Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Roswitha Straka, PeterFaerber © Gloria Theater

TREPPAUF TREPPAB im Stiegenhaus der erotischen Verwechslungen

Christoph Fälbl, Robert Notsch © Gloria Theater

Die sonderbaren Wohngelüste eines steinreichen Kübelfabrikanten

Zu ebener Erde und erster Stock ist für manche Bühnenbildner schon ein Problem, vor allem, wenn es an der nötigen Höhe fehlt. Wenn sich dann ein spleeniger Engländer wie Alan Ayckbourn als Schauplatz einer Boulevardkomödie ein Haus mit drei Etagen ausdenkt, die noch dazu gleichzeitig bespielt werden wollen, dann muss schon ein Robert Notsch her, um derlei Vielschichtigkeit auch auf einer Bühne wie der des Gloria Theaters möglich zu machen. „Treppauf Treppab“ erzählt die wundersame Geschichte eines betuchten Kübelfabrikanten, der sich just ein mehr oder weniger baufälliges Haus irgendwo draußen in der Gscherdei als Bleibe für sich und seine bildhübsche Frau Lissy, ein ehemaliges Showgirl, einbildet. Was immer der Grund dafür ist, aber sie will nicht so wie es sich ihr Gatte p.T. Kommerzialrat Eduard Krapf ausgedacht hat. Ein Abschiedsbrief wird geschrieben und Adieu! Was daran lustig ist? Ganz einfach, die Umstände. Lissy hat einen Bruder, Peter Broscher, der zwecks regelmäßigen Einkommens die Eröffnung eines Gemüsegeschäfts anstrebt.

Tanja Prinz, Christoph Fälbl © Gloria Theater

Dessen Erfolg ist jedoch von einem interfamiliären Darlehen seines Schwagers abhängig, das wiederum nur fällig wird, wenn dieser sein Haus bekommt. Also versucht Peter in seiner Not alles so einzurichten, dass Eduard trotz Verlassenwerdens glücklich bleibt und leitet damit einen Reigen von Verwirrungen ein, die durchaus das Zwerchfell strapazieren. Dazu kommen der schwule Klein-Bauunternehmer Horst Danglbauer als Vermieter des Hauses, der auf einer Kawasaki heranbraust (das Motorrad hat leider keinen Auftritt, sondern darf nur draußen vor der Tür brummen), ein genial unbeholfener Rechtsanwalt mit dem klingenden Namen Tristan Wagner und die lebenslustige Kitty, ihres Zeichens Tänzerin in der GoGo-Branche und Verlobte von Peter. Diese Melange kurioser Typen und deren Laufübungen durch das Stiegenhaus wären für eine rechte Hetz bereits ausreichend. Als prickelnde Draufgaben gibt es eine Verwechslung im Bett und einen flotten Partnertausch.

Markus Mitterhuber, Roswitha Straka, Robert Notsch (am Boden), Peter Faerber © Gloria Thater

Leo Bauer hat Regie geführt und sichtlich mit Genuss die Komödianten des Gloria Theaters ihr ganzes Können hemmungslos ausblödeln lassen. Markus Mitterhuber ist der biedere Peter Broscher, der verzweifelt, aber vergeblich um die hübsche und lebenslustige Kitty (Tanja Prinz) und sein Darlehen kämpft. Den Bauunternehmer in Ledergwandl und Motorradhelm gibt Robert Notsch, dessen Aufgabe darin besteht, einen Ausgleich zwischen Schwuchteln und männlicher Seriosität zu finden.

Kübelfabrikant Eduard Krapf (Peter Faerber) liebt Frau und Whiskyflasche gleichermaßen und kann beider Verlust (Gattin weg, Flasche leer) nur mit einem weinerlichen Kollaps, genügend anderem Schnaps und einer Handvoll Schlaftabletten überstehen. Damit Bewegung ins Spiel kommt, wird im Erdgeschoss im Wohnzimmer verhandelt, geschlafen in der finsteren Dachkammer (in der Deckenleuchte ist keine Birne, damit sich alle zumindest einmal die Finger an den 220 Volt verbrennen dürfen) und fröhlich Unkeuschheit getrieben im Schlafzimmer im ersten Stock.

Für sexy Lissy (Roswitha Straka) eigentlich gar keine Sünde. Sie vermeint bei ihrer reuigen Heimkehr spät nachts ihren Mann im Ehebett zu verwöhnen. Dass der Empfänger ihrer Genüsse jedoch der im Haus gebliebene Tristan Wagner ist, erfährt sie erst viel später. Christoph Fälbl ist der patscherte Rechtsanwalt, dem man genussvoll dabei zuschaut, wie er trotz seiner ungemein komischen Schüchternheit zum Abstauber im Liebesleben dieses seltsamen Hauses mit den drei Etagen wird.

Roswitha Straka © Gloroa Theater
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