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 Ausstellungsansicht "Der Meister von Mondsee"  Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

DER MEISTER VOM MONDSEE in Bildern seines Altares

 Ausstellungsansicht "Der Meister von Mondsee"  Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Auf der Flucht mit der Heiligen Familie durch den oberösterreichischen Vorfrühling

Es ist nicht allzu viel, was man von der Person dieses Künstlers der Spätgotik weiß. Umso besser kennt man jedoch seine Arbeitsweise, indem man die von ihm verbliebenen Werke mittels neuer Infrarotreflektografie durchleuchtet hat. Unter den Farben fanden sich akribische Vorzeichnungen. Verwendet hat er dazu einen Pinsel, der ihm das lockere Entwerfen der jeweiligen Kompositionen erlaubt hat, um dann mit einer Breitfeder die Farben anzuschreiben. Die Wörtchen vis (weiß), plo (blau), gel(b), und rot sind zu lesen, die mit den Kürzeln pr, pra, prau, praun oder prun den Farbton des jeweiligen Gewandes genauer eingrenzen. Die kreative Phase in der Entstehung der Farbtafeln konnte also freigelegt und die Hand eines Malers verfolgt werden, der sein Handwerk virtuos beherrscht hat, die Strömungen seiner Zeit gekannt hat und nicht umsonst zu den Bedeutendsten seiner Zeit gezählt wird. Nachdem unbekannt ist, wie er geheißen hat, wurde er mit dem Notnamen „Meister vom Mondsee“ in die Kunstgeschichte des österreichischen Spätmittelalters eingeführt.

Meister von Mondsee, Anbetung der Heiligen Drei Könige (Detail) © © OÖ Landesmuseum

Grund dafür ist sein Hauptwerk, ein Flügelaltar, der wahrscheinlich um 1500 für das Benediktinerstift Mondsee, einer bayerischen Exklave im Salzkammergut, geschaffen wurde.

 

Erstmals konnten die erstaunlich gut erhaltenen Tafeln nun im Belvedere unter dem Motto „Im Blick“ in der Ausstellung „Der Meister vom Mondsee“ (bis 17. Mai 2020) von drei Standorten wieder zusammengeführt werden. Fünf davon befanden sich im Belvedere, zwei wurden erst kürzlich vom Oberösterreichischen Landesmuseum aus Privatbesitz erworben und eine kommt aus den Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein. Dass der Bilderschmuck dieses Flügelaltars derart zerflattert ist, dürfte im Zuge der Aufhebung des Klosters durch Kaiser Leopold II. anno 1791 als postume Wirkung der Josephinischen Kirchenreform passiert sein. Veronika Pirker-Aurenhammer ist Kuratorin und konnte ihr umfangreiches Wissen über die Präsentation der Bildtafeln hinaus auch an das Begleitprogramm einfließen lassen. Die „Rahmenerzählung“, wie sie es nennt, stellt u. a. Zeitgenossen wie Michael Pacher vor, der 20 Jahre zuvor den berühmten Wandelaltar von St. Wolfgang geschaffen hat. In diesem Fall gibt es sogar noch den Vertrag zwischen Künstler und Abt, dessen zwei unregelmäßig auseinander geschnittenen Teile die damaligen Gebräuche beim Abschluss eines solchen Kontrakts zeigen. Der darin genannte geistliche Würdenträger ist Abt Benedikt Eck von Vilsbiburg, der auch als Stifter des Mondseer Altars gilt.

Er darf neben Maria im Ährenkleide diese verehrend knien, sich aber durch das Stiftswappen erkennbar machen.

 

Ein nicht uninteressantes Detail des damaligen Wissens um den jüdischen Ritus ist der leere Thron zur Rechten des ebenfalls sitzenden Sandak, der die Beschneidung vornimmt. Der Sessel ist reserviert für den Propheten Elija, der unsichtbar anwesend und Zeuge der Zeremonie ist. Der Meister vom Mondsee hat dieses Geschehen auf anschauliche Weise reflektiert, wie es im Katalog heißt, indem er den Stuhl reich mit Schnitzwerk und goldfarbenem Brokat dekoriert. Über den Armlehnen hängt ein transparentes Tüchlein, das dem Jesusknaben zugedacht ist und den Betrachtenden zu verstehen gibt, dass das göttliche Kind hier auf dem Kissen gelegen hat ... Das Tüchlein unterstreicht somit den Sinnzusammenhang von Stuhl und Zeremonie und ist singulär in der Bildüberlieferung des Elija-Stuhls.

Meister von Mondsee Beschneidung Christi Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien
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