Kultur und Wein

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Some where in the world Ausstellungsansicht

SOMEWHERE IN THE WORLD Afrika begegnet NÖ

Some where in the world Ausstellungsansicht

Kunst soll und kann Begegnungen zwischen einander scheinbar Fremden schaffen

„Achtung, Sie betreten afrikanischen Boden“, warnt der Weinviertler Künstler Wolfgang Krebs in einem Land Art-Projekt. Dieser Quadratmeter Erde aus Uganda erinnert an eine Begebenheit, die sich im Jahr 1985 im Gasthof Zum Grünen Jäger in Unterolberndorf abgespielt hat. Die Führung des National Resitance Movements aus Uganda hielt just im Extrazimmer dieses Wirtshauses im Weinviertel eine Sitzung ab. Was immer die Herrschaften aus Ostafrika dazu bewogen hat, die dörfliche Einsamkeit Niederösterreichs zu suchen, man weiß es nicht wirklich. Tatsache ist aber, dass wenige Monate später das „10 Point programm of Unterolberndorf“ für die kommende Regierungslinie tragend wurde. Einer der Besucher war der spätere Staatspräsident Museveni, der 1994 der Ortschaft einen Besuch abstattete und die Wirtin, die ihre exotischen Gäste offenbar bestens mit Wein, Bier und ländlichen Spezialitäten versorgt hatte, wurde nach Uganda eingeladen. Mit einem Foto wird in der Ausstellung „Some where in the world“ (5. April 2020) an diese in vielerlei Hinsicht denkwürdige Begebenheit erinnert.

Cheikh Niass, Mandela, 1996

Sie ist aber nur einer von vielen Beweisen, dass das im Verhältnis zum schwarzen Kontinent doch eher kleine Bundesland reich ist an gegenseitigen Einflüssen. Kunstwerke von Niederösterreichern stehen Arbeiten gegenüber, die von Afrikanern in oder für Niederösterreich gemacht wurden und laden, gestaltet mit fröhlichen Farben und ansprechenden Formen, zu einem viele Vorurteile beseitigenden Rundgang ein.

 

Im Zentrum stehen fünf Videos, die man sich einer in hellem Gelb gehaltenen Kabine in Ruhe anschauen kann. Man reist darin auch nach Afrika. In „Unearthing. In Conversation“ ist die Forscherin, Filmschaffenden und Autorin Belinda Kazeem-Kamiński Reiseführerin. Sie setzt sich darin mit Fotografien des österreichisch-tschechischen Missionar und Ethnologen Paul Schebesta auseinander. Tim Sharp lässt in „Mo´s Birthday“ in einer Straße von Dakar Feierlaune aufkommen.

Begleitet wird sie von Trommelmusik und Mozartklängen. Pélagie Gbaguidi (geb. im Senegal, lebt und arbeitet in Brüssel) revanchiert sich mit dem humorigen Video „Somewhere in the World“ dafür, dass sie 2017 in Krems am Programm AIR (Artist In Residence) teilnehmen durfte. Gefilmt hat sie dazu eine Musikkapelle in Holland, die durch Masken, Gesichtsbemalung, Gesten und Musikstilen unterschiedliche Kulturkreise verbindet. Berührungsängste mit rassistisch gewertetem „Blackfacing“ zeigt sie darin nicht, viel mehr ist es Ausdruck ihrer persönlichen Botschaft: „Feiern wir das Leben! Der Tod wird ohnehin jeden Tag gefeiert.

Lisl Ponger, Meet me in St. Louis, 2000
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