Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Pension Schöller Ensemble © Gloria Theater

Man niebt, neckt, nacht wieder in der guten anten PENSION SCHÖLLER

Angelika Zoidl, Gerald Pichowetz © Gloroa Theater

Ein Irrenhaus für den Herrn den Kommerzialrat

Generationen haben schon über den seltsamen Sprachfehler des Eugen Schöller gelacht. Das L gerät ihm stets zu einem N. Dabei wäre er so gern ein großer Mime, dem Shakespeare näher liegt als die Pension seiner Familie. Dieses klitzekleine Handicap steht, nach Meinung seines Bruders Martin, einer Bühnenkarriere entgegen. Carl Laufs & Wilhelm Jacoby haben in ihrem Schwank „Pension Schöller“ diese im Grund bemitleidenswerte Gestalt so liebevoll gezeichnet, dass man sie einfach mögen muss. Das allein wäre schon genügend Komik für einen ganzen Abend. Als Draufgabe haben sie jedoch aus der Pension ein Irrenhaus gemacht, das auch den nach eigenem Gutdünken normalen Brauereibesitzer Sebastian Reisinger in seinen Bann zieht. Am Ende verschwimmen die Grenzen zum Wahnsinn und keiner weiß mehr, wer der tatsächlich Verrückte und wer ein nicht ganz so großer Narr ist. Richtig, es ist nichts als ein sanft übersteigertes Abbild des Lebens, wie es uns täglich von früh bis spät begegnet, auf der Straße, in der Bim und im Büro, überall halt, wo es Menschen gibt.

Andreas Steppan, Gerald Pichowetz © Gloria Theater

Im Gloria Theater zählt diese Komödie zu den verlässlichen Publikumsmagneten und wird entsprechend oft auch ins Programm genommen. Nur heißt´s halt aufpassen, dass die feine Komik des Stücks auch ernst genommen wird. Gerald Pichowetz, Prinzipal dieser Floridsdorfer Bühne, hat persönlich inszeniert und dabei der Versuchung zum Blödeln all zu gerne nachgegeben. Damit ist ein ungemein persönliches Stück daraus geworden, ein Wohnzimmer, in dem eine lustige Gesellschaft die Wuchteln nur so fetzen lässt. Dass es den Zuschauern ungeheuren Spaß macht, liegt nicht zuletzt daran, dass im Ensemble eine hochrangige Riege von Publikumslieblingen am Werk ist. Den mit dem Psst-Tick behafteten Martin Schöller gibt Christoph Fälbl, der mit seinen in ihrer Art, sagen wir´s so, ungewöhnlichen Brüdern Anton (Robert Notsch) und Eugen (Andreas Steppan) die besagte Pension führt. Der eine wäre so gern eine Frau, eine Conchita Wurst für Arme, und der andere eben Schauspieler, der nicht nur mit dem L, sondern auch mit dem Text so seine Probleme hat, diesen Mangel aber in genialer Routine zu Extra-Lachern verwandeln kann. Die unverwüstliche Jazz Gitti wird zur Wahrsagerin Lola und darf, trotz Widerstands der Mitspieler, den programmatischen Song „Es gibt so viel Trotteln auf der Welt“ von der Rampe zum Mitklatschen und -singen feuern. Als ein köstlich verlorener Professor Gröber irrt Peter Lodynski durch das Geschehen. Er ist auf der Flucht vor der trinkfesten Romancière Josefine Krumpenbichler (Angelika Zoidl) und auf Suche nach dem Skelett Emil, das ihm Ober Franz Mifkovic im Nebenjob als Fahrradbote frei Haus liefert.

Den g´standenen Bierbrauer mit dem festen Willen zu einem Titel hat sich Pichowetz selbst für seine Lust am Extemporieren zurecht geschneidert. Die nicht unbeträchtliche Anzahl weiterer Rollen bestreiten Julia Sailer (Barbara, Martins Tochter), Elisabeth Osterberger (Gertrud, Reisingers Schwester), Roswitha Straka (deren Tochter Ursula), Sandro Swoboda (Reisingers Neffe), Andreas Wutte (dessen Freund) und Benjamin Turecek (Nostratus, Lolas Manager), ohne sich von o. G. ernstlich irritieren zu lassen.

Sandro Swoboda, Franz Mifkovic, Elisabeth Osterberger © Gloira Theater
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