Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Showküche im Figlmüller Lugeck

Showküche im Figlmüller Lugeck

DAS KLEINE SCHNITZEL ABC Genuss hat in Wien seine eigene Sprache

Das kleine Schnitzel ABC Cover

Das kleine Schnitzel ABC Cover

Rezepte und Wissenswertes vom Altwiener Suppentopf bis Zwetschkenknödel

Keine Wiener Köchin sagt zum goldgelben Überzug von Kalb- oder Schweinfleisch Panade. Das ist die Panier, ganz so wie die glänzende Rüstung eines Ritters, mit dem kleinen Unterschied, dass sie nicht aus Eisen, sondern aus Mehl, Eiern und Semmelbrösel besteht. Allein im letzten Wort dieses Kurzrezeptes steckt schon eine Menge Wienerisches. Gerieben werden die Brösel aus gut getrockneten Kaisersemmeln, was wiederum den Blick Richtung Hofburg lenkt, wo einst ein Monarch residiert und gespeist hat.

Dass der Chef der Hofküche keine Brösel, also Probleme, mit den feinen Gaumen seiner Herrschaft bekam, musste beim Gabelfrühstück das Semmerl zu den Frankfurter Würsteln frisch und resch sein. Vieles von dem, was in den prächtigen Speisesälen aufgetragen wurde, hat seinen Weg auch in die Kuchln der Untertanen gefunden und wird dort bis heute unter den noblen alten Bezeichnungen mit Begeisterung gekocht und schnabuliert.

Markus Brunner beim Panieren

Chefkoch Markus Brunner beim Panieren

Unwiderstehliche Köstlichkeit bei Figlmüller

Unwiderstehliche Köstlichkeit bei Figlmüller

Im kulinarischen Zentrum der Wiener Küche steht das Schnitzel, das Schnitzi, wie wir es liebevoll ansprechen, wenn es duftend auf dem Teller vor uns auf die Attacke mit Messer und Gabel wartet. Eng verknüpft damit ist ein Name: Figlmüller. Wo sonst sollte man die genaue Machart eines originalen Wiener Schnitzels so zuverlässig erfahren, als bei den Köchen des bereits in vierter Generation geführten Familienunternehmens. Dessen Erfolgsgeschichte begann unter dem Motto „Unser Schnitzel verbindet Menschen“ bereits 1905(!). Das stolze Jubiläum wurde nun mit einem Buch bekrönt. Die Brüder Thomas und Hans Figlmüller zeichnen als Autoren von „Das kleine Schnitzel ABC“, das mit „Rezepten und Wissen rund um das Wiener Original und anderen Köstlichkeiten“ vom Verlag ArsEdition g´schmackig aufbereitet wurde. Der Titel weist bereits darauf hin, dass es sich zumindest teilweise um ein Lexikon handelt. Begriffe, die aufgrund der Internationalisierung unserer Umgangssprache selbst Einheimischen nicht mehr geläufig sind, werden launig erklärt. Was ist die Germ? Was die Fledermaus? Oder das Soufflieren, das in diesem Zusammenhang nichts mit dem Einsagen beim Theater zu tun hat? Wem ist schon bewusst, dass das Rindfleisch nach der Wiener Teilung geschnitten wird? Zuletzt gibt es Rezepte wie Schinkenfleckerl, Fiakergulasch, Briocheknödel oder Palatschinken, die das Schnitzel, serviert in lockerer Panier mit Erdäpfelsalat und der erfrischenden Zitronenspalte, als Vorspeise oder Dessert in einem g´standenen Wiener Menü genüsslich umrahmen.

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