Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Ausstellungsansicht © KHM-Museumsverband

BRUEGEL Dem Meister über die Schulter schauen

Bauernhochzeit © KHM-Museumsverband

„Wahrhaftige“ Bilder aus dem 16. Jahrhundert

Es sind die Gesichter der Bauern, die sich zur Hochzeit zusammengefunden haben oder sich beim Tanz vergnügen, die Bruegel den Älteren (1525/30 – 1569) unsterblich gemacht haben. Kein andere Maler seiner Zeit hat die Menschen um sich mit einer solchen Verachtung und dennoch mit einer ausgesprochenen Liebenswürdigkeit verewigt. Dummheit und Einfalt, dargestellt auf Kunstwerken, ließen sich wunderbar verkaufen. Um solche Motive herrschte damals ein richtiges Griss, weil man sich schamlos an Groteskzwergen belustigte.

Dulle Griet © Museum Mayer van den Bergh

Man bedachte nicht, dass diese armseligen verkrüppelten Menschen ohnehin von der Natur bereits genügend gestraft waren. Wenn sie im Kampf zwischen Faschung und Fasten vollends zu phantastischen Kreaturen mutieren, die an Hieronymus Bosch erinnern, dann kannte und kennt die Begeisterung keine Grenzen mehr. Bis heute stehen die Leute vor den Bildern im Kunsthistorischen Museum und ergötzen sich ohne Gewissensbisse an den Schöpfungen Bruegels. Schließlich handelt es sich um unschuldige Gemälde des bedeutendsten niederländischen Malers. Allzu leicht übersieht man dabei, dass er auch ein großer Landschaftsmaler war, der den Betrachter in beängstigend enge Schluchten führt und an felsigen Abhängen gruseln lässt, um ihm dort mit biblisch frommem Augenzwinkern vom Selbstmord Sauls oder der Bekehrung des Saulus zum Paulus zu erzählen. Bruegel hat den Schnee und Winter geliebt und wohl als erster Künstler fallende Flocken gemalt.

Der Turmbau zu Babel 1563 © KHM-Museumsverband

Er scheute dabei nicht davor zurück, die Heiligen Drei Könige frierend dem kleinen Jesuskind ihre Aufwartung machen zu lassen. Schier pathetisch wird Bruegel in seinem Turmbau zu Babel, wenn er die mythologische Großbaustelle in seine Heimat holt und mit unfassbarem Detailreichtum das Scheitern dieses Monsterprojekts mit beinahe zynischem Humor kommentiert. Und in seinen „Wimmelbildern“ hat er derartig viele Geschichten verpackt, dass man stundenlang davor stehen müsste, um nur einen Bruchteil des Inhalts zu entdecken.

Dank einer ebenfalls gigantischen Schau (bis 13. Jänner 2019) hat man nun Gelegenheit, Bruegel den Älteren in einer nahezu vollständigen Ausstellung eines Œuvres ganz nahe zu erleben. Freilich, mit vollen Hosen ist´s gut stinken. Das KHM verfügt über zwölf große Werke und die Albertina über einen stattlichen Bestand an originalen Zeichnungen. Für Generaldirektorin Sabine Haag ist dennoch ein Traum in Erfüllung gegangen. „Once in a lifetime“ ist ihr Motto und sie dürfte damit durchaus richtig liegen. Eine derartige Kompilation von Bruegelwerken gibt es zum ersten Mal und wird in diesem Ausmaß nicht so bald wieder möglich sein. Dem Besucher wird ein umfassendes Erlebnis geboten, mit Projektionen und Installationen, mit der Präsentation der Forschungsarbeit über Röntgenaufnahmen und den technischen Möglichkeiten, die heute den Experten zur Verfügung stehen. Der Besucher schaut dem Meister über die Schulter, wenn er seine Handhaltung, seine Werkzeuge und Materialien bestaunt, und er bekommt Einblick in das „Innenleben“ der Gemälde, wenn Die Kreuztragung Christi aus dem Rahmen genommen wurde, um die Fragilität der Holztafel und die Qualität der Malschicht erfahrbar zu machen.

Die Jäger im Schnee 1565 © KHM-Museumsverband

Dem Umfang der Ausstellung adäquat ist der Katalog. Auf über 300 Seiten wird gewaltiges Wissen vermittelt, das mit der reichlichen Illustration auch ein kurzweiliges Schauvergnügen bietet. Der Untertitel „Die Hand des Meisters“ verrät den Schwerpunkt der Publikation, die einen ganz neuen und aufschlussreichen Blick auf scheinbar bisher ohnehin gut betrachtete Bilder schafft. Um noch weiter in die Materie eindringen zu können, wurde vom KHM der Link www.insidebruegel.net angelegt.

Man gustiert unter den vorhandenen Bildern, öffnet das bevorzugte Gemälde und los geht´s. Die Toolleiste am rechten Rand ist übersichtlich und erlaubt nicht nur den Zoom auch auf das winzigste Detail, sondern auch den Vergleich mit einer Infrarotreflektografie, die sich entweder seitlich oder in einem Raster einblendet. Den Viewer-Modus darf man sich selbst aussuchen. So entdeckt man beispielsweise in dem vordergründig von ländlicher Idylle geprägten „Heimkehr der Herde“ auf einem Hügel im fernen Hintergrund einen Galgen mit Erhängtem und man versteht mit einemmal, warum Bruegel den Himmel zur Hälfte mit dräuend dunklen Wolken bedeckt hat. Jedes seiner Bilder verbirgt Überraschungen, die einen neuerlichen Ausstellungsbesuch geradezu notwendig machen, um sie auch am Original geortet zu haben.

KHM neues Logo 300

 

Diashow mit den schönsten Objekten der Kunstkammer Wien

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