Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsaufbau bei Hauser & Wirth, Zürich, 2007  Archiv Maria Lassnig Stiftung. Courtesy Hauser

MARIA LASSNIG Genial gemalter Jammer einer Unglücklichen

Doppeltes Selbstporträt mit Hummer © Maria Lassnig Foundation

Verbeugung vor einer großen Wilden: „Ways of Being“ als Retrospektive zum 100er

Es sind viele Themen, denen sich Maria Lassnig (1919 bis 2014) in ihrem langen künstlerischen Dasein gewidmet hat. Sie wagte sich mit ihrer Phantasie vor in Sciencefiction, mit Roboter ähnlichen Gestalten, die mittels Schlauchleitung kopulieren. Ihre Auseinandersetzung mit Technik machte nicht vor einer Kartoffelpresse halt, die sich ebenso martialisch ausnimmt wie die Panzerflotte auf der Raketenbasis Missiles. Immer wieder aber ist es die Künstlerin selbst, die auf ihren Bildern erscheint; nicht nur in unzähligen Selbstporträts, in denen sie sich alles andere als glücklich präsentiert und den in ihren Augen ästhetisch offenbar unzulänglichen Körper schonungslos noch weiter verunstaltet, bis hin zu abstoßender Nacktheit. Ihr Gesicht wird zum Kopf eines Alien, der im selben Gemälde den eigenen alternden Zügen im Sinne von „Body Awareness“ und „Köpergefühlsbilder“ gegenüber gestellt wird. Sie trauert einer versäumten Mutterschaft ebenso nach wie einer Heirat und findet den Ausdruck ihrer (Lebens-)Enttäuschung in einem winzigen Ehemann unter ihren erdrückenden Brüsten.

Woman Power, 1979 © Maria Lassnig Stiftung © Graphisches Atelier Neumann, Wien

Wenn es um sexuelle Erfüllung geht, sind Tiere die Geschlechtspartner wie ein Tiger oder eine Garnele. In „Woman Laokoon“ ist es eine Schlange, die sich erotisch um ihren Köper windet. Gewalt geht üblicherweise von männlichen Gestalten aus, die aber zu erschreckender Winzigkeit schrumpfen, wenn das Monster „Woman Power“ mit vernichtendem Schritt durch die Straßen einer Großstadt stapft.

 

Man kann nicht vorbei an Maria Lassnig, egal wie man zu ihrer Kunst steht. Das mag auch den Zustrom von Besuchern zur umfassenden Retrospektive in der Albertina erklären, die unter dem Titel „Ways of Being“ bis 1. Dezember 2019 in der Basteihalle zu erleben ist.

Kuratorin ist Dr. Antonia Hoerschelmann, die mit der Hängung der Bilder und den dazwischen platzierten ausführlichen Saaltexten einen gut verständlichen Zugang zu dieser nicht einfachen Materie geschaffen hat. Es sind knapp 80 Werke, die in Kooperation mit dem Stedelijk Museum Amsterdam und mit Unterstützung durch die Maria Lassnig Stiftung diesen beachtlichen Umfang ermöglichte. Die Ausstellung darf als postumes Geschenk an Maria Lassnig betrachtet werden, die zeitlebens eine große Malerin war, aber nie eine Grand Dame der Malerei, dazu liebte sie zu sehr das Provokante, den Schock, den sie bitter lächelnd in freundlich blassen Farben ihren Betrachtern versetzte.

Mit einem Tiger schlafen, 1975 © Maria Lassnig Stiftung
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