Kultur und Wein

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Susanne Hirschler, Irene Budischowsky, Edith Leyrer © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

SCHWIEGERMUTTER UND ANDERE BOSHEITEN von allgemeinem Nutzen

Rudi Larsen, Edith Leyrer, Irene Budischowsky © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

Ein Liebhaber, verlässlich potent für drei Generationen

Wenn man an einem Abend fünf großartige Komödianten gemeinsam am Werk sehen will, ist man in der Komödie am Kai mit dem Stück „Schwiegermutter und andere Bosheiten“ von Alexander Ollig bestens aufgehoben. Über die Qualität dieser Posse lässt sich diskutieren. Sollte ihr jemand mangelnden Tiefgang vorwerfen wollen, dann wird dieser Mangel vom Darsteller-Quintett mehr als wettgemacht. Im Mittelpunkt steht Max, ein Schwerenöter, ein Aufreißer par excellence, dem die Weiblichkeit egal welchen Alters mit Wonne ins Bett folgt. Sein Schmäh ist ja nicht schlecht: Banker in Frankfurt, immer in der Welt unterwegs und gesegnet mit einem Charme, um den ihn Casanova beneiden möchte. Rudolf Larsen ist zwar nicht der „geföhnte Schönling“, aber er schenkt seiner Rolle in rustikaler Grobheit die Anziehungskraft wilder Männlichkeit. Erstaunlich, dass sich so ein windiger Kerl mit ernsthaften Heiratsabsichten trägt. Der Grund für diesen selbst gewählten Einschnitt in das Dasein des erotischen Freigeistes ist Claudia (Irene Budischowsky). Sie ist bildschön und verknallt wie ein Teeanger.

Christian Spatzek, Edith Leyrer © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

Vor allem aber ist sie Geschäftsfrau, die dem Galan ein finanziell gesichertes Dasein bescheren möchte. Er muss ihr ja nicht treu sein, sie braucht´s ja nur nicht zu wissen. Aus nicht näher bekannten Gründen quartiert sich das Liebespaar für ein, zwei Tage bei Claudias Freundin Hanna ein. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt ist dort der Haussegen in Schieflage geraten. Das lang gediente Ehepaar Hanna und Bernhard hat beschlossen, sich für eine Zeit zu trennen. Susanne Hirschler und Christian Spatzek suhlen sich in der Tristesse zweier Leute, denen, wie es Erich Kästner ausgedrückt hat, die Liebe abhanden gekommen ist wie anderen ein Stock oder ein Hut.

Rudi Larsen, Edith Leyrer, Christian Spatzek © Komödie am Kai / Andrea Eckstein

Wo bleibt aber nun die schon im Titel angedrohte Schwiegermutter? Als Verkörperung des diesem Begriff zugrunde liegenden Dämonischen schneit Edith Leyrer herein und legt hemmungslos mit den „anderen Bosheiten“ los. Ihre Elvira verfügt über ungeahnte Erfahrungen, von denen die Jüngeren nur bescheiden lernen können. Das vor scharfer Säure triefende „Und du glaubst das“ sollte Claudia zu denken geben, und ihre Bösartigkeit sollte auch ein Max nicht unterschätzen.

Freilich hatte auch sie ein Verhältnis mit ihm, gerade so wie Hanna und nunmehr sogar deren Tochter Eva, deren Liebeskummer  und Probleme mit ihrer in Bett und Büro Vorgesetzten man allerdings nur am Telefon kennenlernt. Sie arbeitet derzeit gerade in der Frankfurter Bank als Praktikantin.

Schauplatz der schlagweisen Enthüllungen ist hingegen ein Haus im biederen Breitenfurt, das Bühnenbildner Siegbert Zivny recht elegant und praktisch eingerichtet hat. Die Mauern sind hellhörig genug, um schmachtende Telefonate von Max an die falschen Ohren zu tragen, aber auch entsprechend verschwiegen, um dem Pantoffelhelden Bernhard Genugtuung zu bieten. Der eigentliche Befreiungsschlag aus allgemeiner Unmoral obliegt allerdings seiner Schwiegermutter, bravo!

Susanne Hirschler, Rudi Larsen, Edith Leyrere © Komödie am Kai / Andrea Eckstein
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