Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Alfred Seiland Ausstellungsansicht

ALFRED SEILAND Retrospektive eines der ersten Farbfotografen

Klagemauer und Tempelberg, Jerusalem, Israel, 2013 Besitz des Künstlers © Alfred Seiland

Schärfe vom nächsten Vordergrund bis zum weitesten Hintergrund

Bei seinen ersten Reisen in die USA hat der 1952 geborene Alfred Seiland den Aufstieg der Farbfotografie als Kunstfotografie miterlebt – eine Revolution, da bis in die 1970er-Jahre nur mit Schwarz-Weiß Kunst fotografiert werden konnte. Farbe gab es in der Werbung und in der Mode, aber in der hehren Kunst? Der Meinungsumschwung kam dem Österreicher offenbar gerade recht. Er verlegte sich auf die Farbe und setzte den Schwerpunkt seines Ausdrucks auf exakt komponierte, atmosphärisch dichte Aufnahmen, die spezifische Licht- und Raumsituationen wiedergeben.

Wildwood, New Jersey, USA, 1983 Albertina, Wien © Alfred Seiland

Weiland folgte den Spuren von Pionieren der Farbfotografie wie Joel Meyerowitz, Stephen Shore und William Eggleston. Seine früheste Serie „East Coast –West Coast“ entstand zwischen 1979 und 1986. Sie zeigt ein Amerika der Neonschilder, der weiten Landschaften und Straßen, die bereits von seinen Vorbildern nahezu zu einem Klischee für Amerika gemacht worden waren, allerdings durch den besonderen Blick Seilands, der auch seine späteren Fotografien auszeichnet. Scheinbar Selbstverständliches wird zum exotischen Motiv, wie es nur ein Europäer in einer ihm kulturell fremden Landschaft wahrnehmen konnte.

 

Die Alfred Seiland gewidmete Retrospektive in der Pfeilerhalle der Albertina (bis 7. Oktober 2018) macht mit seinen Fotos die intensive Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Kulturräumen deutlich. Der Bogen spannt sich von den USA über das Gebiet des antiken Römischen Reiches bis Österreich und dem Iran. Allen Aufnahmen gemeinsam ist die größtmögliche Schärfe. Alle Bildelemente sind gleichwertig, vom nächsten Vordergrund bis zum weitesten Hintergrundmotiv. Mit der Zeit haben sich auch Aufträge eingestellt, die ihn zu einer Auseinandersetzung mit Österreich animierten. Mit der Werkgruppe „Österreich“ entstehen zwischen 1981 und 1995 Arbeiten, die weder einen nostalgischen noch einen verklärenden Blick auf das eigene Land werfen.

Sie zeigen jedoch seinen Sinn für Ironie, ebenso wie die Bilder, die für die Kampagne der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter dem Slogan „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“ entstanden sind. Den Zeitungsleser muss man jeweils erst finden, so gut ist er in der genialen Komposition versteckt. Wenn man´s nicht wüsste, niemand würde den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl als den Passagier im Bug eines Schiffes erkennen, der dort allein sitzt und mit offensichtlich großem Interesse in der Frankfurter Allgemeinen die Berichte über seine Regierungstätigkeit studiert.

Alfred Seiland Nadja Auermann (Model) Berlin
Albertina Logo 350

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