Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Josef Trattner. Donau-Sofafahrt Ausstellungsansicht

DONAU-SOFA-FAHRT hat in der Kremser Dominikanerkirche angelegt

Thomas Riess, Kontakt, 2018

Wellenschaum(stoff) flutet den gotischen (Ex-)Sakralraum

Trotz der Weichheit des Materials ergeben sich harte Spannungen, nicht nur zwischen den hohen ehrwürdigen Spitzbögen des ehemaligen Gotteshauses und den gnadenlos geraden Linien von Quadern und Würfeln, sondern auch durch den fühlbaren Gegensatz von Hart und Weich, den Josef Trattner den vor gut 750 Jahren aneinander gefügten Sandsteinen der Kirchenmauern entgegenstellt. Eher unscheinbar steht in der Apsis das berühmte Sofa, das bis 13. Oktober auf seiner Fahrt über die Donau in Krems angelegt hat. Der Künstler selbst ist sich der Verantwortung bewusst, die ein solcher Raum seiner Kunst abfordert: „Die Dominikanerkirche lässt vordergründiges Agieren nicht zu, sondern zwingt zu ,zarter´ Sachlichkeit und Farbigkeit.“ Trattner meint, dass der seit etlichen Jahren für Ausstellungen genützte Raum sich nicht optimal für Bilder im herkömmlichen Sinn eignet und hat entsprechend darauf reagiert: „In meiner Installation steht der Dialog mit dem Raum, den Farben und der Akustik (leises Wellengeplätscher der Donau, Anmerkung des Autors) im Vordergrund...

Das Schaumstoffsofa in der Ausstellungsinstallation

Das Material, der Schaumstoff, das bei seiner Entstehung ein Fließen erfährt, zwingt sich inhaltlich nahezu auf.“ Man merkt kaum etwas von dem immer wieder angesprochenen Zwang. Die Objekte dürfen angegriffen werden, sollen sogar, wie der Würfelturm, von den Besuchern aufgelöst und bei Perfomances als Sitzgelegenheiten verwendet werden, vielleicht aber auch um Platz für Besinnlichkeit zu bieten, die dieser 1786 säkularisierten Kirche bis heute immanent ist.

Dona Jalufka, Phases, 2016

Das Wort hat hier der „SoFist“, wie sich Josef Trattner mit einem Augenzwinkern nennt. Waren die Sophisten im 5. Jahrhundert Wanderlehrer, die im Sprachgebrauch durch die angebliche Spitzfindigkeit ihrer Argumentation überlebt haben, ist es nun ein Nomade (Eigendefinition Trattners) in Sachen Kultur, der sich mit seinem Schaumstoff-Sofa von Land zu Land den Strom entlang treiben lässt. Seit 2004 wurde bereits u. a. in Rumänien, Bulgarien, Polen und der Türkei angelegt. Eingeladen werden Künstler und Musiker, darauf Platz zu nehmen und Gespräche zu Themen wie Leben und Gemeinschaft zu führen oder diese mit eigenen Werken musikalisch zu untermalen. Nunmehr ist die Sofa-Fahrt aktueller Teil einer Ausstellung, in der es um die Anfänge von „Land Art“ geht.

Anlass ist für Direktor und Kurator Florian Steininger das Jahr 1969, in dem diese Kunstrichtung zu ihrem Namen gekommen ist. Sie hat sich in den USA entwickelt und von gewaltigen Erdverschiebungen ausgehend zu einer subtilen Befragung der Natur und deren Auswirkung auf die ihr ausgesetzten Arbeiten entwickelt.

 

Im selben Jahr, also am 21. Juli 1969, glückte auch die erste Mondlandung, bei der ein Mensch unseren geheimnisvollen Trabanten betreten hat. Das Ereignis hat sich selbstredend auch in der Kunst niedergeschlagen. „TICKET TO THE MOON“ (bis 3. November 2019) ist der Titel der Ausstellung, die in nicht unkritischer Weise mit diesem historischen „small step for man, one giant leap for mankind“ umgeht (Kurator Andeas Hoffer, bekannt für humorigen Umgang mit Kunst).

Versehen mit dem Begleitheft wird man an den einzelnen Stationen über deren Inhalt, den die Werke zumeist nicht selber preisgeben, belehrt. Es beginnt mit Hans Bischoffshausens Malerei „Rückseite des Mondes“ 1960/61 und lässt über die Skrupellosigkeit der Amerikaner reflektieren, wenn es um den Einsatz des nationalsozialistischen Wissenschaftlers Wernher von Braun durch die NASA in „Der Mond – Die Braunschaft“ geht. Zu sehen sind u. a. sensibel bearbeitete NASA-Fotografien und ironische Äußerungen zur Technikgläubigkeit. Ein Bereich ist historischen Dokumentationen reserviert. Zu sehen Fotos von der Mondlandung (Sammlung Peter Coeln) bis zu Ausschnitten aus der viele Stunden dauernden Fernsehübertragung des ORF. Der Fokus liegt jedoch auf aktuellen Positionen von Künstlern wie Sonia Leimer, Wendelin Pressl oder Larissa Leverenz. Sie zeigen eine große Bandbreite an Ideen, stellen letztendlich aber gemeinsam die Frage, ob auch 50 Jahre nach der Mondlandung das Thema immer noch, oder wie man seitens der Kunsthalle Krems hinzufügt, wieder aktuell ist.

Andreas Werner, edged more and more with brassy thunderlight II, 2017,
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