Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht, Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien

JOSEF IGNAZ MILDORFER Maler von Heiligen und wilden Gesellen

Die Schlacht von Schärding, um 1742 © Salzburg Museum

Der akademische Rebell im spätbarocken Wien

Seine Figuren zeigen zum Teil Posen, die man so nicht ohne körperliche Schmerzen einnehmen könnte, meint die Kuratorin Maike Hohn, die für den heutzutage wenig bekannten Barockmaler Josef Ignaz Mildorfer eine Ausstellung in der Reihe „Im Blick“ gestaltet hat. Für sie ist er daher ein Rebell der Malerei, die Mitte des 18. Jahrhunderts an der Wiener Kunstakademie als Avantgarde aufgetreten ist. Sture Tiroler, könnte man sagen, denn vorn dabei waren Künstler wie Michael Angelo Unterberger oder Paul Troger, beide aus Südtirol, und eben Mildofer, ein geborener Innsbrucker. Sie loteten Extreme in Bewegung, Ausdruck und Licht aus und schufen damit den „Wiener Akademiestil“, der sich nicht zuletzt durch die Lehrtätigkeit Mildorfers etablieren konnte. Dem braven Katholiken aus dem „Heil´gen Land Tirol“ war die Kirche hold und erteilte ihm Aufträge. So stammt von ihm das Deckenfresko in der Marienwallfahrtskirche am Hafnerberg im Wienerwald. Adel und Bürgertum wollten nicht nachstehen und bestellten ebenfalls bei Mildorfer, so auch Kaiser Franz I. für den zentralen Pavillon in seiner Schönbrunner Menagerie und die Kuppel der Maria-Theresia-Krypta in der Kapuzinergruft.

Pandurs, c. 1742 –44 © Photo: Wolfgang Gafriller

Als mutmaßlicher Auftraggeber für ein im Besitz des Belvederes befindliches Tafelbild „Die Heilige Dreifaltigkeit mit den Heiligen Rochus, Florian, Sebastian und Johannes von Nepomuk ist Joseph Zaillner von Zaillenthal, tüchtiger und verdienstvoller Direktor der k. k. privilegierten Kattunfabrik in Schwechat bei Wien.

 

Im Belvedere kann man nun bis 6. Jänner2020 ganz nahe an die Bildern herantreten, nicht nur um den für diese Zeit ungewöhnlich mutigen Strich zu studieren, sondern auch um Details zu entdecken, die von ausgesprochenem Humor Mildorfers zeugen. So lässt er den Engel, der Habakuk zu Daniel in die Löwengrube trägt, diesen recht unsanft beim Schopf packen oder den Hund zu Füßen des Pestheiligen Rochus sehenswert mieselsüchtig das himmlische Geschehen über sich ergehen. Die ebenfalls gezeigten Skizzen geben Aufschluss über den Gedankengang Mildorfers, wenn er daran ging, Figurengruppen anzuordnen wie bei „Moses und die eherne Schlange“, ein Thema, das ähnlich auch von Paul Troger angegangen wurde und den engen Kontakt der beiden Maler offenbar werden lässt. In diesem Sinn werden auch Werke von Maulpertsch gezeigt und erlauben einen Vergleich zwischen den in Wien tätigen Meistern dieser Tage.

Gut dürften seinerzeit auch Schlachtengemälde und Pandurenbilder beim Publikum angekommen sein. Als Mildorfer in die Residenzstadt gekommen ist, war die junge Regentin Maria Theresia gerade im Erbfolgekrieg (1740-48) verstrickt. In ihrer Not hatte sie auch Baron Franz von der Trenck engagiert, einen rüden Burschen, der wegen seiner Streit- und Rauflust bereits mehrmals aus anderen Heeren entlassen worden war. Er erhielt die Erlaubnis zum Anwerben einer eigenen Truppe. Trenck rekrutierte seine Leute aus den Bewohnern Slawoniens und aus begnadigten Räubern, den sogenannten Haiducken, die er zum Panduren-Korps zusammenschloss. Ihre Besoldung bestand neben sechs Kreuzern täglich aus dem Anrecht auf Kriegsbeute. Entsprechend wild gebärdeten sich die ungewöhnlich gekleideten Soldaten, was bei der Wiener Bevölkerung aber weniger Schrecken denn Lust auf ein gruseliges Kuriosum hervorrief. Damit erklärt sich auch das Interesse an den von Mildorfer gemalten „Pandurenbildern“ mit karikaturhaft ironischen Persönlichkeitsstudien, die wieder seinen Sinn für das Kuriose und neben allem Heiligen auch durch und durch Weltliche zeigen.

Die Heilige Dreifaltigkeit mit den Heiligen Rochus, Florian, usw., Foto: Johannes Stoll © Belvedere
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