Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Fotoalbum Todesco_Familie Wertheimstein © JMW

THE PLACE TO BE in den Salons von Wiener Jüdinnen

Ausstellungsdokumentation The Place to Be © wulz.cc

Der von großen Männern geschätzte Weg zur Emanzipation

Wo sonst hätten sich die bekanntesten Künstler, Literaten und Architekten des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts zum hehren Gedankenaustausch treffen können als in den Salons?! Freilich war das Kaffeehaus eine Alternative. Aber die Atmosphäre eines großbürgerlichen Wohnzimmers und die Gesellschaft von intelligenten Frauen hatte schon andere Qualität als die männerbündlerischen Stammtische in den verqualmten Räumen eines Café Central. Die Pionierin, die ihre Privatsphäre der kulturellen Elite Wiens öffnete, war Fanny von Arnstein. Sie war aus Berlin gekommen, um als junges Mädchen hier verheiratet zu werden. Noch vor den Napoleonischen Kriegen bis hinein in den Biedermeier schuf sie für männliche freie Geister die Möglichkeit, abseits von Zensur und der rigiden Überwachung jedes Kulturgeschehens ihre Gedanken zu äußern. Bei ihr, einer Jüdin, fanden sich auch Vertreter anderer Bekenntnisse ein. Erstmals gab es die Möglichkeit, über Religionsgrenzen hinweg abseits von geschäftlichen Interessen miteinander ungezwungen in Kontakt zu treten.

Berta Zuckerkandl © IMAGNOpicturedesk.com

Man mag es als Tabubruch gesehen haben, den diese Frauen geradezu förderten, wenn sie sich selbst über ihnen damals auferlegte Schranken hinwegsetzten. Bezeichnend dafür mag sein, dass im Salon von Fanny Arnstein der erste Christbaum in Wien aufgestellt war. Bescheid darüber weiß man, da dieses Ereignis penibel in Überwachungsberichten beschrieben ist.

 

Es folgten Frauen, die heute noch Inbegriff der Salonière sind. Der wohl geläufigste Name ist Berta Zuckerkandl, der man nachsagte, dass der Salon sich immer dort befand, wo sie sich aufhielt. Durch sie erlebte die Wiener Moderne ihre Hochblüte. In ihrem Salon wurde die Wiener Secession ebenso wie die Wiener Werkstätte gegründet. Man braucht sich nur die Protagonisten dieser Epoche zu vergegenwärtigen, um einen Begriff davon zu erhalten, wer im Salon der Journalistin und Schriftstellerin Berta Zuckerkandl aller ein und ausgegangen ist.

Mit dem Jahr 1938 und dem Anschluss an Nazi-Deutschland wurde dieser gedeihlichen Institution in Wien ein gewaltsames Ende bereitet. Manche der Salons wurden im Exil weitergeführt, als eine der Möglichkeiten, den vertriebenen Künstlern und Schriftstellern auch in der Fremde ein Stück Heimat zu vermitteln.

 

Das Jüdische Museum Wien hat dazu die Ausstellung „the place to be“ (bis 14. Oktober 2018) gestaltet. Wenn der englische Titel auch seltsam klingt, so hat sich das Ganze doch in Wien abgespielt. Anhand von Biografien der Salonièren, die auf ihre Weise Emanzipation betrieben haben, mit Fotos und Einrichtungsgegenständen, die das Ambiente der Salons nachempfinden lassen, und mit viel Wissenswertem, das in diesen Salons ausgetauscht wurde, kann sich der Besucher mit einiger Phantasie dort eingeladen fühlen, um letztendlich zu begreifen, was mit dem Verschwinden dieser Einrichtung der österreichischen und speziell der Wiener Kultur verloren gegangen ist.

Porträt Henriette von Pereira-Arnstein © JMW
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