Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht: Alexander Kluge. Pluriversum © Belvedere, Wien, 2018 / Foto: Johannes Stoll

ALEXANDER KLUGE. PLURIVERSUM Ein multimediales Werk

Alexander Kluge, Blick in den Abgrund der Sterne, 2017 Filmstill, © Kairos Film

Die poetische Kraft der Theorie

Alexander Kluge (*1932) hat die Ausstellung „Pluriversum“ selbst zusammengestellt und eingerichtet, zuerst für das Museum Folkwang in Essen, und ist damit in das Belvedere 21 übersiedelt (bis 30. September 2018). Aus der Fülle seiner Gedanken und Schöpfungen kann nur ein winziger Teil gezeigt werden, eben der, den Kluge für wesentlich hält, oder wie er selbst in einem Interview mit Hans Ulbrich Obrist sagt: „Wir haben ausgewählt, verdichtet und gekürzt für die Ausstellung, Es geht darum, den Kern herauszuarbeiten.“ Diese Essenz besteht für ihn in Überlegungen u. a. zum Thema Lebenszeit: „Geld gilt als Währung, aber auch Lebenszeit ist eine. Zu solchem Leben gehören die Sterne ebenso wie die Arbeit aber auch die Anti-Arbeit, also zum Beispiel der Schlaf.“ Der Besucher kann sich damit dem Kosmos eines Universalgelehrten nähern, der sowohl als Filmemacher als auch als Autor, besser Poet, die großen Themen unserer komplexen Gegenwart wie ein Seismograph aufspürt und noch nie gedacht neu verhandelt. Man muss sich einfach mutig in diesen Wirbel hineinfallen lassen.

Ausstellungsansicht: Alexander Kluge. Pluriversum © Belvedere, Wien, 2018 / Foto: Johannes Stoll

Dann wird man im Strom von Kluges Ideen seine eigenen Erkenntnisse finden und mit Garantie wird man auf solche stoßen, die es wert sind, fürs eigene ethische und intellektuelle Dasein adaptiert zu werden. Umgekehrt suchen Kluges Arbeiten die Öffentlichkeit und die Verbindung zum Publikum, das geistig und emotional aktiviert werden soll.

 

Aus Bildern, Filmen, Texten und Objekten bildet Kluge immer neue Konstellationen, deren Sinn maßgeblich durch das Prinzip der Montage entsteht. Historische Ereignisse, kosmische Gegebenheiten, wissenschaftliche Ergebnisse, individuelle Erlebnisse, Bilder, Kunstwerke oder eigene literarische Texte bilden das Ausgangsmaterial. Im Untergeschoß des Belvedere 21 werden dazu Alexander Kluges sogenannte „Minutenfilme“ und eigens für die Ausstellung entstandene filmische Arbeiten präsentiert. Erstmal wird dabei auch Einblick in Kluges Arbeitsprozesse, sein umfangreiches Archiv und sein „Pluriversum der Bilder“ gewährt. Bei der Orientierung hilft die „Sternenkarte der Begriffe“ im Eingangsraum. Für Kluge ist es eine Art bildlliche Einführung, „ein Lexikon von Begriffen und Konkretionen, die für meine Arbeit charakteristisch sind: zum Beispiel Knie, Ohr, Zirkus/Elefant, der ,Antirealismus des Gefühls´ oder die ,Strategie von Unten´.

In dieser Denkwerkstatt geht es weiter mit einer Audioinstallation im Tiefhof des Belvedere 21, dem Filmprogramm im Blickle Kino und sogar dem virtuellen Raum auf den Mobiltelefonen der Besucher. Kuratiert wurde die Ausstellung von Axel Köhne. Entstanden ist dazu auch ein Katalog, ein Künstlerbuch, das sowohl beim Besuch des Museums als auch danach alles andere als auf der Hand liegende Zusammenhänge erschauen und erlesen lässt.

Alexander Kluge, Filmstill aus „Lebenszeit als Währung“, 2017 Courtesy Alexander Kluge
Belvedere 21 Logo 250

Statistik