Erholung, Bildung, Forschung und Artenschutz im ältesten und wohl auch schönsten Zoo der Welt
Vor 270 Jahren wurde der Tiergarten beim Schloss Schönbrunn angelegt. Es war die geniale Idee von Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen und ein Geschenk für seine Gattin Maria Theresia. Genau am 13. Mai, an ihrem Geburtstag, inszenieren die Strahlen der aufgehenden Sonne am erhaben in der Mitte der Tiergehege thronenden Pavillon ein faszinierendes Lichtspektakel. Die Regentin bedankte sich für diese romantische Geste, indem sie nach dem Tod ihres geliebten Gatten das barocke Gebäude zu einem Gedächtnisort für ihn umgestalten ließ.
Zu erfahren ist diese berührende Geschichte im Buch „111 Geschichten aus dem Tiergarten Schönbrunn, die man kennen muss“, verfasst von Christina Gschwendtner, illustriert mit grandiosen Fotografien von Daniel Zupanc und erschienen im Emons Verlag.
Beim nächsten Besuch bei Elefant, Löwe, Waldrapp & Co. wird man nach dessen Lektüre tatsächlich einiges entdecken, das einem bisher gar nicht bewusst war. 1996 wurde der Zoo als Teil der Schönbrunner Schloss- und Gartenanlage von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Für Dr. Stephan Hering-Hagenbeck ist diese Ehre nicht nur ein Grund zur Freude, sondern auch die veritable Herausforderung, „erfolgreich die Brücke zwischen kulturellem Erbe und moderner Tierhaltung zu schlagen.“ Dass diese Symbiose gelungen ist, beweist der „Best European Zoo Award“, der mittlerweile sechsmal in Folge an den Tiergarten Schönbrunn gegangen ist. Was alles und wer aller hinter einer solchen Ehrung steht, ist in kleinen, leicht verdaulichen Happen Kapitel für Kapitel zu erfahren.
Nach einer Führung an der Seite eines Historikers geht es in die Leitungsebene und damit zu Direktor Hering-Hagenbeck. Seine Vision ist ein reales Erlebnis von Natur, das auch die nächste Generation aus ihrer digitalen Bubble zu holen imstande ist. Dabei geht es immer auch um die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes, der seit einigen Jahren keine finanziellen Zuwendungen der öffentlichen Hand bekommt. Erfreulicherweise lag 2024 die Eigenfinanzierungsquote bei sensationellen 119,3 Prozent. Wesentliche Themen sind auch Nachhaltigkeit, eine teils spielerische Vermittlung von Wissen und ein Einblick in die spezielle Architektur.
Sie verschafft beispielsweise den Löwen einen grandiosen Überblick über ihr Revier oder ermöglicht den Himalaya-Tahren asiatisches Gebirgsfeeling. Im Artenschutzhaus wird Schmuggelware ins Rampenlicht gerückt. Entdeckt wurden illegal transferierte Eier von Rotspiegel-Amazonen oder dehydrierte Bergchamäleons teils von eigens trainierten Artenspürhunden. Artenschutz ist an sich eine der wesentlichen Aufgaben eines Zoos, wobei der Schönbrunner Tiergarten auf ansehnliche Erfolge in der Nachzucht gefährdeter Tierarten verweisen kann. So werden in der Aqua-Forschungsstation manchen bedrohten Fischarten letzte Überlebenschancen gegeben. Ohne Wissenschaft würde nichts gehen. Von Forschern erarbeitete Studienergebnisse werden zwischen den Zoos ausgetauscht und so ein dichtes Netz geflochten, das weltweit den Verlust von Arten zumindest mildern soll. Nachzulesen ist der erstaunliche Umfang dieser Aktivitäten, die neben dem Erholungs- und Spaßfaktor für jährlich rund zwei Millionen Besucher zu den wesentlichen Gründen für den Betrieb eines modernen Tiergartens zählen.
111 Orte in der Wiener Unterwelt. Ein Fremdenführer zu Gauner und Strizzi
Die konzentrierte Zusammenfassung des Verbrechens in einer der sichersten Städte
Auf zwei Seiten wird links mit dem Text von Günther Zäuner und rechts auf einem Foto von Manfred Burger jeweils ein Kapitel abgehandelt, um späte Neugier am Bösen in unserer Stadt zu wecken. Nicht umsonst lautet der Titel „111 Orte in der Wiener Unterwelt, die man gesehen haben muss“ (erschienen im Verlag emons:). In den meisten Fällen wird eine derartige Stadtwanderung gefahrlos ablaufen, da die Bösewichte dingfest gemacht wurden, gestorben sind oder freundlicherweise das Weite gesucht haben. Je näher man jedoch der Gegenwart kommt, umso eher besteht die Gefahr, in das kriminelle Geschehen miteinbezogen zu werden: sollte man so keck sein und beispielsweise am Gürtel einen Streetrunner auf das gerade herrschende Schneegestöber ansprechen.
Oder auf einer der einschlägigen Internetseiten einer erotisch anziehenden, sonst eher ausgezogenen Dame Gehör schenken. Aufklärung dafür gibt es in Punkt 108 (Per Post. Mit ein paar Mausklicks) oder 109, in dem es um den virtuellen Strich und Sex aus dem Internet geht.
Günther Zäuner ist Absolvent der Studien von klassischer Philologie, Geschichte, Zeitgeschichte und hat eine musikalische Ausbildung genossen. Dass ein derart humanistisch beschlagener, oder sagen wir es im Fachjargon, franker Mensch in diese düstere Szene mit ihrer schrägen Galerie gerät, ist wohl seiner Tätigkeit als freier Schriftsteller, Dokumentarfilmer und Journalist zu verdanken.
Bei so mancher Recherche ist es unausbleiblich, in gesellschaftliche Abgründe Einsicht zu gewinnen, verbunden mit dem Bedürfnis, die damit gewonnenen Erkenntnisse auch weitergeben zu wollen. Dazu kommt eine Menge Literatur, die Aufschluss über heikle Fakten gibt und dem Autor das Ungemach erspart, sich mit Gerichtsverfahren bezüglich übler Nachrede oder ähnlichen Befindlichkeiten der in diesem Buch erwähnten Täter herumschlagen zu müssen. Die Leserschaft darf also darauf vertrauen, dass sich die in gebotener Kürze zusammengefassten Tatbestände so abgespielt haben, wie sie hier gedruckt sind. Schon der Einstieg ist wuchtig: Club 45, Ein Schiff säuft ab, mehr braucht man dazu nicht zu sagen. Der gelernte Österreicher weiß sofort, wer damit gemeint ist. Mit Zäuner darf man sich auch in schummrige Cafés wagen, dort beim Stoß kiebitzen, dabei der einen oder anderen Kugel ausweichen oder aus dem sicheren Fauteuil das Treiben umtriebiger, angeblich an Schlapphüten erkennbarer Agenten verfolgen. Und trotzdem wird man letztlich das Resümee des Autors unterschreiben: Wien ist und bleibt eine lebenswert Stadt.