Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


August von Pettenkofen, Ungarischer Markt mit blauen Schirmen, 1874 © Belvedere, Wien

SPONTAN ERFASST Die Faszination von Ölskizzen im Blick

Koloman Moser, Wolkenstudie, um 1913 © Belvedere, Wien

Erste Inspiration und Begeisterung am Motiv in Farbe festgehalten

Mit der Erfindung der Tubenfarbe war es im 19. Jahrhundert den Malern mit einem Mal um vieles leichter geworden, mit ihrem Malkasten in die Natur hinauszugehen und direkt vor dem Motiv die wichtigsten Grundzüge eines später im Atelier fertig gestellten Bildes festzuhalten. Tempo war gefragt, denn die Stimmungen, die auf die Leinwand gebannt werden wollten, waren ebenso flüchtig wie die Staffage, von der die Landschaft belebt wurde. Es entstanden Momentaufnahmen, die eigentlich nicht für fremde Betrachter gedacht waren. Sie dienten vielmehr als Gedächtnisstütze und konnten daher im Pinselstrich freier und mutiger sein als das Gemälde, das für einen kritischen Käufer geschaffen wurde. Nach getaner Arbeit verschwanden daher die Ölskizzen vielfach in einer Mappe, um dort erst nach dem Ableben des Künstlers entdeckt zu werden. Dann allerdings scheute sich der Kunsthandel nicht, sie in sein Angebot aufzunehmen und fand dafür exakt die zahlungskräftige Klientel, die bereitwillig ihre Sammlungen mit derlei genial locker hingeworfenen Miniaturen bereicherte.

Ludwig Willroider, Landschaft bei Bernried (Detail)

So gibt es im Belvedere eine stattliche Anzahl solcher Werke, die es dem Betrachter erlauben, dem Maler auch nach 200 Jahren noch über die Schulter zu schauen, wenn dieser den goldenen Schimmer der untergehenden Sonne unter einer schwarzen Wolkenschicht hervor glänzen lässt, den Felsen am Wildbach mit vom Sturm gepeitschten Bäumen besetzt oder wie Tina Blau das entspannte Treiben von Menschen im Prater schildert.

Emil Jakob Schindler, Gebirgsbach in der Ramsau, um 1868 © Belvedere, Wien

Aber es ist alles nicht so einfach, erfährt man in der Ausstellung „Spontan erfasst. Faszination Ölskizze“ (bis 8. September 2019) im Oberen Belvedere. So heißt es dort, dass die Kunstgeschichte zwischen Ölskizzen und Ölstudien unterscheidet. Ölskizzen werden durchaus als autonome Kunstwerke angesehen. Ölstudien hingegen gelten als Vorarbeiten für Gemälde. Beide haben ihren Ursprung im 19. Jahrhundert. Die Auftraggeber wollten eine Ahnung von dem später ausgeführten Werk erhalten. Studien waren damit Teil des Vertrages zwischen ihnen und dem Künstler.

Als es die Meister um 1800 nicht mehr in ihren vier Wänden hielt, entwickelte sich das Arbeiten in freier Natur, das im Impressionismus mit der Pleinairmalerei seinen ersten Höhepunkt erreichte. Skizzen entstanden, die auf den ersten Blick nichts von einem fertigen Gemälde vermissen lassen. Dazu kamen Wolkenstudien groß in Mode. Man beobachtete das Wetter, das beispielsweise Adalbert Stifter einerseits zum malerischen Studium der weißen Himmelsgebirge veranlasste, aber auch in seinem literarischen Werk breiten Raum einnimmt. Überdies hatte der aufkommende Geldadel das Bedürfnis nach klassischer Allegorie zur Ausstattung der wie Pilze aus dem Boden schießenden Palais. Damit beauftragte Maler wie Hans Makart oder Gustav Klimt und seine Künstler-Compagnie schufen dafür die Ölstudien, von denen weg Decken und Wände im Großen ausgestaltet wurden.

 

In der Ausstellung selbst, die von Rolf H. Johannsen liebevoll gestaltet und mit viel Wissen ausgestattet wurde, sind die Grenzen zwischen Studie und Skizze fließend. Zu sehen sind immer wieder die „Entwürfe“ neben ausgeführten Gemälden und man hat tatsächlich die Wahl, zumindest für sich beurteilen zu dürfen, was man als spannender empfindet.

Das Urteil fällt nicht selten zugunsten des angeblich Unfertigen, des mit leichter Hand Erfassten aus und man wird Stella Rollig, Generaldirektorin des Belvedere, gerne zustimmen, wenn sie feststellt: „Diese IM BLICK Ausstellung präsentiert Werke aus der Sammlung des Belvedere, die zum Teil seit Jahrzehnten nicht mehr zu sehen waren oder sogar erstmals ausgestellt sind. Damit bieten wir in Ergänzung zu unserer Schausammlung im Oberen Belvedere einen neuen, frischen Blick auf Kleinode in unserem Haus.

Tina Blau, Kinder an der Friedhofsmauer, 1888 Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien
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