Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht BESSERE ZEITEN? © Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

BESSERE ZEITEN? Frohes Wiedersehen mit Waldmüller & Co.

Ferdinand Georg Waldmüller, Am Fronleichnamsmorgen © Belvedere, Wien / Leihgabe d.V.d.F.d.Ö.G.

Künstler haben durchaus kritisch hinter die Fassaden des Biedermeier geblickt

Ob die Fama von der guten alten Zeit wirklich in den Jahren zwischen Wiener Kongress und der 48er-Revolution entstanden ist, lässt sich nicht so leicht beantworten. Wenn Ferdinand Raimund am Ende des Zaubermärchens „Der Bauer als Millionär“ die Beteiligten aus der „Quelle der Vergessenheit des Üblen“ trinken lässt, hat er damit ein Phänomen angesprochen, das der Menschheit wohl seit Anbeginn das Überleben ermöglicht hat. So wird, was das Biedermeier betrifft, allzu gern über die Armut, die in Stadt und Land die Existenz vieler Menschen in ein Dahinvegetieren verwandelt hat, und auch über das Spitzelsystem eines Metternich hinweggesehen, das mit unerbittlicher Zensur den Kulturbetrieb kujoniert hat. Aber wie es ein Nestroy verstanden hat, sich darüber hinwegzusetzen, so haben es auch die Maler dieser Zeit geschafft, die Realität in ihren Werken durchschimmern zu lassen.

 Friedrich von Amerling, Marie Freiin Vesque von Püttlingen, 1832  © Belvedere, Wien

Man muss nur genau genug hinschauen. Gelegenheit dazu hat man bis 27. Februar 2022 im Oberen Belvedere, das unter dem Titel „BESSERE ZEITEN? Waldmüller und das Wiener Biedermeier“ ein ganzes Stockwerk mit Bildern und Skulpturen gefüllt hat. Kurator Rolf H. Johannsen konnte sich am Bestand des Hauses hemmungslos bedienen und hat von Blumenstillleben über Veduten, Porträts bis Landschaftsgemälden die gesamte Palette der vorhandenen Meisterwerke ausgereizt.

 Josef Danhauser, Wallsteins Grab,1828  © Belvedere, Wien

Entstanden ist damit ein Sittenbild dieser Jahre, das kaum ein anderer als Ferdinand Georg Waldmüller so treffend auf die Leinwand gebracht hat. Das Idyll seiner weißen Mädchen am Fronleichnamsmorgen erhält erschütternde Kontrapunkte in der Pfändung oder im Abschied von den Eltern. Kongnial assistiert wird ihm dabei von einem der raffiniertesten Künstler seiner Zeit, von Josef Franz Danhauser. Sein Haupteinkommen war die vom Vater geerbte Möbelfabrik. Seine Liebe gehörte jedoch der Malerei. Sie bot ihm Gelegenheit, erstens seine Produkte ideal ins Bild zu setzen, zweitens aber auch Gesellschaftskritik zu üben. In „Wallsteins Grab“ wird er zum Pionier auf diesem Gebiet. Dargestellt ist ein vollzogener Selbstmord.

Für damals ein unerhörtes Motiv, ähnlich dem Kleinformat „Zeitungsleser“, auf dem zwei Fuhrleute entsetzt von der Eröffnung der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn lesen. Darüber hinaus sind seine Gemälde mit feinen Pointen gespickt, die nach der Devise „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ viel mehr über das Biedermeier verraten als alle hochgeistigen Abhandlungen zusammen. Wie auch Kurator Johannsen feststellt, wenn er von den Schattenseiten spricht, die von den Malern aufgezeigt wurden: „Nur schlugen sie dabei leise Töne an, verwiesen auf Missstände, forderten die Betrachtenden zum Mitfühlen auf, klagten jedoch nie direkt an. Sozialer Protest im heutigen Sinne war ihre Sache nicht.“

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