Kultur und Wein

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Ausstellungsansicht © Jüdisches Museum Wien

Kabbalah קַבָּלָה Erahnen eines bekannten Geheimnisses

Illustrierte Handschrift mit mystischen Symbolen der Rosenkreuzer © JMW

Jüdische Mystik für Uneingeweihte stimmungsvoll zugänglich gemacht

Ja, do wärs halt gut, wenn man Hebräisch könnt, lässt sich der Songtitel von Hermann Leopoldi auf die Ausstellung umschreiben, die bis 3. März 2019 im Jüdischen Museum Wien in der Dorotheergasse unter dem Titel „KABBALAH קַבָּלָה“ zu erleben ist. Es heißt, dass Hebräisch göttlichen Ursprungs ist und damit die Buchstaben dieses Alphabets mit ungeheuer kreativem Potential aufgeladen sind. So beschreibt einer der ältesten esoterischen Texte, das zwischen dem 2. und 9. Jh. entstandene Sefer Yetzirah, die Entstehung der Schöpfung durch die 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets und die zehn Urzahlen. Es gibt in frühen Texten des Judentums eine ganze Menge an Listen der Namen Gottes und der Engel. Wer sie kennt, hat besondere Kräfte erworben. Er ist, kurz gesagt, ein Zauberer, der sich mit diesem Wissen ausgestattet im Besitz geheimnisvoller Mächte befindet. So ist auch die Warnung vor dem Gebrauch der Kabbala, so der „Sammelname“ dieser im Lauf der Zeit niedergeschriebenen mystischen Erfahrungen naheliegend.

Ghiora  Aharoni,  What  ́s  in    the  Rose? ©  Courtesy  of  Ghiora    Aharoni,  New  York

Sie soll „ausschließlich von bescheidenen, demütigen, gläubigen, gelehrten und verheirateten Männern ab dem 40. Lebensjahr gelesen werden.“ Aber gerade Geheimnisvolles hat geradezu magische Anziehungskraft. So hat der jüdische Gelehrte Joseph Dan erstaunt bemerkt, dass einer der unzugänglichsten Aspekte des jüdischen Denkens, die komplexe mystische Lehre der Kabbalah, so populär geworden ist. Und das nicht nur in jüdischen Kreisen. Auch die Gójim haben sich dieses Materials bedient, immer dann, wenn es um Okkultes ging, um etwas, das die breite Öffentlichkeit nichts anging. So setzte der Orden der Rosenkreuzer mystischen Irrationalismus gegen die im 18. Jahrhundert einsetzendes Aufklärung und verschlüsselte seine Botschaft mit hebräischen Zeichen aus der Kabbalah.

Mystische  Ketubba,  Polen  ©    Jüdisches  Museum  Wien

Der Versuch, dieses Myterium zu verstehen, ist müßig. Es scheint unmöglich zu sein. Aber man kann es in der Ausstellung erahnen. Sie wurde dem Inhalt entsprechend stimmungsvoll gestaltet und erlaubt mit anheimelndem Dunkel ein zumindest physisches Eintauchen in die mit zahlreichen Objekten illustrierte Mystik. Dazu kommen Arbeiten zeitgenössischer Künstler, die auf ihre Weise einen Zugang eröffnen könnten, sofern man willens ist diese dahingehend zu interpretieren. Zu erfahren ist auch, was das rote Bändchen am  Arm von Protagonisten der Kunst- und Fashionszene bedeutet.

Es ist das allgemein sichtbare Zeichen, dass sich dessen Träger als Eingeweihte betrachten, auch dann, wenn sie im Grund keine wirkliche Ahnung von der Materie haben. Madonna, David und Victoria Beckham, Demi Moore oder Naomi Campell haben die Kabbalah für sich entdeckt, um geheimnisvoll und tiefsinnig zu erscheinen. David Bowie, der auch das Cover des Katalogs zur Ausstellung ziert, spielt in den Texten seines Albums „Station to Station“ auf Kabbalah und Magie an, wenn er von Kether und Malkuth (Begriffe aus dem Lebensbaum der Kabbalah) singt. Sogar die Beatles konnten dieser Versuchung nicht widerstehen und haben in „Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band“ einer Schar von bedeutenden Personen auf dem Cover der LP auch Aleister Crowley, den Altmeister der Schwarzen Magie, als Adepten der Kabbalah hinzugesellt.

So führt diese Ausstellung tatsächlich von den Anfängen der Kabbalah bis ins Heute. Der Besucher wird nicht allein gelassen, wenn er hebräischen Texttafeln ratlos gegenübersteht. Im Zuge von Vermittlungsangeboten werden Entdeckungsreisen zwischen Magie und Mystik, Kunst und Kitsch, Hell und Dunkel, Bild und Ton bereits für Schüler ab 12 Jahren angeboten. In Führungen gibt es entsprechende Erklärungen und die Möglichkeiten übers Reden in die mystischen Tiefen dieser Lehren einzutauchen.

Ausstellungsansicht © Jüdisches Museum Wien
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