Kultur und Wein

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CAfé As Ausstellungsansicht © Jüdisches Museum Wien

CAFÉ AS Simon Wiesenthal, der Architekt im KZ

Milchbar „As“, Skizze von Simon Wiesenthal, 1945 © Jüdisches Museum Wien

Das Überleben mit dem Entwurf eines polnischen Kaffeehauses

Simon Wiesenthal war der große Nazijäger, der die Verbrecher in den entlegensten Winkeln der Erde aufgestöbert und ihrer gerechten Strafe zugeführt hat. Adolf Eichmann konnte verhaftet werden, ebenso etliche andere hochrangige Nazis, die allerdings nicht selten Freisprüche erhielten und nicht nur bei Wiesenthal Betroffenheit, sondern international Fassungslosigkeit auslösten. Er selbst war ein Opfer der Shoa und war nach seiner Verhaftung in Lemberg 1941 in das Konzentrationslager Mauthausen deportiert worden. Dass er überlebt hat, verdankt er erstens seinem eigentlichen Beruf, er war Architekt, und zweitens einem Mithäftling, der für das Austeilen des Essens zuständig war und sich mit Plänen trug, nach dem Ende der Naziherrschaft in seiner Heimat Polen ein Kaffeehaus aufzumachen. Wiesenthal zeichnete, während er auf der Pritsche lag, erste Skizzen, die seinen hilfsbereiten Mitgefangenen Edmund Staniszewski begeisterten. Wenn irgend möglich steckte ihm dieser Essen zu und bewahrte Simon vor dem Verhungern.

Zigarrenverkäufer, Skizze von Simon Wiesenthal, 1945 ©Jüdisches Museum Wien

Nach der Befreiung fertigte Wiesenthal vollständige Zeichnungen an, die das erträumte Lokal von innen und von außen zeigten, mit der Eventualität eines Eckhauses oder in gerader Fassade in einer Häuserzeile. Die Kleidung der Angestellten wurde ebenso entworfen wie Werbeplakate mit dem Logo „Herz As“.

 

Die Gründe, warum es nie zu deren Verwirklichung kam, weiß man nicht. Als Staniszewski 1984 starb, galten die Zeichnungen als verschollen. Erst als sich dessen Schwiegersohn entschloss, das Konvolut in einer Kartonschachtel zu verkaufen, kamen sie an die Öffentlichkeit.

Mit Unterstützung der „US Friends of the Jewish Museum Vienna“ konnten sie erworben werden und sind nun im Extrazimmer des JMW bis 12. Jänner 2020 zu sehen. Die Entwürfe sind derart genau, dass es möglich war, die Sessel mit den Spielkartensymbolen in der Lehne nachzubauen. Auf ihnen kann der Besucher nun sitzen und über Kopfhörer und einen Bildschirm Simon Wiesenthal selbst zuhören, wenn er über die unglaublich schreckliche Zeit im KZ und über seine leidenschaftliche Tätigkeit als Verfolger seiner einstigen Peiniger erzählt.

Bühne des „Café As“, Skizze von Simon Wiesenthal, 1945 © Jüdisches Museum Wien
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