Kultur und Wein

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Mord im Orientexpress Ensemble © Astrid Knie

MORD IM ORIENTEXPRESS spannend wie Krimi lesen

Markus Kofler (Schaffner) © Astrid Knie

Die Geschichte von acht Mördern und deren ganz persönlicher Gerechtigkeit

Ein Kompliment gleich zu Beginn: Man denkt eigentlich nie an einen der vielen Filme, in denen Agatha Christies Roman „Mord im Orientexpress“ bereits auf die Leinwand gebracht wurde. Viel eher sind es die Bilder, die man sich beim ersten Lesen dieses Krimis im Kopf gemalt hat, die in den Kammerspielen wieder wachgerufen werden. Chapeau! also der Regie von Werner Sobotka, dem Bühnenbild von Walter Vogelweider, das die Herzen von Eisenbahnfans höher schlagen lässt, und den bis zum abgerissenen Uniformknopf stimmigen Kostümen von Elisabeth Gressel. Und natürlich dem Ensemble, das diesen Mord ausführt beziehungsweise aufklärt.

 

Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie Emotionen ehrlich spürbar werden lassen. Ganz auf den guten Ruf seines Zuges bedacht ist Johannes Seilern als Monsieur Bouc, umsichtiger Geschäftsführer der Gesellschaft Wagon-Lits, die zwischen Istanbul und Paris betuchte Fahrgäste mit allem nur möglichen Luxus auf dieser Fahrt durch den verschneiten Balkan verwöhnt.

Siegfrie Walther (Hercule Poirot) © Astrid Knie

Ein Zwischenfall, wie ihn Agatha Christie erdacht hat, bringt den braven Mann natürlich in ärgste Komplikationen. In einem Anfall von weiser Voraussicht hat er seinem Freund Hercule Poirot sein eigenes Abteil im angeblich ausgebuchten Zug überlassen. Der berühmteste Privatdetektiv aller Zeiten dankt es ihm und „löst“ souverän und vor allem wunschgemäß den Fall. Ermordet aufgefunden wurde ein gewisser Samuel Ratchett, in Wirklichkeit Bruno Cassetti, der von Paul Matić mit derart beängstigender Aggressivität ausgestattet wird, dass man insgeheim froh ist, als er endlich erstochen wird. Quick lebendig taucht Matić kurz darauf wieder auf und versucht als Oberst Arbuthnot erstens die Ermittlungen zu behindern, zweitens mit seinem Herzblatt Mary Debenham (Alexandra Krismer) in den Hafen der Ehe einzulaufen, um sich zuvor mit ihr gemeinsam noch am Mörder von Daisy Armstrong, eben diesem Cassetti, zu rächen. Hinter dem biederen Sekretär des bösen Ratchett namens Hector MacQueen (Martin Niedermair) verbirgt sich ebenfalls einer der Betroffenen, ebenso wie in der versoffenen Mrs. Hubbard (Ulli Maier), die in Wirklichkeit eine gefeierte Schauspielerin und die Großmutter von Daisy ist. Dasselbe Motiv verbindet auch Prinzessin Dragomiroff, der Marianne Nentwich alten russischen Adel angedeihen lässt, mit der wunderschönen Gräfin Andrenyi (Michaela Klamminger). Sogar Greta Ohlsson (Therese Lohner) und der Schaffner Michel haben gute Gründe, den bösen Cassetti um die Ecke zu bringen.

Zuvor muss Markus Kofler jedoch noch als Kellner in einem türkischen Restaurant in herrlich komischer Blasiertheit ein Fettnäpfchen besteigen und den Belgier Poirot als Franzosen bezeichnen. Dazu kann Siegfried Walther noch lächeln. Wenn es aber darum geht, die eigentlichen Mörder ungeschoren davonkommen zu lassen, kommt sein Hercule Poirot ordentlich ins Grübeln. Berührend ist das Solo ganz zum Schluss, wenn er erklärt, warum er so und nicht wie im Gesetz vorgesehen gehandelt hat.

Mord im Orientexpress Ensemble © Astrid Knie

Der Vorname Ensemble © Herwig Prammer

DER VORNAME und andere Streitthemen unter guten Freunden

Der Vorname Ensemble © Herwig Prammer

Witzig-pointiertes Kramen in den verborgenen Ecken des Lebens

Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière sind Franzosen. Wenn beide auch erst 1971 geboren sind, so ist ihnen dennoch der Vorname Adolf der Inbegriff für das Böse schlechthin. Dass es sich bei Adolphe auch um den Helden eines nach ihm benannten französischen Romans handeln könnte, kommt bestenfalls einem Literaturexperten in den Sinn. Aber um genau einen solchen handelt es sich bei Pierre Garaud (Marcus Bluhm), der seine Lieben zu einem orientalischen Essen zu sich eingeladen hat. Zubereitet wird der Schmaus natürlich von seiner Gattin Elisabeth (Susa Meyer). Claude Gatignol (Oliver Rosskopf) ist der erste, der mit Posaune und im Frack erscheint, denn er kommt direkt von einem Konzert. Er ist durch eine Herzensfreundschaft mit Elisabeth verbunden. Sie, ihr Mann und Claude kennen einander schon seit der Kindheit, entsprechend vertraulich ist der Umgang miteinander. Nach ihm hat der Bruder der Hausfrau seinen großen Auftritt. Vincent Larchet (Michael Dangl) ist ein Spaßvogel, dessen Witze für einen ganzen Abend Grund zu Streitereien geben.

Susa Meyer (Elisabeth) © Herwig Prammer

Seine erste Enthüllung betrifft seinen noch ungeborenen Sohn, der ausgerechnet Adolphe heißen soll. Was in einer österreichischen Runde bestenfalls zu Kopfschütteln führen würde, ist in Paris die absolute Verletzung eines Tabus. Vincent treibt seine fiesen Scherze auch dann noch weiter, als Anna Caravati (Michaela Klamminger), die Mutter seines Kindes, zur Gesellschaft stößt. Durch dieses Treiben werden nach und nach Geheimnisse gelüftet, die absolut nicht so köstlich munden wie die wohlgeratene Rindfleisch-Tajine und der sorgfältig dekantierte Rotwein und zu sehenswert emotionalen Ausbrüchen aller Beteiligten führen.

Marcus Bluhm (Pierre Garaud), Michael Dangl (Vincent Larchet) © Herwig Prammer

Regisseur Folke Braband hat diese Komödie für die Kammerspiele in erfrischend französischer Leichtigkeit umgesetzt. Er lässt die Zuschauer quasi erste Reihe fußfrei über nicht wirklich ernsthafte Konflikte lachen. Dass es ernsthaft Spaß macht, dafür sorgen die Darsteller aus bestem Josefstadtstall. Man vergisst, dass man im Theater sitzt, so natürlich bewerfen sich die Diskutanten mit ihren Problemchen, über die man sich im eleganten Wohnzimmer der Familie Garaud (Bühnebild: Tom Presting) allzugerne amüsiert.

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