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 Ausstellungsansicht IM BLICK: Johann Jakob Hartmann  Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Johann Jakob Hartmann: Landschaftsmalerei aus Böhmen IM BLICK

Johann Jakob Hartmann, Das Wasser Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Die Vier Elemente als Verkaufsargument im flämischen Stil

Jan Brueghel d. Ä. prägte die Landschaftsmalerei in der Zeit um 1600. Vorne buntes Treiben und dichtes Menschengewimmel, seitlich dunkler, geheimnisvoller Wald aus stilisierten Bäumen und in der Ferne mehr und mehr verblauende Tiefe mit Flüssen, Dörfern und einem am Horizont aufragendem Gebirge. Das folgende Hochbarock wandte sich in der Malerei davon ab. Geblieben war jedoch das Bedürfnis nach solchen Bildern, nach einer idealisierten Landschaft voller Allegorien. Johann Jakob Hartmann, vermutlich 1658 geboren, hatte diese Marktlücke erkannt. Als „Maler von Kuttenberg“, auf tschechisch Kutná Hora, reüssierte er in Prag als Meister des alten (flämischen) Stils und konnte sich damit sogar ein Alleinstellungsmerkmal schaffen. Seine Abnehmer waren die Gleichen wie es schon zuvor gewesen waren; Fürsten, Äbte und sogar der Hof in Wien, wo man sich an der von Hartmann gemalten Welt ergötzte. Im späten 18. Jahrhundert kam mit zwei weiteren Werken eine Elemente-Reihe in den Bestand der kaiserlichen Gemäldesammlung im Oberen Belvedere.

Johann Jakob Hartmann, Die Erde, Detail © Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Die von Hartmann in unglaublicher Lebendigkeit dargestellten vier Urstoffe Wasser, Feuer, Luft und Erde verschwanden jedoch im Depot, wo ihnen Zeit und unbeholfene Restaurierungsversuche verderblich zusetzten.

Johann Jakob Hartmann, Die Luft © Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Nach mehr als 100 Jahren werden diese Gemälde wieder gezeigt, unter dem passenden Titel: IM BLICK. JOHANN JAKOB HARTMANN (bis 29. August 2021). Kurator Georg Lechner hat in detektivischer Kleinarbeit die wenigen bekannten Bruchstücke über das Leben dieses böhmischen Künstlers aufgespürt, weitere Werke in diversen Sammlungen entdeckt und trotz fehlender Signaturen die jeweilige Zuschreibung gesichert. Hilfe kam von den Kunsthistorikern Marcela Vondráčková und Alexander Wied.

Deren profundes Wissen ermöglichte eine Einordnung von Hartmanns Werk in Bezug auf die flämische Landschaftsmalerei. Einen nicht zu überschätzenden Beitrag lieferte der Restaurator János Korény. Er beschreibt seine Probleme und Mühen in einem ausführlichen Artikel im zur Ausstellung erschienen Katalog. In dessen Tafelteil sind zwei Bilder (Universalmuseum Joanneum, Alte Galerie, Graz) zu sehen, die zwar nur als Drucke ausgestellt, aber als wunderbare Beispiele eines Zeitgemäldes aus dem 17. Jahrhundert zumindest auf diesem Weg gezeigt werden können.

In der Ausstellung selbst sind zusätzlich Werke von flämischen Landschaftsmalern wie Adriaen van Stalbemt ebenfalls mit einer Allegorie auf die Vier Elemente, einer Waldlandschaft mit Hirschjagd von Jan Brueghel dem Älteren oder einem „Morgen“ und „Abend“ von Hartmanns Zeitgenossen Maximilian Joseph Schinnagl zu sehen; am besten von ganz nahe, denn nur so enthüllt sich der fantastische Detailreichtum dieser malerisch mit mythologischem Hintergrund aufgeladenen Erzählungen.

Johann Jakob Hartmann, Landschaft mit Festgesellschaft © Johannes Stoll / Belvedere, Wien
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