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Ausstellungsansicht Der Kremser Schmidt. Zum 300. Geburtstag Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien

DER KREMSER SCHMIDT Erstaunliche Vielfalt jenseits frommer Themen

Martin Johann Schmidt, Wirtshausszene, 1781 © Belvedere, Wien

Ein Geschenk zum 300. Geburtstag: Einer der populärsten Barockmaler „IM BLICK“

Ein Museum, sollte man denken, wäre gar nicht der richtige Ort, um Arbeiten des Kremser Schmidt, eigentlich Martin Johann Schmidt, zu zeigen. Der Meister hat vor allem für die einfachen Menschen gemalt, für die Messbesucher auf dem Land. Vor sich hatten sie über dem Altar den Kirchenpatron und seine nicht seltene Leidengeschichte zur erbaulichen Betrachtung. Der Kremser Schmidt, wie er im Volk ehrfürchtig genannt wurde, verstand wie kaum ein anderer Maler seiner Zeit, in seinen Bildern Geschichten zu erzählen. Er hatte sich im Laufe seiner Arbeit vom opulenten Barockmaler zu einem Künstler entwickelt, der durch Reduktion der Staffage das Wesentliche einer Szene zu betonen wusste. Man verstand ihn allein vom Hinschauen und der Pfarrer konnte anhand dieser Gemälde in der Predigt seinen Schäfchen die Heilsbotschaft vermitteln. Das ist auch der Grund, warum viele seiner Arbeiten noch in situ sind, eben in den Gotteshäusern, für die sie einst geschaffen wurden.

Nymphe und Faun mit Amor, um 1795 Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien

In Kirchberg an der Pielach beherrschte der Hl. Martin den Altar. Das Bild verrät mit der Signatur den Künstler und das Jahr seiner Entstehung: „Martin Joh. Schmidt pinxit Ao 1772“. 1903 wurde das Werk durch das Oberstkämmereramt für die kaiserliche Galerie Wien, dem heutigen Belvedere, angekauft. Aufgrund einer Neugotisierung der Pfarrkirche hatte man sich von Blatt und Rahmen auf dem Retabel getrennt. Derzeit ist es das Prunkstück der Ausstellung IM BLICK mit dem Titel „Der Kremser Schmidt. Zum 300. Geburtstag“ (bis 3. Februar 2019 im Oberen Belvedere). Darum herum spannt sich ein Bogen von den sakralen Arbeiten bis zum erstaunlich umfangreichen zeichnerischen und druckgrafischen Werk. Damit wird deutlich gemacht, das der Kremser Schmidt nicht nur Heilige gemalt hat, sondern neben Mythologie auch ganz profane Sujets wie einen Sägfeiler oder einen Zahnbrecher mit hintergründigem Humor dargestellt hat.

Anbetung der Heiligen Drei Könige, 1784 Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien

Martin Johann Schmidt, 1718 geboren in Grafenwörth, war ein Landkind, der abseits der akademischen Lehren zu seiner Kunst fand. Über seine Ausbildung weiß man wenig, abgesehen davon das ein gewisser Johann Gottlieb Starmayr sein Lehrer war. Am Deckengemälde des Retzer Rathauses, für das Starmayr 1740 beauftragt worden war, sieht man deutlich, was neben plumpen Putti mit viel zu dunklem Karnat von der Hand seines genialen Schülers in feinen Farben und lebendigen Formen gemalt wurde. Die Kunstfertigkeit des jungen Martin Johann Schmidt hat sich bald herumgesprochen.

Ab 1745 arbeitete er als selbständiger Künstler. Die Krönung und ihm zustehende Würdigung seines Lebenswerks war die Aufnahme als Mitglied in die „k. k. Kupferstecher-Akademie“ anno 1768. Barock wurde vom Rokoko abgelöst und vom Kremser Schmidt in der damals noch im Ausland gelegenen Abteikirche St. Peter in Salzburg beeindruckend umgesetzt, ohne seiner Malweise untreu zu werden. Das raffinierte Helldunkel seiner Gemälde lässt einen Kremser Schmidt auf den ersten Blick erkennen, was ihm auch den rühmenden Beinamen „Rembrandt Österreichs“ eingebracht hat.

 

Kurator Georg Lechner will bei dieser Ausstellung nicht von einer Neuentdeckung dieses Künstlers sprechen. Der Kremser Schmidt hat über die Jahrhunderte hinweg seine Bedeutung gewahrt.

Seine Arbeiten weisen weit in die Zukunft und seine Schüler haben diese Arbeitsweise in das 19. Jahrhundert hineingetragen. Das Belvedere verfügt mittlerweile über eine stattliche Anzahl von seinen Werken und kann sogar behaupten, dass diese einen wesentlichen Teil der Barocksammlung ausmachen. Es sind 18 eigenhändige Gemälde von Martin Johann Schmidt, daneben Druckgrafiken und Bilder von Mitarbeitern seiner Werkstatt. Neben aller Virtuosität der Farben sind die Zeichnungen jedoch das heimliche Highlight dieser Ausstellung. Die frechen Augen des „Geigenden Knaben“, den verträumten Blick des „Savoyardenknaben“ oder den umwerfenden Charme der „Halbfigur einer jungen Frau mit einem Kinde auf dem Arm“ konnte wohl auch ein Kremser Schmidt nur mit dem nachdenklichen Strich von Steinkreide und Feder so unmittelbar auf den faszinierten Betrachter übertragen.

Die heiligen Eremiten Antonius und Paulus, um 1765 © Belvedere, Wien
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