Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Edith Soukup, Mathias Kahler-Polagnoli, Gerald Pichowetz © Gloria Theater

Edith Soukup, Mathias Kahler-Polagnoli, Gerald Pichowetz © Gloria Theater

DREI MÄNNER IM SCHNEE Ein Märchen voll menschlicher Komik

Mathias Kahler-Polagnoli, Gerald Pichowetz © Gloria Theater

Mathias Kahler-Polagnoli, Gerald Pichowetz © Gloria Theater

Wenn das Kind im (reichen) Manne auf Wahrheitssuche ist

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Das Gloria Theater hat sich diese alte Volksweisheit zum Auftrag gemacht und hält sich getreulich daran. Man braucht es ja nicht näher auszuführen, was alles uns derzeit durchaus existenzielle Ängste und Missmut beschert. Da tut es ungemein gut, wenn man sich einen Abend lang amüsieren kann, keine tiefen Gedanken schürfen muss, sondern sich einfach von einem Märchen unterhalten lassen kann. Die Komödie „Drei Männer im Schnee“ bietet dazu ausreichend Gelegenheit. Gerald Pichowetz hat nach einer gefühlten Ewigkeit als erste Premiere dieses berührend komische Stück von Erich Kästner gewählt. Es erzählt auf angenehm leichte Weise von einem unermesslich reichen Mann, der trotz seines Firmenimperiums und dem damit verbundenen harten Geschäft das lautere Kind in sich bewahrt hat. Er gewinnt bei einem von einem seiner Betriebe ausgelobten Preisausschreiben den zweiten Preis: einen Winterurlaub in einem Luxushotel. Verkleidet als armer Hund will er das Personal auf seine Qualifikation im Umgang mit den Gästen testen. Dass sich ihm ernüchternde Wahrheit so offen und herzlos präsentiert, damit hat wohl nicht einmal er gerechnet.

Christoph Fälbl, Robert Notsch, Mathias Kahler-Polagnoli © Gloria Theater

Christoph Fälbl, Robert Notsch, Mathias Kahler-Polagnoli © Gloria Theater

Günther Hussll © Gloria Theater

Günther Hussll © Gloria Theater

Portier und Hoteldirektor, aber auch einige Gäste fallen auf seine Maskerade prompt herein und erweisen sich als menschlich vollkommen unzulänglich. Einzig der wirklich bedürftige Gewinner des ersten Preises darf sich am Schluss eines wahren Freundes, dazu einer bestens dotierten Anstellung und nebenbei der Hand der Tochter des Fabrikbesitzers erfreuen.

 

Pichowetz hat selbst Regie geführt und die Rolle von Konsul Konrad Lehmann übernommen. Dass sein inkognito als Herr Müller reisender Krösus für Lacher sorgt, ist selbstverständlich, genauso wie bei Christoph Fälbl, der als Hoteldirektor in sehenswerter Devotheit vor dem Falschen buckelt und sich gemeinsam mit dem arroganten Portier Robert Notsch, der übrigens auch die wunderschön stimmige Bühne hingestellt hat, in die Bredouille bringt. Andreas Steppan muss als bescheidener Diener Lehmanns unter dem Decknamen Johann Mautner Markhof nolens volens das Geld nur so hinausschmeißen, Champagner schlürfen und Schi zertrümmern, aber er darf sich unter keinen Umständen um den als Laufburschen und Hausknecht missbrauchten Chef kümmern.

Elisabeth Oaterberger, Julia Werbik, Gerald Pichowetz © Gloria Theater

Elisabeth Oaterberger, Julia Werbik, Gerald Pichowetz © Gloria Theater

Andreas Steppan, Elisbaeth Osterberger, Julia Werbik © Gloria Theater

Andreas Steppan, Elisbaeth Osterberger, Julia Werbik © Gloria Theater

Was die Gaudi betrifft, kann Elisabeth Osterberger als Frl. Becherova so richtig drauf drücken. Sie böhmakelt wie eine waschechte Brinnerin, weigert sich standhaft anzuerkennen, dass nicht jeder Doktor ein Arzt sein muss, und besäuft sich hemmungslos an der Hotelbar. Ebendort, an diesem Hort des Alkohols, treiben sich auch zwei obskure Herrschaften herum: Frau von Haller (Edith Soukup), die mit aller ihr gebotenen Zudringlichkeit einen Herrn mit Geld sucht, und der notorische Nichtstuer Niki, Baron von Rähnitz (Günther Hussl) als bläulichblütiger Zechpreller. Dass ein solch mondänes Hotel nicht nur von zweifelhaften Typen geführt bzw. bewohnt wird, beweist Dr. Paul Grammel. Mathias Kahler-Polagnoli ist für ihn auf Arbeitssuche, gewinnt aber statt dessen jedes Preisausschreiben, ernährt sich von Schmalzbroten und verliebt sich in die reizende Isabella Lehmann (Julia Werbik alternierend mit Stephanie Schneider), die seinen Avancen durchaus offenherzig gegenüber steht. Für Grammel ist das alles ein Märchen, mit dem „alten Lehmann“ als guter Fee, was das Publikum am Montag, den 8.11.2021 mit begeisterten Applaus gerne bestätigt hat.

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