Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Hans op de Beeck The Cliff

HANS OP DE BEEK Die Melancholie fiktiver Realität

My bed a raft, the room the sea, and then I laughed some glome in me

Magische Reise durch eine Welt der Stille

Das Wasser im Seerosenteich ist schwarz, als ob es traurig sei über die Fracht des Floßes, das in seinem Rund treibt. Auf einem Bett schläft dort ein Mädchen, unbeeindruckt von den Besuchern, die mit einem Mal leise werden, Gespräche einstellen, die sie noch auf dem Weg in den ersten Raum der Kunsthalle Krems geführt haben, und sich im Dunkel der Skulptur auf Zehenspitzen nähern. Ist es der Traum des Kindes, das sich sanft in den Schlummer treiben lässt? Es scheint viel mehr sagen zu wollen, schweigt aber und überlässt den Betrachter seinen Gedanken. Dieser entdeckt neben dem Bett Bücher, Süßigkeiten, eine Taschenlampe, ein Glas Wasser und Schlaftabletten und bemerkt auch die Schmetterlinge, die umher flattern. Ein Begleitheft enthält dazu die Lösung: Im alten Griechenland waren Schmetterlinge Symbole von Sterblichkeit und Vergehen. Sie waren Repräsentanten der Seelen. Ganz im Gegensatz dazu werden sie in klassischen Zeichentrickfilmen für spielerische Intermezzos eingesetzt. In beiden Funktionen sind sie Teil der theatralischen Mittel des Künstlers.

Timo (2018)

Er schafft damit Ambiente und Atmosphäre, die sich durch die ganze Ausstellung in der Kunsthalle Krems zieht. „Hans op de Beeck: The Cliff“ kann bis 23.06.2019 mit wohligem Schaudern und viel Beschaulichkeit durchwandert werden, um sich am Hauptwerk in der Helligkeit der zentralen Halle, „The Cliff“, einem mächtigen Felsenmassiv, auf denen zwei junge Leuten in offenbar frei gewählter Einsamkeit sitzen, mit Kindheit, Unschuld und Erwachsenwerden auseinander zu setzen.

Celebation (2008) Videostill

Hans op de Beeck ist Belgier, genauer gesagt, Flame, der als Regisseur, Choreograf, Kurator, Bühnenbildner, Maler und Bildhauer tätig ist. So hat er auch die Schau in Krems selbst gestaltet und dafür eigens neue skulpturale Installationen geschaffen und sie in exakt so gestaltete Räume gestellt, in denen sie ihre größte Wirkung entfalten. Er liebt gedeckte Palette, am liebsten malt er seine Aquarelle, die den Abschluss dieser magischen Reise bilden, in den Farben eines tristen, nebeligen Novembertags.

Die Figuren wie ein Murmel spielender Knabe, ein Bub mit Pfeil und Bogen oder das Mädchen mit den Seifenblasen sind aus Polyester, aber mit eine aschenfarbenen Schicht überzogen, die, wie es Florian Steininger, Direktor der Kunsthalle Krems, ausdrückt, wie Funde aus Pompeji anmuten. Dazu kommen Videoarbeiten, die in der gemächlichen Abfolge der Bilder stets für Überraschungen sorgen. Man schaut in „Celebration“ auf eine Gesellschaft, die unbewegt in Erwartung der Gäste hinter einem üppig angerichteten Büffet vor einer wüstenähnlichen Felslandschaft steht, oder in „Dance“ auf Menschen, die sich allmählich auskleiden, um bald darauf in einer gespenstisch an Gaskammern erinnernden Gemeinschaftsdusche unter heißem Wasser zu verharren.

In einem solchen Zusammenhang darf ein „Memento Mori“ nicht fehlen. Eine Torte, in der Fettigkeit ihrer Creme frappierend natürlich, ist das Symbol für Vanitas, die mit jedem Geburtstag deutlicher wird. Was wir ausgelassen feiern, ist, so Hans op de Beeck, nichts anders als eine weitere Markierung auf dem Abstieg des Menschen in Richtung Tod. Dass bereits ein gutes Stück davon verzehrt ist, ist nichts anderes als ein weiterer Hinweis auf die ernüchternde Leere dessen, was danach (wonach?) kommt.

Snow Landscape Aquarell (Detail)
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