Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Reinhard Nowak, Elisabeth Osterberger, Andreas Steppan © Gloria Theater

Reinhard Nowak, Elisabeth Osterberger, Andreas Steppan © Gloria Theater

FÜR GELD MACHT ER ALLES Ein Lottosechser als Charaktertest

Andreas Steppan und das große Geld © Gloria Theater

Andreas Steppan und das große Geld © Gloria Theater

Gibt es wirklich so gute Menschen, die 100 Millionen herschenken?

Wir befinden uns in den 1970er-Jahren. Das Telefon steht noch auf dem Schreibtisch und hängt an einem Kabel. Manuskripte werden noch mit der Hand geschrieben und anschließend von Sekretärinnen abgetippt – auf einer mechanischen Schreibmaschine. Bezahlt wird – zumindest in Wien – mit dem Schilling, vorausgesetzt man verfügt ausreichend über Münzen und Scheine dieser freundlichen Währung und gehört nicht zu den Hungerleidern, die sogar beim Greißler den Kredit verloren haben. Dr. Walter Antoni ist als Beamter zwar Fixangestellter mit Pensionsberechtigung, aber wie schon Hermann Leopoldi besungen hat, hat er am Ersten nix, hat er am zweiten nix, aber was er hat, das hat er fix. Also wird regelmäßig der letzte Groschen in ein Los von Sechs aus 45 investiert. Man darf ja träumen. Und genau das tut der Habenichts Georg Glanz, genannt Bonifazius. Ihm erscheinen in einem Traumgesicht die richtigen sechs Zahlen, die er auf dem Lottoschein ankreuzt, jedoch auf dem von Dr. Antoni. Für ein eigenes Los hat er kein Geld mehr, also vereinbart er mündlich und eher spaßeshalber mit dem Beamten, bei einem Gewinn die Hälfte zu erhalten. Als nach der Ziehung tatsächlich ein Sechser mit 200 Millionen Schilling ins Haus steht, fordert er von Dr. Antoni seinen Anteil...

Andreas Steppan, Elisabeth Osterberger © Gloria Theater

Andreas Steppan, Elisabeth Osterberger © Gloria Theater

Andreas Steppan, Reinhard Nowak © Gloria Theater

Andreas Steppan, Reinhard Nowak © Gloria Theater

Der brasilianische Dramatiker João Estevão Weiner Bethencourt hat diese Situation zum Ausgangspunkt einer zähen Komödie gemacht. Zäh deswegen, da zwischen dem vermeintlichen Gewinner und dem eigentlichen Tippgeber ein Kleinkrieg ausbricht, dessen friedliches Ende mit Fortgang des Stückes immer unwahrscheinlicher erscheint. Zu sehr befleißigen sich sowohl der von akuter Geldgier überwältigte Dr. Antoni als auch der von Gattin, Kindern und hellseherischer Schwiegermutter gepeinigte Bonifazius unlauterer Mittel. Hinterhältige Machenschaften kämpfen gegen hemmungsloses Schnorren und wehleidige Moralpredigten. Dank der subtilen Komik von Reinhard Nowak als heruntergekommener Bonifazius, einem nur mit Pointen freigiebigen Andreas Steppan als Dr. Antoni und dessen im Grund recht vernünftiger Gemahlin Adelheid (Elisabeth Osterberger) wird die an sich ungnädig geführte Auseinandersetzung kurzweilig unterhaltsam. Außerdem hat man gut zwei Stunden Zeit, für sich ein Urteil darüber zu fällen, über wen von den beiden sich nun der wolkenbruchartige Geldregen ergießen soll: dem Besitzer und Finanzier des Lottoscheins oder dem, der diesen ausgefüllt hat und mit seinem Namen zeichnen ließ.

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