Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Sophie Riedl, Andreas Steppan © Gloria Theater

Sophie Riedl (Mimi), Andreas Steppan (Philip) © Gloria Theater

SEXTETT Amüsant erotische Kreuzfahrt-Havarien

Sextett, Ensemble © Gloria Theater

Sextett, Ensemble © Gloria Theater

Manderln und Weiberln auf engstem Raum – zum Zerkugeln

In letzter Zeit waren die Superyachten russischer Oligarchen recht im Gerede. Wer hätte sich beim Anblick eines solchen Luxusschiffernackels nicht gewünscht, einige relaxte Wochen an Bord eines solchen bei Champagner und Kaviar im Beisein attraktiver Partnerschaft zu genießen. Im Gloria Theater ist man diesbezüglich zur Tat geschritten. SEXTETT entführt das Publikum mit einer Kreuzfahrt auf die Hohe See, naja, zumindest ins Mittelmeer. Zugegeben, der Platz für die Passagiere ist nicht gerade üppig. Mit sechs Leuten ist sogar die kleinste Kabine besetzt. Dafür ist aber für Unterhaltung vom Feinsten gesorgt, ja, sogar für genügend Hetz und Gaudi. An Bord sind drei Komiker von Format, die ihre sexuellen Nöte an kongenialen Kolleginnen abarbeiten. Dorian Steidl (Robert) ist der im wahrsten Sinn des Wortes große, besser gesagt, lange Kapitän. Er ist Firmenboss und Chef von Dennis (Christoph Fälbl), den er am liebsten in eine Zweigstelle nach Südafrika versetzen würde. Robert beabsichtigt nichts weniger als ein Pantscherl mit Valerie (Claudia Rohnefeld), der Gattin dieses genialen Patschachters. Blöderweise borded auch seine Ex, die bildhübsche und sehr selbstbewusste Lisa (Adriana Zartl). Damit ist Techtelmechtel Nummer eins einmal gründlich gestört, eröffnet aber eine zweite Bratstelle außerhalb der Kombüse. Mit Andreas Steppan als Philip erscheint ein alter Freund mit ätzend junger Begleitung. Sophie Riedl als Mimi stöckelt zum Verdruss von Robert tiefe Löcher in die Planken des Decks. Doch auch dieser Versuch erotisch abenteuerlichen Seemannsgarns endet mit dem diskret angedeuteten Versagen des betagten Herrn, der sich letztlich bei Lisa ausweint.

Adriana Zartl, Dorian Steidl © Gloria Theater

Adriana Zartl, Dorian Steidl © Gloria Theater

Claudia Rohnefeld, Andreas Steppan © Gloria Theater

Claudia Rohnefeld, Andreas Steppan © Gloria Theater

Michael Pertwee, was sonst als ein Engländer, hat einst diese verhängnisvolle Konstellation erfunden. Wortwitz und Situationskomik ersetzen eine Handlung so gründlich, dass man sich trotzdem köstlich amüsiert. Denn menschliche Wahrheiten geben, getarnt als Pointen über die Unzulänglichkeit eines solchen Vorhabens, genügend Anlass zum Lachen. Für den erfolgreichen Stapellauf im Gloria Theater zuständig sind Andreas Steppan und Gerald Pichowetz als Regisseure. Gebaut wurde das Schiff in der Werft von Robert Notsch. Wenn diese Yacht schließlich in einer veritablen Havarie auf Grund läuft, mit angebrannten Eiern, wasserlos gekochten Würsteln und gebrochenen Herzen, dann weiß auch der letzte Zuschauer, dass gewagte Träume einer erotischen Kreuzfahrt nichts als lächerlicher Meerschaum sind.

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