Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Dinner for one Ensemble © Gloria Theater

DINNER FOR ONE and the same procedure as every year

Dorothea Parton, Christoph Fälbl © Gloria Theater

Noch ist nicht Silvester und trotzdem darf man über Butler James und Miss Sophie lachen

Regisseur Pierre Unterbusch hat sich ausgerechnet die köstliche Miniatur „Dinner for one“ in den Kopf gesetzt, wohl im Glauben, dass er mit diesem Klassiker aus der Filmbranche Publikum in sein Theater bringt. Allein, es fehlen noch die beiden Schauspieler, die imstande sind, Freddie Frinton als Butler James und May Warden als Miss Sophie vergessen zu machen. Unmittelbar vor der Premiere tauchen schließlich zwei eher zweifelhafte Exemplare dieser Spezies zum Vorsprechen auf. Es handelt sich um ein Paar, das bisher sein Dasein mit Sketches auf kleinen Bühnen gefristet hat und sich von Unterbusch ein Engagement erhofft. Damit ist die Vorgeschichte erzählt und das Stück eine abendfüllende Komödie. Mit Andreas Steppan als geduldigen Regisseur, der einem patscherten Johann Rumpelmeier in seiner Not Schauspielunterricht erteilt und sich anbahnende Zwistigkeiten mit dessen Partnerin Josefine Linek schlichtet, ist grundsätzlich das Leading Team topp besetzt. Dass seine Assistentin Ingrid Schneider nicht einmal Kaffee kochen kann, steht auf einem anderen Blatt.

Stephanie Schneider © Gloria Theater

Herzig ist die junge Dame allemal, gespielt von Stephanie Schneider. Sie würde so gern selbst auf der Bühne stehen, darf aber aus Mangel an Talent nur herzzerreißend in Tränen ausbrechen. Christoph Fälbl übt als Rumpelmeier eine Halbzeit lang die anstehende Rolle und meistert dabei eine wahre Herausforderung. Mittels des Hamlet-Monologs zieht er alle Register seines überragenden komischen Könnens und verkürzt so die Längen, die sich bei den doch etwas langwierigen Verhandlungen einstellen wollen. Dorothea Parton hat es diesbezüglich etwas leichter. Ihre Josefine braucht nur lasziv die Schuhe abzustreifen und schon ist das Muttersöhnchen Pierre von ihrem Charme hingerissen.

 

Der wahre Regisseur ist Leo Bauer und das ansprechende Bühnenbild sowohl hinter als auch vor den Kulissen stammt von Robert Notsch. Sie lassen vor der Pause die Zuschauer gespannt auf das eigentliche Stück warten, das nach der Anmoderation durch Ingrid ordentlich an Fahrt aufnimmt. Christoph Fälbl stolpert sehenswert über den Tigerkopf, fängt ein gebratenes Huhn aus Bodenhaltung wieder ein, salutiert mit einem zackigen „Skål!“ und wird mit jeder Runde, in der er seiner Miss Sophie anstelle der längst verschiedenen Gäste zuprosten muss, nuanciert besoffener.

Keiner der erwarteten Running Gags wird ausgelassen und sogar mit durchaus spontan wirkenden Einfällen wie den bösen Spitzen, die ihm Josefine giftig zuraunt, bereichert. Das Geburtstagsfest zum 90er ist also, entgegen albtraumhafter Befürchtungen von Pierre, absolut gelungen. Ob es James, wie im Stück vorgesehen, auch beim anschließenden Antreten im Bett mit Sophie bringt, diese Frage darf sich das „dank“ Covid schüttere, aber begeisterte Publikum selbst beantworten.

Christoph Fälbl, Dorothea Parton, Andreas Steppan © Glroia Theater
Gloria Theater Logo 300

Statistik