Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


ZAUBER DER GEWÜRZE Bitte zu Tisch an „A Brown Table“

Zauber der Gewürze Cover 90 © Nik Sharma0

Indisch-westliche Küche neu komponiert

Nik Sharma ist gleichermaßen Amerikaner wie Inder. Seine Eltern sind typische Vertreter der ethnischen Vielfalt dieses Subkontinents. Die Mutter ist Katholikin aus der ehemaligen portugiesischen Kolonie Goa, Vater ist Hindu aus dem Norden des Landes. Gefeiert werden sowohl die christlichen als auch die Hindu-Feiertage, und es wird bei jeder Gelegenheit aufgekocht, und zwar in beiderlei Kulturen. Nik wuchs damit in einen Mischmasch aus Geschmäckern, Nahrungsmitteln und Essgebräuchen auf. Indien ist bekannt für seine Gewürze, die bekanntlich scharf, sehr scharf sind, was aber bei genauer Betrachtung zu kurz greift. Es sind vielmehr, wie Nik schreibt, eine besondere Wertschätzung und Verehrung, die zu diesem Ruf beigetragen haben.

In die USA geführt hat den Autor in erster Linie das Studium der Biochemie, da er sich dort mehr Entwicklungsmöglichkeiten erhoffte, in zweiter Linie aber auch wegen seiner sexuellen Orientierung. Nik ist schwul. Hier konnte er einen Mann heiraten, ohne Repressionen seitens von Gesetzen befürchten zu müssen, die damals in Indien Homosexualität strafbar machten. Mitgenommen hat er seine Liebe zu den Gewürzen seiner Heimat, die er in der Neuen Welt mit dem dort vorhandenen Potential an Geschmacksbereicherung zu kombinieren begann; und die Freude am Fotografieren. Er begann Rezepte zu entwickeln, machte davon meisterliche Bilder und begann als Blogger sein Hobby der Öffentlichkeit vorzustellen. Sein aktuelles Projekt ist „A Brown Table“, das sich um eine stattliche Schar von Followern nicht zu sorgen braucht.

 

Zauber der Gewürze Illustration S. 104 © Nil Sharma S.  © Nik Sharma

Zauber der Gewürze Illustration S. 104 © Nik Sharma

Zauber der Gewürze Illustration S. 219 © Nik Sharma

Zauber der Gewürze Illustration S. 219 © Nik Sharma

Für diejenigen, die noch immer ihren Spaß an gedruckten Kochbüchern haben, schrieb er nun für den Unimedica im Narayana Verlag ein prächtiges Nachschlagewerk für besondere Geschmackserlebnisse. Unter dem deutschen Titel „Zauber der Gewürze. Indisch-westliche Küche neu komponiert“ nimmt er den Leser auf eine Reise mit, die auf das erste Überfliegen neben gut sortierten Asia-Läden, die all die Zutaten und Gewürze anbieten, auch eine gute Portion Mut braucht.

Eine Bohnen- und Linsensuppe mit Kakao ist für einen Koch am eigenen Herd durchaus eine Herausforderung, nicht nur in der Herstellung, sondern auch für die Vermittlung an die hungrige Gästeschar. Aber es reizt, sich in die penibel genau beschriebenen Rezepte einzulesen und versehen mit „Tipps und Tricks“ zuerst die Palette an Gewürzen und sonstigen Zutaten vorzubereiten, um diese alsdann mutig in ein Gericht zu verwandeln, das anders als alles bisher genossene ist und dennoch schmeckt. Es gibt in diesem Buch genügend Erklärungen, um auch als biederer Mitteleuropäer zu verstehen, was mit Ghee, Nori-Yuzu-Ponzu-Salz oder Panir gemeint ist. Dazu kommen die traumhaften Fotos von Nik Sharma, die vor allem mit der Abbildung seiner Hände über die gewohnte Food-Fotografie hinausgehen, wenn sie aus dem Dunkel altmeisterlich herausgeleuchtet an Fotokunst heranreichen. Nichts steht also mehr im Wege, sich seinen eigenes Naan zu backen, um mit ihm als Beilage zu „Gefüllten Eiern mit cremiger Tahin und Zatar“ oder „Gegrillten Schweinskotellets mit Chat Masala“ kulinarisch breit wie nie aufgestellt zu sein.

Zauber der Gewürze, Illustration Seite 209 © Nik Sharma

Zauber der Gewürze, Illustration Seite 209 © Nik Sharma

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