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Die Ephrussis Ausstellungsanicht © Wulz.cc

DIE EPHRUSSIS Illustrationen zum Hasen mit den Bernsteinaugen

Netsuke, Hase mit den Bernsteinaugen © Jüdisches Museum Wien

Eine Zeitreise durch die Geschichte einer hierzulande noch zu wenig bekannten jüdischen Familie

Wäre interessant, wie viele der Passanten an der hoch frequentierten Station Schottentor auf Anhieb wüssten, wer das prächtige Palais mit der unübersehbaren Besitzzuordnung „Casinos Austria“ einst errichten ließ. Möglicherweise haben einige der zur Tramway oder U-Bahn Eilenden bereits den Bestseller „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ gelesen. Ein Nachkomme der Bauherren, Edmund de Waal, hat darin die Familiengeschichte der Ephrussis aufgeschrieben, immer festgemacht an einer Sammlung von Netsukes, kleinen japanischen Figuren, die im 19. Jahrhundert in Paris angekauft worden waren. Mit einer Ausstellung des Keramikkünstlers de Waal im Kunsthistorischen Museum vor ein paar Jahren sind auch die Ephrussis in das Bewusstsein Österreichs gerückt. Damit könnten Befragte zumindest den Namen dieser Dynastie nennen und von der Schönheit der aus Elfenbein bestehenden Tierfigur schwärmen. Die Ausstellung „Die Ephrussis. Eine Zeitreise“ im Jüdischen Museum (bis 8. März 2020) liefert nun die Illustration zum Roman.

Renoir, Petite Irène (Irène Cahens d´Anvers), 1880 © Sammlung Bührle

Anziehungspunkt sind auch dort wiederum die 157 Netsukes, die von der Familie dem Museum als langfristige Leihgabe zur Verfügung gestellt wurden. Dazu kommt das Familienarchiv der Ephrussis, das die Familie de Waal dem Jüdischen Museum geschenkt hat.

 

Der Besucher ist zu einer mehrschichtigen Reise eingeladen, erstens zu einer Zeitreise, die Ende des 18. Jahrhunderts in Odessa am Schwarzen Meer mit einer Bank der Ephrussis beginnt und bis heute fortdauert, zweitens zu einer geografischen Reise. Die Familie hat ihre Spuren zuerst in ganz Europa, dann in der ganzen Welt hinterlassen, so auch in der damaligen Kaiserstadt Wien.

Hier wurden Stellung und Netzwerk ausgebaut und es entstand ein pulsierendes Zentrum, eingerichtet in einem der prächtigsten Ringstraßenpalais. Mit dem schrecklichen Jahr 1938, in dem das Vermögen durch das nationalsozialistische Regime geraubt und die Familienmitglieder in das Exil vertrieben wurden, endet auf tragische Weise die österreichische Geschichte der Ephrussis. In der Ausstellung begegnet man nun den einzelnen Persönlichkeiten und deren Wirken als Kunstmäzene, das mit Gemälden, Schmuckstücken und dem architektonischen Wunderwerk von Theophil Hansen beeindruckend unterstrichen wird. Die große Attraktion bleiben dennoch die kleinen Netsukes, die in zentralen Vitrinen die gesamte Schau begleiten. Ignaz „Iggie“ Ephrussi hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Japan niedergelassen und die Miniaturen dorthin „zurückgebracht“. Über ihn gelangte die Sammlung in den Besitz von Edmund de Waal, dem literarischen Chronisten der Familie Ephrussi, die bis zu einem gewissen Grad wieder heimgekehrt ist und entsprechende Würdigung erwarten darf.

Sich streckender Mann, unsigniert 1800 © Jüdisches Museum Wien, Foto: Tom Juncker
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