Kultur und Weindas beschauliche MagazinFactory der Ausstellung Im erweiterten Raum IM ERWEITERTEN RAUM traditioneller Ausdrucksmittel der Kunst
Sebastian Haselsteiner, Leiter des STRABAG Kunstforums, teilt mit zahlreichen Kunstsammlern das Anliegen, an den zusammengetragenen Schätzen die Öffentlichkeit teilhaben zu lassen. Deren Hort liegt jedoch in Transdanubien, in der Donau-City-Straße 9 in 1220 Wien, und wurde, wie Haselsteiner erstaunt feststellt, vom restlichen Wien nur sehr zögerlich wahrgenommen. Eine Kooperation mit der Künstlerhaus Vereinigung hat eine Reihe von erlesenen Objekte nun in das Zentrum, in die City, gebracht und ist dort bis 29. März 2026 zu bewundern. Der Titel ist damit auch Motto: „Im erweiterten Raum“, was jedoch mehr als den Ort der Ausstellung betrifft. Haselsteiner: „Sie soll Ausdruck eines Dialogs zwischen zeitgenössischer Kunst, gebauter Umwelt und gesellschaftlicher Verantwortung sein.“ Es handelt sich um sogenannte „Flachware“, also Malerei und Zeichnung, mit denen die Gebäude der STRABAG geschmückt werden können, ohne feuerpolizeiliche Vorschriften wie das Freihalten von Fluchtwegen zu verletzen.
Günther Oberhollenzer, künstlerischer Leiter Künstlerhaus, sieht in der gezielten Auswahl Experimentierfeld und Forschungsraum zugleich. Beide Medien, so Oberhollenzer, sind heute formal und inhaltlich so vielgestaltig wie wohl nie zuvor in ihrer Geschichte. Er lädt daher ein, diese Werke zu betrachten, sich ihnen im analogen Raum auszusetzen. Manche der Arbeiten sind eigens für die Schau entstanden, andere zählen zu den Highlights der Collection, alle verbindet aber, so wird von den Gestaltern versichert, inhaltliche Könnerschaft, was allein damit bewiesen wird, dass die zehn Auserwählten bereits mit dem STRABAG ART Award ausgezeichnet wurden. Maria Legat, ”Alles ist das Gegenteil von Freiheit“ oder ”Und zur Lage der Welt XXVI“, 2018 mit Raumansicht Begrüßt wird man von Werken des passionierten Fallschirmspringers Clemens Wolf, der die für seine Leidenschaft verwendeten Stoffe mittlerweile auch dreidimensional in Kunstwerke verwandelt. Über düstere Kollagen von Lucia Tallová geht es zu Robert Gabris und seinen feinen, aufwendig gestalteten Zeichnungen von Geistergeschichten. Maria Legat und Sevda Chkoutova arbeiten auf beachtlich raumgreifenden Formaten die Sinnlichkeit des weiblichen Körpers auf. Bei Gunter Damisch warten hingegen komplexe, organisch in freie Wildheit hinaus wuchernde Welten.
Margot Pilz, Göttin schuf Eva, 2001/2025 DU SOLLST DIR EIN BILD MACHEN Das neue Verhältnis von Kunst & Kirche
Der aus Südtirol stammende Günther Oberhollenzer ist nach eigener Aussage in einem katholisch geprägten Umfeld aufgewachsen und wurde bestimmt auch davon in gewisser Weise geprägt. Als künstlerischer Leiter im Künstlerhaus war es ihm ein tiefes Anliegen, das Spannungsfeld zwischen Kunst und Religion offenzulegen. Über die längste Zeit war vor allem die katholische Kirche einer der größten, wenn nicht der bedeutendste Mäzen für Maler, Bildhauer und Architekten. Die Kunst hat sich jedoch in den letzten hundert Jahren von ihrem Förderer emanzipiert. Themen, die bis dahin einem strengen katechistischen Kanon unterworfen waren, wurden mit eigenen Ideen und Empfindungen besetzt. Die daraus erwachsende Konfrontation bleibt jedoch nicht konfliktfrei. Ein Skandal wie der gekreuzigte Frosch von Martin Kippenberger 2008 im damals neuen Museum Kunst Meran schlug Wellen bis Rom und führte zur Entlassung des Direktors. Ergänzend zu derlei Irritationen kamen die von der Amtskirche vernachlässigten Frauen, die mit starken Statements auf sich aufmerksam machten. Selbstbewusst entzogen sie dem im Christentum verehrten höchsten Wesen die Männlichkeit., beispielsweise mit dem feministischen Empfang „GRÜSS GÖTTIN“ von Ursula Beiler.
Im Deuteronomium, dem fünften Buch Moses, findet sich, je nach Übersetzung, die biblische Vorschrift „Du sollst dir kein Bild machen...“; ein Satz, der folgenschwere Missverständnisse birgt. Von fanatischen Ikonklasten wurden im Lauf der Kirchengeschichte immer wieder Kunstwerke brutal zerstört und Bilderverbote verhängt. Deshalb ist der Titel der Ausstellung im Künstlerhaus als Antwort darauf zu verstehen. Bis 8. Februar 2026 regen Werke zeitgenössischer Kunst unter dem Motto „Du sollst dir ein Bild machen“ zur Diskussion an, wie weit die Kreativität religiöse Gefühle verletzen darf oder ob vordergründig erscheinende Blasphemie eines aus Latex Noppen bestehenden „Zärtlichen Christus“ von Renate Bertlmann nicht doch Ausdruck alternativer Frömmigkeit ist.
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