Kultur und Wein

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24 STUNDEN im Leben einer Frau bis rien ne va plus

24 Stunden, Ensemble © SLK Photo - Sebastian Kreuzberger

24 Stunden, Ensemble © SLK Photo - Sebastian Kreuzberger

Eine Novelle von Stefan Zweig als Musical zu einer literarisch-klangvollen Miniatur verschmolzen

Die Britin Mrs. C. ist in die Jahre gekommen. Sie will sich endlich das Erlebnis eines Tages vor 25 Jahren von der Seele reden. Ihr Gesprächspartner ist Stefan Zweig, der diese Geschichte in der Novelle „Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau“ der Welt mitteilt, aber ihren Namen nicht verrät. Im Casino von Monte Carlo ist die 42jährige Witwe einem 20jährigen Spieler begegnet. Es war Liebe auf den ersten Blick, wie sie beteuert, trotz des Altersunterschieds. Als er sein letztes Geld verliert, will er sich erschießen. Sie kann ihn davon abhalten. Es folgt eine leidenschaftliche Nacht und ein sonniger Tag voll Zuneigung. Der junge Mann, ein adeliger Pole, verspricht ihr in einer Kirche vor der Jungfrau Maria hoch und heilig, nie mehr zu spielen. Sie gibt ihm Geld, um das von seiner Tante gestohlene Collier zu ersetzen und drängt ihn, am Abend noch den Zug nach Wien zu nehmen. Allein, die Spielsucht ist stärker. Sie trifft ihn wieder am Rouletttisch. Das kurze Glück ist nach einem heftigen Streit jäh beendet – rien ne va plus!

Reinwald Kranner, Shlomit Butbul © SLK Photo - Sebastian Kreuzberger

Reinwald Kranner, Shlomit Butbul © SLK Photo - Sebastian Kreuzberger

Sofia Vardanyan, Sergei Dreznin, Pere Puertas Masferrer © SLK Photo - Sebastian Kreuzberger

Sofia Vardanyan, Sergei Dreznin, Pere Puertas Masferrer © SLK Photo - Sebastian Kreuzberger

Der Dichter versuchte, die Beweggründe dieser Frau in Worte zu fassen. Der Komponist Sergei Dreznin hat nun mit Musik einen weiteren Weg gefunden, tief in deren Seele hineinzuhören. Entstanden ist das Musical „24 Stunden im Leben einer Frau“, das in der von Gernot Kranner geleiteten Freien Bühne Wien am 6. Oktober 2026 seine deutschsprachige Uraufführung feierte. Dreznin leitet vom Klavier aus ein Trio mit der Geigerin Sofia Vardanyan und Pere Puertas Masferrer am Cello, das in seiner Klangkomplexität mehr als nur Gesangsbegleitung bietet.

Regie führt Dennis Kozeluh, der für die kleine Bühne Sam Madwar als Gestalter verpflichten konnte. Gearbeitet wird mit raffiniert eingesetzten Projektionen, die vom Roulett über eine Spazierfahrt entlang der Côte d'Azur bis in die kleine Kirche führen. Reinwald Kranner leiht als eleganter Erzähler und Stefan Zweig dem Mitteilungsbedürfnis der Frau sein Ohr. Nachdenkliche Kommentare sind teils in den Songs verpackt, die organisch durch die Handlung führen. Begleitet wird er dabei von einer schweigenden Assistentin. Der von Spielsucht getriebene Mann ist der Schauspieler und Sänger Jakob Pinter. Er macht durchaus glaubhaft, dass es ihm ernst ist, für sie sein Leben zu ändern. Shlomit Butbul ist dabei die ideale Besetzung von Mrs. C. Die aufgeflammte Liebe verleiht ihr die Attraktivität, um den weit Jüngeren sinnlich für sich einzunehmen. Als sie die Aussichtslosigkeit ihrer Gefühle erkennt, fügt sie sich nolens volens darein, um viele Jahre danach zu resümieren: „Alt werden heißt ja nur keine Angst vor der Vergangenheit zu haben.“

Jakob Pinter © SLK Photo - Sebastian Kreuzberger

Jakob Pinter © SLK Photo - Sebastian Kreuzberger

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