Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Gerald Pichowetz, Dorian Steidl © Gloria Theater

OBER ZAHLEN! Freundschaft zwischen Kaffeehaus und Expresso

Gerald Pichowetz, Roswitha Strake, Ensemble © Gloria Theater

Ein Klassiker der gemütlichen Filmzeit als berührender Lachschlager auf der Bühne

Das Problem ist, dass Herr Franz, seines Zeichens altgedienter Ober im Café Panigl, eine Aversion gegen das Espresso hat. Von ihm hartnäckig als Expresso herabgemacht, ist der Aufstieg der kleinen Cafés mit den hohen Barhockern dennoch nicht aufzuhalten. Dazu muss man sagen, dass wir ca. 1950 schreiben und damals in Wien jede andere Form als die des klassischen, von qualmenden Dichtern und Denkern bevölkerten Etablissements zwecks Ausschank eines zumindest Kaffee ähnlichen Getränks nahezu einer Majestätsbeleidigung gleichkam. Wenngleich die Figuren auf dem Schachbrett öfter bewegt wurden als die Schale mit dem kleinen Braunen, brauchte es doch aufmerksames Personal in Form eines Herrn Ober, der das mitgereichte Wasser regelmäßig ergänzte und nicht ohne mit Blick auf stattliches Trinkgeld für jeden der stundenlang dasitzenden Herren einen passenden Titel bereit hielt. In dieser Zeit des Umbruchs gab es im Café Panigl sogar zwei der Herren im Frack, Gustav und Franz, von denen einer aufgrund von Gästemangel überzählig geworden war.

Elisabeth Osterberger, Doria. Steidl © Gloria Theater

Die beiden waren Freunde, dicke Freunde, und träumten ohnehin schon länger von Selbstständigkeit. Dazu kam unerwarteter Geldsegen. In einem Fall war es die Erbschaft des verhassten Bruders von Herrn Franz. Dieser hatte seiner ehemaligen Geliebten Marie und nunmehrigen Gattin von Franz ein kleines Vermögen hinterlassen. Die zweite Bereicherung war auf die Liebe der hübschen und betuchten Deutschen Frida Lempke zu Herrn Gustav zurückzuführen. Aber weder Franz noch Gustav wären bereit gewesen, solcherart gewonnenes Geld anzunehmen. Also musste getrickst werden, was wiederum eine ganze Reihe von Kalamitäten heraufbeschwor, über die man bereits vor vielen Jahrzehnten beim Film mit Hans Moser und Paul Hörbiger herzlich gelacht hat.

Sandro Swoboda, Julia Sailer, Ensemble © Gloria Theater

Dass dieser Stoff auch heute, wenn in Cafés nicht mehr geraucht werden darf, das Wasser teuer bezahlt werden muss und lediglich der Kaffe nicht besser geworden ist, noch für beste Unterhaltung sorgt, ist nicht zuletzt dem Gloria Theater zu verdanken. In der Bearbeitung durch Robert Notsch & Leo Bauer wurde aus den Gags eines Karl Farkas oder Hugo Wiener ein reizendes Stück Altes Wien, das neben Lachen auch Nostalgie an gemütlichere Tage in einem Kaffeehaus mitschwingen lässt.

Ober Gustav ist Dorian Steidl und dessen Freund Franz Gerald Pichowetz. Markus Mitterhuber als Kaffeesieder Panigl ist der geborene Pleitier, der sein Unternehmen allzu gern verkauft. Die eine Kaufinteressentin ist Marie (Elisabeth Osterberger), die für ihren Mann dessen Kollegen Gustav als Geschäftsführer eines Espressos einsetzt, das sich locker im Extrazimmer einrichten lässt und den Namen Pinguin führt. Das Gastzimmer erwirbt Frida Lempke (Roswitha Straka mit charmanter Berliner Schnauze) und engagiert für ihren Gustav heimlich Herrn Franz als singenden Cafetier. Nachdem einer und keiner den Durchblick hat – es musste schließlich ja alles heimlich geschehen –, entsteht ein Konkurrenzkampf, in dem beinahe zwei junge Leute unter die Räder kommen. Aber schließlich werden auch Mitzi, die herzallerliebste Tochter von Franz und Marie, passend besetzt mit Julia Sailer, und deren Freund Kurt, ein angehender Architekt (Sandro Swoboda) zu einem glücklichen Paar, das mit Gustav und Frida wohl Doppelhochzeit feiern wird.

Als Gäste sind dort zu erwarten: Oswald, der rauflustige und schnorrende Bruder von Kurt (Robert Notsch, der auch die stimmige Bühne gestaltet hat), Hofrat Günther Hussl, Fridas Neffe und Piccolo Fritz (Nina-Marie Mayer), Medizinstudentin Hummel (Sabrina Hummer) und die fleißige Köchin Mali (Stephanie Christin Schneider). Ob man auch Gerhard Huber zur Feier einladen wird, darf eher bezweifelt werden, wenngleich er in einem Kurzauftritt einen beeindruckenden Betrunkenen gibt.

Markus Mitterhuber, Gerald Pichowetz, Robert Notsch © Gloria Theater
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