Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ganze Kerle das Zustellerquartett © Gloria Theater

GANZE KERLE Travestie-Show im Floridsdorfer Paketcenter

Ganze Kerle Ensemble © Gloria Theater

Abholpunkt für eine Großlieferung Lachen, aber auch für ein Päckchen Besinnlichkeit

Männer in Frauenkleidern können ungemein anregend sein. Sie werden um ihrer schlanken Beine willen von den Damen beneidet, der glitzernde Fummel kaschiert reizvoll fehlende Rundungen und die (zumindest meistens) bartlosen Gesichter können mit entsprechender Schminke durchaus mit den weiblichen Visagen aus den Modejournalen an Schönheit mithalten. Was aber, wenn die Herren unter den Kleidern alles andere als Naturtalente äußerlichen Transgenderns sind, wenn sie stattliche Bäuche, kurze Haxen, dicke Nasen und von femininer Grazilität gerade so viel Ahnung wie ein Regenwurm von der Raumfahrt haben? Solche Typen sind beispielsweise die Zusteller eines Paketdienstes, die in bester Absicht mit einer Travestie-Show Geld aufstellen wollen, damit sich ihr Chef für seine kranke Tochter eine Delphin-Streichel-Therapie leisten kann. Dass daraus eine Sammelaktion für das eigene berufliche Überleben wird, hat keiner von den vieren gedacht. Zuerst soll nur einer entlassen werden, bis sich herausstellt, dass man ihre ganze Dienststelle schließen will.

Elisabeth Osterberger © Glroia Thater

Es geht also um mehr als eine Hetz, die Kerry Renard, eine kanadische Autorin, in ihrer Komödie mit dem deutschen Titel „Ganze Kerle“ bietet. Freilich dominiert das Lachen. Es ist einfach nicht zu vermeiden, wenn sich patscherte Burschen in High Heels fast die Füße brechen und tapsig wie kleine Elefanten ungeübte Tanzbeine zu schwingen versuchen.

The Andrews Sisters in Aktion © Gloria Theater

Mit Gerald Pichowetz, dem Prinzipal des Gloria Theaters, ist beides garantiert; die Gaudi und das Nachdenken, was mit einem Menschen passieren soll, der knapp vor seinem Sechziger plötzlich auf der Straße steht. Als Georg Maschler ist er der alte Profi unter den Paketzustellern. Sein Zauberwort ist der Abholpunkt. Wozu anläuten, wenn das Ausfüllen eines Zettels genügt, auf dem drauf steht, wo das Paket zwischengelagert wird. Den Rest der Zeit füllt er mit Kreuzworträtseln aus.

Sein Kollege Paul Rotter (Markus Mitterhuber) versucht seine Sorgen in Alkohol zu ertränken und berechnet Geldsummen nur mehr nach der Anzahl von Seideln respektive Krügerln. Alfred Pfeifer ist der Paketbote namens Alex Hoschek und Gewerkschafter. Ihr Chef Franz Veverka (Robert Notsch) leitet die Floridsdorfer Niederlassung dieses Paketdienstes und bringt an sich viel Verständnis für den Schlendrian seiner Untergebenen auf. Ganz aus der Reihe fällt Kai-Uwe Schröder, ein Gastarbeiter aus deutschen Landen. Der junge Mann, dem Adrian Stowasser glaubhafte Gestalt gibt, ist feingliedrig, zart fühlend und vor allem sehr bedacht auf die ordnungsgemäße Durchführung seiner Tätigkeit. Er vermag sogar die Verständigungsprobleme zwischen einem Rheinländer und den Floridsdorfern zu überwinden und überredet seine Kumpels zu besagter Travestie-Show – er gibt ja wirklich als einziger ein hübsches Mädchen her....

Dass auch in (sagen wir so) urmännlichen Typen eine Menge Weiblichkeit steckt, beweisen die Zusteller und ihr Chef bei einer fetzigen Darbietung, die im Publikum wahre Lachstürme generiert. Dass sogar die Tanzschritte stimmen, dafür sorgt resolut Lisa Hoschek (Elisabeth Osterberger). Als Leiterin eines Tanzkurses für Senioren ist es für sie eine Kleinigkeit, auch den nunmehr herrlichen Damen die richtigen Schritte auf dem Parkett beizubringen. Pichowetz wird zu Liza Minnelli, dem untem Hintern der Sessel zusammenbricht. Drei andere aus dieser Truppe trällern als The Andrews Sisters deren Schlager, Paul gibt eine Marilyn Monroe, in die man sich auf der Stelle verlieben will, und Alex eine füllige Hildegard Knef, die ihrer Tanztrainerin auf offener Bühne einen Heiratsantrag macht. Leo Bauer hat bei all dem Regie geführt, Robert Notsch die Lagerhalle hingestellt, Manfredo die Darsteller in Sachen Travestie beraten. Die alles andere als leichte Aufgabe des Kostüms von der Zustelleruniform bis zu den abenteuerlichen Perücken und der Maske wurde von Stephanie Hofer und Coco Schober mit Bravour gelöst.

Gerald Pichowetz als Shirley Temple mit Teddybär © Gloria Theater
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