Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Andreas Steppan, Gerald Pichowetz, Markus Mitterhuber © Gloria Theater

SCHÖNE BESCHERUNG Herzlich lachen trotz Todesfall und Heiligabend

Andrea Steppan, Elisabeth Osterberger, Gerald Pichowetz © Gloria Theater

Eine absolut unsentimentale Weihnachtsgeschichte

Polizisten auf der Bühne müssen einfach Trotteln sein. Die Inspektoren Gobler und Brant sind aber besonders dumme Exemplare der Spezies beklopfter Ordnungshüter. Ausgerechnet diese beiden werden ausgeschickt, um dem Ehepaar Huber auszurichten, dass ihre Tochter bei einem Verkehrsunfall tödlich verunglückt ist. Das noch dazu am Heiligabend, dem wohl tränenreichsten Fest des Jahres. Was daran lustig sein soll? Der Schotte Anthony Neilson hat auch in dieser absolut traurigen Konstellation das Spaßige entdeckt und daraus die Komödie „Schöne Bescherung“ kreiert, die in ihrer Turbulenz und mit feinem britischen Humor vor keinem noch so gewagten Gag zurückschreckt. Die Hausfrau ist verrückt, ihr Mann kann bei der Nachricht vom Ableben ihres „Babys“ einen Freudenschrei gerade noch unterdrücken, die Nachbarin ist eine unberechenbare Männerfresserin und der Pfarrer trägt unter der Soutane ein Spitzenröckchen. In einer derart durchgeknallten Gesellschaft sind die beiden Polizisten erklärter Weise auf verlorenem Posten, erfüllen aber souverän ihre Mission sehr sehr blöd zu sein.

Natascha Ludrovsky, Gerald Pichowetz © Gloria Theater
Robert Notsch, Natascha Ludrovsky, Markus Mitterhuber © Gloria Theater

Missverständnisse am laufenden Band, ein scheintoter Chihuahua unter dem Dienstkappel, ein Anstoßen mit Schnapsflascherl vom üppig aufgeputzten Christbaum und der laszive Auftritt zweier Glückwunsch-Stripper machen diesen Weihnachtsabend nicht nur für die betroffenen Leidtragenden, sondern auch für das Publikum zum unvergesslichen Fest; nicht zuletzt durch die Verlegung nach Wien, die Regisseur Marcus Ganser für das Gloria Theater gerade noch vor dem Brexit geschafft hat.

Natascha Ludrovsky als Zsa Zsa Huber und ihr Gatte Waldemar (Markus Mitterhuber) schaffen ein Ehepaar, das schräger nicht sein könnte. Ohne Rücksicht auf ihre Person taumelt sie zwischen dem Wahn einer Kreuzfahrt und den Tränen um den Verlust ihres Lieblings alle und alles verwirrend durch das Geschehen, während er hilflos bemüht ist, ihre Eskapaden als normal hinzustellen. Gerhild heißt die Nachbarin, die auch an diesem Tag gnadenlos auf der Jagd nach Exhibitionisten ist. Elisabeth Osterberger hat als solche einen derart schmerzlich festen Griff auf herrliche Geschlechtsteile, dass jedem männlichen Zuschauer das Grauen hochsteigt.

Ein ähnliches Kaliber ist ihre Tochter Karin (Julia Sailer), die allerdings einen guten Teil ihres Auftritts in einer Bettbank gefangen verbringt. Robert Notsch hat nicht nur die Außen- und Innenseite der Huberschen Wohnung auf die Bühne gestellt, sondern muss sich auch als Pfarrer Gottlieb etliche Male den Gummiknüppel über den Schädel ziehen lassen. Die beiden Polizisten Günter Gobler und Willi Brant haben ihren großen Auftritt gleich zu Beginn, wenn es darum geht, wer anläutet und wer die tragische Botschaft überbringt. Andreas Steppan und Gerald Pichowetz schupfen sich die undankbare Aufgabe so lange zu, bis Gerhild auftaucht und ihnen handgreiflich den Herren zeigt. Die beiden Vollblutkomiker malträtieren auch später die (Lach-)Tränendrüsen der Zuschauer, wenn beispielsweise Gobler aus einer imaginären Teetasse genüsslich Earl Grey schlürft oder Brant seinen Kollegen durch spontanes Antanzen zu einem nicht geplanten Lachanfall reizt und damit einmal mehr für Szenenapplaus sorgt.

Julia Sailer, Andreas Steppan, Chihuahua unter dem Dienstkapperl © Gloria Theater
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