Der Schriftsteller Nigel Slater macht seinen Lesern Appetit auf leidenschaftliches Kochen.
Als Chronist seiner täglichen Mahlzeiten verzeichnet Nigel Slater in einem Büchlein penibel, was bei ihm je verzehrt wurde. Wann er damit angefangen hat, weiß er nicht mehr genau, aber die Notizen erlauben ihm, seine Essgewohnheiten über die Jahrzehnte zu verfolgen. Er gibt zu, nicht streng vegetarisch zu leben, „aber ein Großteil dessen, was ich unter der Woche esse, enthält weder Fleisch noch Fisch.“ So ist auch das hier besprochene Buch eine genüssliche Anleitung, sich mit pflanzlichen Zutaten, Eiern und Käse Gerichte zu zaubern, die Augen, Nase und nicht zuletzt den Gaumen erfreuen. Der Titel „Greenfeast“ ist auf Frühling und Sommer ausgerichtet, also auf den Einsatz von Lebensmittel, die frisch vom Feld auf den Markt und über den Umweg durch die Küche auf den Tisch kommen.
Nigel Slater ist ein hoch dekorierter englischer TV-Moderator und Schriftsteller, der auch mit seinen „Kochbüchern“ eine Reihe von Preisen eingeheimst hat. Mit dem Fotografen Jonathan Lovekin und vielsagenden Pinselstrichen des Künstlers Tom Kemp ist ein kulinarischer Begleiter für alle die geworden, die selbst am Schneidebrett oder am Herd tätig werden und sich über gängige Fleischgerichte hinaus verwirklichen wollen. Zu den einzelnen Kapiteln wie „Aus der Pfanne“, „Mit der Hand“ oder „Auf dem Herd“ gibt es eine literarisch poetische Einführung, um für die darauf folgenden Rezepte entsprechend Stimmung schaffen. So wird unter dem Motto „Bulgur, Nektarinen und Petersilie“ ein Hauptgericht gemischt, das, so der Autor, das Tröstliche von Getreide, die Süße reifer Früchte und die Lebendigkeit von Zitrone und Petersilie vereint. Als leichtes Mittagessen erscheinen „Grünspargel, dicke Bohnen und Eier“ als erste Anzeichen des Frühlings, während „Auberginen, Honig, Schafkäse“ mit Thymian das sommerliche Gesumme der Bienen ahnen lassen.
Die Zutatenliste ist international. Neben heimischem Grünzeug & Co. haben auch Couscous, fernöstlicher Tofu oder Misopaste ihren festen Platz in den durchwegs spannenden Kreationen. Ein Gang zum Asia-Shop ist also angeraten. Gewürzt wird üppig mit einem reichen Strauß von Kräutern, Knoblauch oder Sojasauce. Seltsam nimmt sich in diesem Zusammenhang die stereotypische Angabe „Salz und Pfeffer“ aus. Ein Feinspitz wie Nigel Slater, der sich sogar über das haptische Erlebnis einer Schüssel Gedanken macht, weiß garantiert auch über Wirkung von Pfeffer Bescheid. Streut man ihn während des Kochens in den Topf, auch bei Verwendung einer Mühle, hat er abgesehen von unangenehmer Schärfe null Wirkung. Nicht umsonst war der Pfeffer einst so wertvoll wie Gold und Diamanten. Ausschließlich über das fertige Gericht gemahlen entfaltet er sein traumhaftes, jedoch sehr flüchtiges Aroma und verleiht so der Speise das gewünschte pikante Geruchs- und Geschmackerlebnis.