Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Diva Dany Sigel © Philipp Hutter

DIVEN sterben einsam, aber schön, dank Dany Sigel

Diva Dany Sigel © Philipp Hutter

Ergreifender Rückblick auf das Leben eines einst gefeierten Bühnenstars

Sie hat (fast) alle die großen Frauengestalten der Theaterliteratur gespielt, darf Mila Menardi von sich behaupten. Sie wurde für ihr Gretchen bewundert, für die Elisabeth mit Ovationen gefeiert und der Schmerz ihrer ihre Kassandra erschütterte das Publikum. Dass ausgerechnet Lady Macbeth in der Sammlung fehlt, taucht just dann wieder ätzend auf, als sie allein in ihrer Garderobe ihr Leben Revue passieren lässt. Warum sie noch im Theater verblieben ist, wird nicht verraten, aber es wird seine Gründe haben, denn sie weigert sich auch auf dringendes Ersuchen des Nachtwächters, dessen Stimme über den Inspizientenlautsprecher immer eindringlicher ertönt, „abzutreten“. Der deutsche Theatermann Dirk Audehm legt diesen knapp eineinhalb Stunden dauernden Monolog einer von ihm geschaffenen alternden Diva Mila Menardi in den Mund. Der vollständige Titel lautet: „Diven sterben einsam und erst, wenn sie gut ausgeleuchtet sind.“ Er weiß, wovon er diese Frau sprechen lässt. Der Autor kommt schließlich selbst vom Theater und kennt all das wohl auch aus eigener Erfahrung;

Diva Dany Sigel © Philipp Hutter

das unvermeidliche Schwanken zwischen himmelhohem Erfolg und abgrundtiefer Depression. So lange der Applaus anhält, ist die Welt voll strahlender Lichter, wenn diese aber erloschen sind, geht es hinaus in eine Welt, die so wenig Verständnis für diejenigen hat, denen sie wunderschöne Stunden verdankt. Kommen dazu noch die Jahre, in denen Charakter mehr zählt als Aussehen, dann wird es für eine einst attraktive Frau immer schwerer, sich mit der Realität der Geburtsurkunde abzufinden. So sollte ihr auch nur eine der Hexen in Macbeth spielen, um in diesem Shakespeareklassiker überhaupt noch ein Engagement zu bekommen; sie hat das Angebot mit Grandezza abgelehnt und ist heute noch auf diese Absage stolz.

Diva Dany Sigel © Philipp Hutter

Gleich zwei Regisseure (Günther Frank und Peter Fernbach) hatten bestimmt leichtes Spiel, dieses Stück auf der Freien Bühne Wieden zu verwirklichen. Mila Renardi wird von Dany Sigel verwirklicht, von einer Schauspielerin, an der die Zeit spurlos vorübergegangen zu sein scheint, weil sie zu ihrem Alter steht. Wenn sie will, dann knistert die Erotik, zum Beispiel bei angeregten Gedanken an ihre beiden großen Lebenslieben, natürlich zwei Kollegen, von denen Mila ihre beiden heiß geliebten Kinder hat.

Sie kichert wie ein Teenager, wenn sie ihrer Gesundheit wegen Zitronensaft mit einem kräftigen Schuss Wodka mischt und davon angeregt über den Vergleich von Sex und Theater philosophiert, der aus Milas persönlicher Erfahrung klarerweise zugunsten der Bühne ausfällt. Diese bietet ein Leben lang den Rausch, während ein müder Geschlechtsverkehr in fünf Minuten vorüber ist.

Jede Überlegung wird zu einem Zitat aus einer ihrer Rollen, die den passenden Text bieten, um Dany Sigel vom Rezitieren ins nüchterne Räsonieren über die derzeitige Malaise kippen zu lassen. Geblieben ist ihr die Überzeugung, dass eine Frau ein Verhältnis haben sollte und wird bei diesem Schlager von Zara Leander von Walter Lochmann am Klavier begleitet, ebenso wie beim Auftrittslied, das Dirk Audhem für alle Mimen geschrieben hat: „Spielt auf ihr Narren. Spielt – als gäbe es kein Morgen...“

Diva Dany Sigel © Philipp Hutter
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