Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Per Kirkeby, Stort vinterbillede-Laeso

PER KIRKEBY Hinter düsteren Farben verborgene Landschaft

Per Kirkeby, Ohne Titel

Ausstellungen für einen der großen Alten und eine aufsteigende Junge

Es hätte ein Geschenk zum 80er werden sollen. Aber Per Kirkeby ist am 9. Mai dieses Jahres verstorben. So ist die Personale (bis 10. Februar 2019) eine Würdigung des bildnerischen und skulpturalen Schaffens dieses vielseitigen Künstlers, der ebenso als Architekt wie auch als Dichter tiefe und weise Spuren in der zeitgenössischen Kunst hinterlassen hat. Es macht wenig Sinn, sich seinen in Krems gezeigten Werken ohne entsprechendes Geleit zu nähern. Allein steht man den mit dickem Pinselstrich und dunklen Farben oder mit linkisch anmutenden Kreidestrichen überzogenen Gemälden ratlos gegenüber. Erst nach und nach beginnt man dahinter zu blicken, wenn beispielsweise Florian Steininger, Direktor der Kunsthalle, mit dem Satz „Im Fokus seiner Kunst steht vor allem die Natur – als elementare Qualität, in reine Malerei übersetzt“ einen ersten Hinweis zum Verständnis gibt. Einen Spalt weit öffnen auch die ebenfalls gezeigten Skizzen einen Zugang. Kirkeby selbst hat wenig zu seinen Bildern verraten. Meist steht „Ohne Titel“ auf dem Kärtchen daneben.

Per Kirkeby, Kopf und Arm I, 1985

Es ging ihm offenbar darum, die Vorstellung des Betrachters nicht von vornherein in eine bestimmte Richtung lenken.

 

Seine Skulpturen hingegen sprechen für sich. Es handelt sich um schwarze Bronzegüsse mit einer rauen, hingespachtelt anmutenden Außenhaut, die manches Mal Teile eines Gesichts freigeben oder einfach in ihrer Mächtigkeit archaische Gefühle ausstrahlen.

Per Kirkeby selbst hat gemeint: „Ich hab schon viel kaputt gemacht, dass es besser wird... Was mich immer gestört hat, ist eine gewisse Art von Nettigkeit.“ Nein, nett sind die über 100 in Krems vereinten Werke, egal ob Holzfaserbilder, Übermalungen, Skulpturen und Zeichnungen, mit Sicherheit nicht. Vielmehr sind sie der schier gewalttätige Ausdruck einer von jeder Gegenständlichkeit hin zur rein informellen Darstellung gelösten Kunst der jüngeren Gegenwart, die alles andere als nachvollziehbare Erklärungen will und nötig hat.

Per Kirkeby, Ohne Titel, 2013

Stolz ist man in der Kunstmeile Krems auf AIR, also Artists-in-Residence. Man hat den aus der ganzen Welt in die Wachau gerufenen Künstlern eine freundliche Bleibe geschaffen, wo sie ein bis drei Monate lang unbeschwert arbeiten, das schöne Land herum genießen und vor allem aber auch internationale Kontakte knüpfen können. Eine von ihnen, Perrine Lacroix, hat nun die Möglichkeit bekommen, ihre Ideen in der Kunsthalle neben Per Kirkeby zu präsentieren. Unter KONTEXT(E) schafft sie für den Besucher weniger Sehenswertes, als vielmehr Gedankenanregungen.

So bezeichnet Andreas Hoffer, Kurator dieser Ausstellung, die leeren Rahmen, die mit Lichtprojektionen an der Wand eines der im Übrigen leeren Säle angedeutet werden, als „imaginäres Museum“, das man sich in der Phantasie mit Bildern eigener Wahl füllen kann. Auch bei den Werken von Perrine Lacroix handelt sich es um rein konzeptionelle Kunst, die erraten werden darf, bei der es, wie Andreas Hoffer es formuliert, „wohl eher darum geht, Fragen zu stellen als Antworten zu finden.

  	 Perrine Lacroix, Kunsthalle in porgress, Krems 2017 © Perrine Lacroix
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