Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht © Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Ausstellungsansicht © Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

ORIENTALISCHE PRINZEN Werke exotischer Künstler IM BLICK

Saleh Ben Jaggia Raden, Kämpfende Tiger (Detail), Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Saleh Ben Jaggia Raden, Kämpfende Tiger (Detail), Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Gemälde von Raden Saleh, Osman Hamdi Bey und Hakob Hovnatanyan

Alle drei waren Pioniere der modernen Malerei – allerdings in ihren Herkunftsländern. Ihr Handwerk hatten sie in Europa gelernt und trugen damit im 19. Jahrhundert sogenannte westliche Kunst in den Orient. Hierzulande sind sie wenig bis nicht bekannt. Das Belvedere verfügt allerdings über drei Arbeiten, um die herum die Ausstellung „Raden Saleh, Osman Hamdi Bey und Hakob Hovnatanyan. Kunst von Welt in der Sammlung des Belvedere“ (bis 27. März 2022) arrangiert wurde. Kurator Markus Fellinger stand damit jedoch vor der Aufgabe, mittels der drei Gemälde drei doch im Grunde unterschiedliche Biografien mit entsprechendem Begleitmaterial stimmig in ein Ganzes zu packen. Jedes einzelne der Werke beherrscht allein aufgrund des beträchtlichen Formates den ihm zugewiesenen Raum, begleitet von Bildern, geschaffen beispielsweise vom Lehrer, und geschickt drapierten Gegenständen. Ein Teppich, eine reich verzierte Truhe und ein prunkvoller Sessel genügen, um entsprechend orientalische Stimmung zu schaffen und die Wände möglichst sinnvoll zu füllen. Im Grund geht es einfach darum, einmal etwas Neues, etwas noch nie gesehenes zu zeigen, was durchaus gelungen zu sein scheint.

 Osman Hamdi Bey, Über den Koran meditierend, 1902  Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Osman Hamdi Bey, Über den Koran meditierend, 1902 Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Raden Saleh wurde 1811 in Semarang, Java, geboren. Es gab zwar einen Regenten, das war sein Onkel, das Sagen hatten aber die Holländer. Die Insel war Teil der Kolonie Niederländisch-Indien. Seine ersten Zeichenlehrer waren mit Jannus Theodorus Bik und Antoine Payen ebenfalls zwei Holländer. Vielleicht haben sie dem jungen Mann nahegelegt, zum Studium in die Niederlande zu gehen. Es folgten dort ein paar Jahre später Ausstellungsteilnahmen und Aufträge. Auch in Dresden wurde man auf ihn aufmerksam. Mit Fürst Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha verband ihn eine enge Freundschaft. In Den Haag wurde ihm die Ehre zuteil, von Wilhelm II. zum „Maler des Königs“ ernannt zu werden. Raden Saleh kehrte jedoch wieder in seine Heimat zurück, die er erst 1875 für eine Reise nach Europa wieder verlassen sollte. Das von ihm gezeigte Werk sind zwei ungemein naturalistisch gemalte Tiger, die wild um die Leiche eines Javaners kämpfen.

 

Einen über den Koran Meditierenden hat Osman Hamdi Bey in dessen Versenkung festgehalten. Ins Belvedere gekommen ist diese beschauliche Darstellung muslimischer Frömmigkeit nach dem Ankauf durch die kaiserliche Gemäldesammlung. Hamdi wurde 1819 in Istanbul geboren. Von seinem Vater, der selbst bereits in Paris studiert hatte, wurde er zum Studium der Rechte in die Stadt an der Seine entsandt, wo Hamdi jedoch die Malerei den Rechten vorzog. Bei der Pariser Weltausstellung 1867 war der junge Künstler mit drei Gemälden vertreten. 1868 kehrte er an den Bosporus zurück, wurde Beamter des diplomatischen Dienstes am Hof des Sultans und mit der Beteiligung an der Wiener Weltausstellung betraut. Er kam mehrmals nach Wien, wo er auch seine zweite Frau kennenlernte. Der Kontakt zur Donaumetropole sollte daher bleibend sein, wenngleich Hamdi Bey hierzulande längst vergessen ist.

Ausstellungsansicht "Kunst von Welt in der Sammlung des Belvedere" © Johannes Stoll / Belvedere
Ausstellungsansicht "Kunst von Welt in der Sammlung des Belvedere" © Johannes Stoll / Belvedere

Ausstellungsansicht "Kunst von Welt in der Sammlung des Belvedere" © Johannes Stoll / Belvedere Wien

In eine Malerfamilie hineingeboren wurde Hakob Hovnatanyan 1806 in Tiflis, das damals noch zum russischen Zarenreich gehörte. Er begann seine erfolgreiche Laufbahn als begnadeter Porträtist. Zum Studium in St. Petersburg wurde er aus Altersgründen nicht zugelassen, erhielt aber 1842 eine Auszeichnung der Akademie und den Titel eines Amtsträgers der 14. Rangklasse. In fortgeschrittenem Alter verlegte Hovnatanyan seinen Lebensmittelpunkt nach Persien. Modell standen ihm keine Geringeren als der Schah und der Thronfolger, die er in Reiterbildnissen verewigte. Ein Porträt von Nāser ad-Din wurde dem österreichischen Kaiser als Geschenk angeboten. Als Gegenleistung erbat sich der Maler einen niedrigen Orden. Verliehen wurde ihm das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens. Mit strengem Blick fixiert auf dem Bild der spätere Schah den Betrachter, in der Hand ein Fernrohr, um seine Aufgeschlossenheit für die Wissenschaften zu demonstrieren, aber nicht ohne die Kanone, die bedrohlich von der Seite ins Bild hineinragt. Hakob Hovnatanyan schätzte Orden. Als Krönung seines Lebenswerks wurde er 1861 anlässlich der Ernennung zum Hofmaler vom Schah mit dem Sonnen- und Löwenorden 3. Klasse ausgezeichnet.

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