Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Stabpuppen: Prinzessin, Drache, Buddha in Der Drachentöter Richard Teschner © KHM-Museumsverband

HÖHERE MÄCHTE Das ewige Vertrauen in Fremdbestimmung

Präsentation eines Erdbebens Szenenbild für Guckkasten © KHM-Museumsverband

Ein Blick quer durch Kulturen und Sphären, vom Götterhimmel bis zu den Naturgewalten

Glaube und Aberglaube unterscheiden sich im Grund kaum voneinander. Das eine ist lediglich offiziell anerkannt, das andere eher ein privates Vergnügen. Wenn sich ein Feldherr wie Wallenstein auf die Kunde der Sterne verlassen hat und keine Schlacht ohne penible Befragung seines Leibastrologen Seni vom Zaun gebrochen hat, mag uns das heutzutage seltsam erscheinen. Trotzdem lesen wir täglich unser Horoskop in der Tageszeitung und interpretieren banalste Sätze wie „Sie sollten heute vorsichtig in Ihren Geschäften sein“ als erstzunehmende Warnung vor ökonomischen Risiken. Wenn man nun vor dem sogenannten Horoskop-Amulett Wallensteins steht, mag sich manch einer, der ob seines Vertrauens in das Gefüge von Merkur, Löwe und Mond im dritten Haus belächelt wird, durchaus bestätigt fühlen. Ein Talisman bringt ganz einfach Glück. Zweifel kommen auf, sobald man das Bildnis des Infanten Philipp Prosper aus der Hand von Diego Rodriguez de Silva y Velászques eingehend betrachtet. Das Kind ist über und über mit Amuletten behängt. Um die bösen Dämonen zu täuschen, wurde der Prinz sogar als Mädchen verkleidet.

Ausstellungssujet Horoskop-Amulett Wallensteins © KHM-Museumsverband

Dennoch ist der so ersehnte spanische Thronfolger nicht älter als vier Jahre geworden. Es gibt sogar Spieler, die sich kurzfristig von ihrer Hasenpfote trennen können. Sie nehmen dafür in kauf, bei der nächsten Pokerrunde gnadenlos abgezockt zu werden. Aber wer hat schon Gelegenheit, seinen persönlichen Glücksbringer im Kunsthistorischen Museum auszustellen?

Infant Philipp Prosper (1657-1661) Diego Rodríguez de Silva y Velázquez © KHM-Museumsverband

Die drei genannten Objekte sind Teil der Frühjahrsausstellung mit dem Titel „Höhere Mächte“, die, zusammengestellt aus den Schätzen dreier Museen (KHM, Theatermuseum, Weltmuseum), deren Wirken im Zusammenhang mit Menschen, Göttern und Naturgewalten anschaulich darstellen will. Empfangen wird der Besucher vom Element Luft. Als Person hat sie im Oratorium „Il lotto dell´universo“ von Kaiser Leopold I. mit anderen allegorischen Gestalten mit dem Universum zu trauern. Geschaffen hat die heutige Figur der Künstler Ernst Fuchs 1977. Sie steht als Programm für diese Entdeckungsreise durch eine Welt der Fremdbestimmung. Einer solchen scheinen wir derzeit knapp entronnen zu sein. Inspiration für die Schau war die Pestsäule am Graben (Wien), vor der seit dem Corona-Frühjahr 2020 Votivgaben wie Kerzen, Blumen und Zeichnungen deponiert werden. Die sich schlank nach oben verjüngende Skulptur zeigt unmissverständlich die Richtung an, aus der Hilfe zu erwarten ist.

Ein Kuratorenteam, bestehend aus Claudia Augustat, Gerlinde Gruber und Rudi Risatti, hat sich daher auf die Suche nach dem Wesen der höheren Mächte in den Sammlungsbeständen ihrer Museen gemacht und das Thema spannend, emotional berührend und garniert mit einem guten Schuss Sensationslust aufbereitet.

 

Aus der ethnologischen Sammlung stammt unter anderem das Maskenkostüm des Sturmdämons O´ma aus Brasilien, das von Initialritualen für Mädchen erzählt. Anlässlich ihrer ersten Regel wurden sie den Angriffen dieser Gestalt ausgesetzt und hatten dessen Penis abzuwehren, um in die Reihen der Frauen aufgenommen zu werden. Von eben dort kommt auch der Tropenhelm, der in all seiner Schlichtheit von kolonialistischer Unterdrückung seitens ungebetener Eindringlinge berichtet.

Ein Kleinod aus dem Theatermuseum ist die Präsentation eines Erdbebens aus dem 18. Jahrhundert. Die einzelnen Schichten der Kulissen sind waagrecht angeordnet und verwandeln sich in einem geschickt angebrachten Spiegel eindrucksvoll in die Szene mit dem verhängnisvollen Walten der Natur. Was die Größe eines irdischen Herrschers sichtbar macht, beweist uns das Idealbildnis Kaiser Karls des Großen von Albrecht Dürer aus der Gemäldegalerie des KHM. Es sind Insignien wie Krone, Schwert und Reichsapfel, die den dargestellten Menschen über die anderen erheben und ihn deren Schicksale bestimmen lassen. Einen beinahe versöhnlichen Abschluss bildet dabei das orgiastische „Venusfest“ von Peter Paul Rubens. Die Göttin der Liebe lädt zum Tanzen ein, zur körperlichen Kontaktaufnahme mit sonst unsichtbaren höheren Mächten, denen offenbar auch der Mensch des 21. Jahrhunderts in all seiner technischen Überheblichkeit mehr als hilflos ausgesetzt ist.

Maskenkostüm des Sturmdämons O’ma Brasilien, Tikuna, um 1830 Weltmuseum Wien © KHM-Museumsverband
KHM neues Logo 300

 

Diashow mit den schönsten Objekten der Kunstkammer Wien

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