Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Funny Money Ensemble © Andrea Eckstein/Komödie am Kai

FUNNY MONEY! Denn sehr viel Geld macht großen Spaß

Eva-Christina Binder, Natascha Shalaby © Andrea Eckstein/Komödie am Kai

Englischer Humor als Lacherfolg auf gut Wienerisch

Was machen etliche Millionen aus einem biederen Menschen? Dieser Frage ist der in London geborene Meister der rasanten Farce, eben Ray Conney, nachgegangen. Seine Antwort scheint auf den ersten Blick ernüchternd. Geld verdirbt auf der Stelle den Charakter, so schnell kann man die Bündel mit den Tausendern gar nicht zählen, um nicht bereits ins Kriminal abgerutscht zu sein. Auch der kleine Angestellte, der bis zu diesem Augenblick brav seiner schlecht bezahlten Arbeit nachgegangen ist, klammert sich mit eisernem Griff an den Koffer voller Banknoten, der ihm in der Straßenbahn aufgrund einer glücklichen Verwechslung zugewachsen ist. Er beginnt zu lügen wie gedruckt und ist sogar bereit, seine ihn liebende, aber sesshafte Gattin gegen ein anderes Weib zu tauschen, nur um den unerhofften Reichtum irgendwo in fernen Landen ungestört verprassen zu können. Der Autor macht es dem frisch gebackenen Ganoven aber nicht so leicht. Er lässt gleich zwei Kriminalbeamte aufmarschieren und einen geheimnisvollen Oktkoff, den mutmaßlichen Eigner des Geldes.

Eva-Christina Binder, Victor Kautsch © Andrea Eckstein/Komödie am Kai

Ob der Plan mit dem schnell gebuchten Flug nach Barcelona wirklich durchgeht, wer das erfahren will, muss diesen Abend voller Lachen einfach auf sich nehmen. Mit Gags wird in „Funny Money!“ geradeso freizügig herumgeworfen wie mit Tausendern und nicht gespart wird an tief humorigen Einblicken in die finsteren Abgründe der Charaktere, die ihren letzten Funken Anstand auslöschen, wenn es darum geht, endlich einmal so leben zu können, wie man es sich vielleicht in kühnen Träumen erhofft hat.

Funny Money Ensemble © Andrea Eckstein/Komödie am Kai

Sissy Boran, Prinzipalin der Komödie am Kai, und ihre rechte Hand Andrea Eckstein haben ganz im Sinn des Brexit das Stück erstens von der Insel nach Wien geholt, genauer gesagt, nach Ottakring, und zweitens sicherheitshalber in das Jahr 1969 zurückverlegt. Über Gewesenes kann man befreiter lachen als über Aktuelles, das bestimmt so manchen zwicken würde, der sich in einer der großteils verderbten Gestalten wiedererkennen könnte. Genauer gesagt, es handelt sich um den 7. Mai.

Karl Nowak hat Geburtstag, an dem ihm das Schicksal den prall gefüllten Geldkoffer schenkt. Victor Kautsch gibt mit vollem Einsatz den geborenen Loser, der in einer plötzlich erwachten Besitzgier jedoch ungemein erfinderisch wird. Seine Frau Elfie hält wenig bis gar nichts vom überhasteten Aufbruch und beginnt sich in ihrem Jammer systematisch zu besaufen. Eva-Christina Binder lässt in berührender Weise ihre dem harten Getränk zusprechende Antialkoholikerin ein Glas nach dem anderen kippen, bis sie selbst umkippt. An sich wollte sie mit Sissy (Natascha Shalaby) und Franz (Ralph Saml) ganz einfach feiern. Dass nichts daraus wird, dafür sorgen die beiden Kiberer Pokorny und Huber. Der eine, Anatol Rieger, erscheint, um ihren Gatten aufgrund des Verdachts von unzüchtigem Verhalten zu verhören und kassiert ungeniert einen Haufen Bestechungsgeld.

Den anderen (Rafael Witak) soll sie ins Leichenschauhaus begleiten, wo angeblich ihr gewaltsam ums Leben gebrachter Mann zu identifizieren ist. So was haut die stärkste Frau um. Wenn einer nun glaubt, dass zumindest der Taxler Schurli (Rochus Millauer) eine ehrliche Haut ist, dann wird ihm seine Überzeugung gern belassen. Was es nun mit Herrn Oktkoff (Felix Millauer), der beharrlich anruft und zuletzt Opfer eines Unfalles wird, auf sich hat, auch das muss sich jeder selbst anschauen. Es zahlt sich aus!

Funny Money Ensemble © Andrea Eckstein/Komödie am Kai
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