Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Arnulf Rainer Schranken, 1974-75  Albertina, Wien © Arnulf Rainer

ARNULF RAINER EINE HOMMAGE mehr als ein Übermaler

Arnulf Rainer Vertikalgestaltung, 1952 Albertina, Wien. Sammlung Essl © Arnulf Rainer

Bilder als Fenster in eine nicht lineare Zeit

Seine „Farce Faces“ sind für Arnulf Rainer „Selbstgespräche vor der Kamera“. Er kennt nicht die geringste Rücksicht auf eigene Befindlichkeiten, schon gar nicht auf Eitelkeit, wenn er fotografierte Selbstporträts, besser gesagt, in Fotoautomaten geschossene Grimmasen übermalt, konkret mit gezielten Pinselstrichen zu Fratzen verzerrt. Sie sind sein Beitrag zur Aktionskunst und weisen ihm einen völlig eigenständigen Umgang mit dem Medium Fotografie aus. Aber trotz aller Verfremdung erkennt man auf den ersten Blick: Das ist (ein) Rainer! Seine Bilder tragen eine unverwechselbare Handschrift, wenngleich sich deren Grundtendenz immer wieder verändert hat. Ab Mitte der 1950er-Jahre setzten seine Über- und Zumalungen ein. Sie machten ihn international bekannt. Er genoss in Deutschland und den USA bereits höchste Anerkennung, als er hierzulande noch belächelt oder abgelehnt wurde. Es hatte in Österreich auch lange gebraucht, um sein Schwarz zu würdigen, diese Nichtfarbe, den Nullpunkt aller Buntfarbigkeit.

Arnulf Rainer Schwarze Rinnen, 1974  Albertina, Wien © Arnulf Rainer

Sie taucht bereits in den frühen surrealistischen Zeichnungen auf, setzt sich in den gestischen Serien der Zentralkomposition und Vertikalgestaltung fort und findet ihren tiefsten Ausdruck in Übermalungen und vor allem in den Kreuzen des ewigen Gottsuchers Arnulf Rainer. Schwarz symbolisiert für ihn Reduktion, Konzentration und gestische Expression. Dazu passen auch drei Zitate eines auch verbal radikalen Künstlers: „Malerei, um die Malerei zu verlassen“, „Konfrontation in Bild und Abbildlosigkeit“ und „Voller Wut und Zorn für Besseres zerstören.“

 

Am 8. Dezember 2019 wird der in Baden bei Wien geborene Arnulf Rainer 90 Jahre alt. Die Albertina, die über eine stattliche Sammlung von seinen Werken verfügt, hat als schuldige Danksagung in der Pfeilerhalle mit gut 40 Arbeiten die Ausstellung „Arnulf Rainer Eine Hommage“ (bis 19. Jänner 2020) eingerichtet. Präsentiert wird eine Auswahl an Schlüsselwerken und richtungsweisenden Werkgruppen. Wandtexte bieten punktgenaue Einführungen.

So gibt es eher unbekannte Hand- und Fingermalereien als körpersprachlichen Ausdruck und die in den letzten 20 Jahren entstandenen Schleierbilder mit transparenten und lichtdurchfluteten Farbnebeln. Zu den Übermalungen wird an dieser Stelle erklärt, dass diese ursprünglich, also Ende der 1950er-Jahre, aus einer mit vielen dünnen Malschichten überzogenen Leinwand bestanden. Später wurden Vorlagen übermalt. Doch damit nicht genug, so Rainer: „Am liebsten arbeite ich an der Übermalung einer Übermalung. Obwohl nicht ausschließlich, so betreibe ich die künstlerische Arbeit doch in erster Linie als Selbstgespräch. Wie sich etwa der Traum im Tiefschlaf fortsetzt, so ist die Übermalung die Entwicklung dieses Selbstgesprächs in ein Schweigen.

Arnulf Rainer Zentralisation, 1951  Albertina, Wien. Sammlung Essl © Arnulf Rainer
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