge blickt. Tatsächlich handelt es sich um Porträts, die in Form dieses Rollenspiels für die Nachwelt festgehalten wurden. Cranach hat anlässlich der Heirat mit der Patriziertochter Barbara Brengbier seine junge Frau, den Schwiegervater und sich selbst zu einem Teil der heiligen Familie erhoben. Klaus Scherübel wurde durch diese Verschränkung von religiöser Thematik und gesellschaftlichen Verhältnissen angeregt, das architektonische Setting, das diese Sippe umgibt, zu analysieren und nicht zuletzt in einer Installation sichtbar zu machen.

Lucas Cranach d. Ä., Die Heilige Sippe, um 1510–1512 © Gemäldegalerie der Akademie
Klaus Scherübel, Untitled (The Artist at Work) # 40, 2023 © Klaus Scherübel, Foto: Amélie van Hoboke

o.: Klaus Scherübel, Untitled (The Artist at Work) # 40, 2023 © Klaus Scherübel, Foto: Amélie van Hoboken

l.: Lucas Cranach d. Ä., Die Heilige Sippe, um 1510–1512 © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien

Raum 1: Schwarzweiße Tafeln gehen auf die Reliquiensammlung Friedrichs des Weisen ein, die in dem von Cranach illustrierten „Heiltumsbuch“ penibel aufgelistet ist, bis zur exakten Anzahl der Partikel, die von den jeweiligen Heiligen darin enthalten sind. Untitled (The Artist at Work) zeigt Fotos, auf denen Scherübel Wege von Cranach in Wittenberg nachgeht und in banalen Tätigkeiten das ständige Nachdenken des Künstlers über seine Arbeit thematisiert. In Raum 2 wurde unter dem Titel „Cranach´s Holy Productivity VOL. 28“ eine Bühne aufgebaut. Wie Kulissen stehen Teile der Architektur aus der „Heiligen Sippe“ einzeln der Betrachtung zur Verfügung. Nummern verweisen auf den Informationstext an der Wand gegenüber. Ergänzend dazu gibt es eine Broschüre, in der aufschlussreiche Kommentare eventuell ratlosen Besuchern einen Zugang schaffen wollen.

Die Sammlung betrachten, Ausstellungsansicht

Die Sammlung betrachten, Ausstellungsansicht

Einfacher ist der weitere Weg durch die neue geordnete Sammlung. Auch hier ist eine eigene Broschüre hilfreich, die unter Überschriften wie „Vom Goldgrund zur Linearperspektive“, „Barock in Flandern“ oder „Porträtkunst in Österreich vom Barock bis zum Biedermeier“ Aufschluss über die dazu gehängten Gemälde gibt. Neben alten Bekannten wie „Boreas und Oreithyia“ von Peter Paul Rubens trifft man auf selten gezeigte Werke wie das „Bildnis einer jungen Frau“ von Rembrandt, „Familienbild in einem Hof in Delft“ von Pieter de Hooch oder „Würfelspielende Knaben“ von Bartolomé Esteban Murillo. Auch hier wird immer wieder das Insert „Cranachs Holy Productivity“ geschaltet und macht die Betrachtung der Sammlung neben dem emotionalen Kunstgenuss zum intellektuellen Suchspiel, das schließlich in Raum 6 vor dem Weltgerichts-Triptychon von Hieronymus Bosch ewig gültige Antworten findet.

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