Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Julian Valerio Rehrl © Rita Newman

Julian Valerio Rehrl (Billy) © Rita Newman

DIE ZIEGE oder WER IST SYLVIA? als amüsante Form absurden Theaters

Sandra Cervik, Joseph Lorenz © Rita Newman

Sandra Cervik, Joseph Lorenz © Rita Newman

„Warum versteht das denn niemand?“ Weil es nicht dafür geschrieben wurde.

Ein Mann, erfolgreich in seinem Beruf, mit intakter Familie – abgesehen davon, dass der 17jährige Sohn schwul ist – und einem wahren Freund feiert seinen 60. Geburtstag. Er kann guten Gewissens behaupten, seine Frau in 32 Ehejahren nie betrogen zu haben und man sollte annehmen, dass er weiß, wovon erspricht, wenn er das Wort Liebe in den Mund nimmt. Dass mit dem Objekt der tiefen Zuneigung aber eine Ziege gemeint ist, sorgt verständlicherweise für gehörige Irritationen. Wie kann man nur!? Das ist doch Sodomie, vom Staat verboten, Tierquälerei und nicht zuletzt eine Beleidigung der Frau unbeschreiblichen Ausmaßes! Dass er mit diesem Problem, das er selbst gar nicht als solches ansieht, nicht allein ist, hat ihm eine Selbsthilfegruppe bewiesen, in der ein Bauer vom Ficken seiner Ferkel loskommen will, Frauen von ihren Hunden und einer sogar von einer Gans, die ihm bisher Befriedigung verschafft hat.

Michael Dangl, Joseph Lorenz © Rita Newman

Michael Dangl, Joseph Lorenz © Rita Newman

Joseph Lorenz, Sandra Cervik © Rita Newman

Joseph Lorenz, Sandra Cervik © Rita Newman

Wer an dieser Stelle über einen Sinn irgendwelcher Art zu grübeln beginnt, ist Edward Albee gehörig auf den Leim gegangen. In der Komödie, in der den Zuschauern bald das Lachen im Halse stecken bleibt, lässt der US-amerikanische Schriftsteller einfach vier Darsteller eine an sich absurde Situation aufarbeiten. „Die Ziege oder Wer ist Sylvia?“ bietet keine Lösung, am wenigsten in moralischer Hinsicht. Wer dennoch eine Antwort erwartet, wird eher auf Godot treffen, der sich bei Samuel Beckett bekanntlich ebenfalls nicht einstellt. In den Kammerspielen der Josefstadt sind unter der Regie von Elmar Goerden Joseph Lorenz als ziegenverliebter Martin, Sandra Cervik als seine gestandene Gattin Steve und neben Michael Dangl, dem Freund Ross, der junge Julian Valerio Rehrl als Billy in Aktion. Die Wohnung, in der das Unsagbare ausgesprochen und breit getreten wird, haben Silvia Merlo und Ulf Stengl stilvoll eingerichtet, müssen aber zusehen, wie sie im Verlauf der Handlung gründlich verwüstet wird. Schließlich geht es, will man dem Untertitel glauben, um „Anmerkungen zu einer Bestimmung des Tragischen“, in denen nicht nur über absonderliche Formen sexueller Betätigung diskutiert wird, sondern auch die Erinnyen, also die Rachegöttinnen, in subtiler Weise zu ihrem vernichtenden Einsatz kommen.

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