Kultur und Weindas beschauliche MagazinAnimalia, Ausstellungsansicht ANIMALIA Das Tierische in der menschlichen Kunst
An sich ist der Untertitel der Ausstellung „Animalia. Von Tieren und Menschen“ nicht korrekt, sofern man der britischen Philosophin Mary Midgley folgt. Sie sagte zu Recht: „Wir sind nicht nur ähnlich wie Tiere, wir sind Tiere“, und zwar der Gattung Säuger, was uns lediglich als biologische Klasse von Fischen und Insekten unterscheidet. Der Begriff Animalia, abgeleitet von „anima“, dem Atem oder der Seele, wiederum wurde von Carl von Linné geprägt und umfasst Tiere gleich wie Menschen. In diesem Spannungsbogen bewegen sich die rund 90 Tierdarstellungen aus dem 20. Und 21. Jahrhundert, die bis 30. August 2026 in der Heidi Horten Collection neben anregender Kunstbetrachtung nicht zuletzt ein Umdenken in unserem Umgang mit Hund, Katze, Schwein oder Schmetterling auslösen könnten. Dass damit ein Anliegen von Heidi Horten, Museumsgründerin und Liebhaberin von Tieren und deren Darstellungen erfüllt wird, darf als ihr geschuldete Verbeugung verbucht werden.
Véronique Abpurg und Annkathrin Weber haben dazu einen thematischen Parcours mit verschiedensten medialen Formen, vom Gemälde über die Skulptur bis zum Video, in sechs Kapiteln übersichtlich angelegt. Den Anfang machen unsere treuen und durch Domestizierung gefügig gemachten Gefährten. Wie hätte der steinzeitliche Homo Sapiens ohne den Hund überlebt? Alois Mosbacher hat es in einem Ölgemälde auf den Punkt gebracht. Ein treuherzig blickender Jagdhund posiert vor der Meute, die auf „Jäger im Schnee“ von Pieter Bruegel dem Älteren mit gebeugten Köpfen hinter ihren Herrln heimzu strebt. Jeder Hausbesitzer weiß, dass eine Katze unabdingbar ist. Anna Jermolaewa hat den Mäusefängern der Eremitage in St. Petersburg dazu eine Reihe von fotografischen Porträts gewidmet. Witzig anmutende Keramiken wie ein mit Früchten garnierter Sauschädel von Dominika Bednarsky oder die blaue Sau als „Das Muttertier“ von Lena Henke neben der plakativen „Snackwurst“ (Kristof Santy) führen zu „Das Tier als Ressource“. Abgelöst wird es von einer Art „Spiegel des Selbst“. Birgit Jürgenssen hat sich dazu ein Fuchsfell als Maske aufgesetzt und verwandelt sich damit als Pelzträgerin in das dafür verwendete Tier.
Ausstellungsansicht ORT, Heidi Horten Collection, 2025, Foto: Ouriel Morgensztern, © Heidi Horten Collection ORT – OURIEL MORGENSZTERN Poetische Transformation der Funktion
Es gleicht einem Suchspiel, dem Blick von Ouriel Morgensztern zu folgen. Der 1976 in Paris geborene Fotograf lebt seit 20 Jahren in Wien und hat dieser Stadt tief in ihre Seele geschaut. Jüngste Ergebnisse dieser ungewöhnlichen Sicht sind unter dem kurzen Titel „ORT“ bis 12. April 2026 in der HeidiHortenCollection als Intervention zu erleben. Motiv dieser Arbeit war das Museum selbst. Schwarzweiß Fotos führen zu Details der Architektur, ohne zu verraten, wo sie aufgenommen wurden. Sie sind ein reizvolles Angebot, sie zuerst zu entdecken und dann im Kopf zusammen zu führen. Die Menschen fehlen und sind doch präsent, ebenso wie die dort ausgestellte Kunst, die lediglich in Hinweisen wie den Fingern des Affen im Foyer oder im Schattenbild von Nosferatu in der Ausstellung „Experiment Expressionismus“ zu erahnen ist.
Eine Auflösung dieses Paradoxons bleibt dem Betrachtenden überlassen. Man darf sich genussvoll in den ästhetischen Linien der Treppen verirren, in Bögen und Verschneidungen Zahlen und Buchstaben erkennen oder sich an der ausdrucksvollen Spannung der Motive erfreuen.
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