Kultur und Wein

das beschauliche Magazin


Industrial Site, Qatar 2010 © Gregor Sailer, Bildrecht Wien 2022

Industrial Site, Ras Laffan, Qatar 2010, aus der Serie Closed Cities © Gregor Sailer, Bildrecht Wien 2022

UNSEEN PLACES Des Menschen Werk menschenleer

Fahrzeug-Testgelände Carson City, Schweden, aus der Serie Potemkin Village © Gregor Sailer

Fahrzeug-Testgelände Carson City, Schweden, aus der Serie The Potemkin Village © Gregor Sailer, Bildrecht Wien 2022

Wo keiner hinkommt außer dem Künstler und seiner Kamera

Der Tiroler Gregor Sailer macht sich seine Arbeit nicht leicht. Sein Equipment wiegt etliche Kilo, bestehend aus Stativ, Objektive mit den Brennweiten 65, 90, 150, 210 und der (analog funktionierenden) Fachkamera Sinar p2, mit der im Großformat 4x5´´ als auch im Mittelformat 6x9 cm. gearbeitet werden kann. Mit diesem Gepäck streift er durch Schneelandschaften in Arktis und Sibirien, steigt in Grönland in eine Forschungsstation hinab, nähert sich Lost Places in der U-Bahn von Bochum und der Kokerei Hansa in Dortmund, bevor er sich in einsamen Wütengebieten Zutritt zu geschlossenen Städten verschafft und nicht zuletzt in verlassene Stollen und düstere Gänge. Das Ergebnis sind faszinierende Fotografien von Gebäuden, Räumen und Landschaften, die so von Menschen geschaffen wurden. Allein, man sieht keine Menschenseele auf den Bildern. Für den Betrachter genügt die Architektur, das Design, um ihn zum Nachdenken über das mehr oder weniger segensreiche Wirken unserer Spezies anzuregen.

Forschungsstation EastGRIP, Grönland 2019 aus der Serie The Polar Silkroad © Gregor Sailer
Militärstation Norwegen 2020, Serie The Polar Silkroad © Gregor Sailer

li.: Forschungsstation EastGRIP, Grönland 2019 aus der Serie The Polar Silkroad © Gregor Sailer, Bildrecht Wien 2022

re.: Militärstation Norwegen 2020, Serie The Polar Silkroad © Gregor Sailer, Bildrecht Wien 2022

Der Titel, wenngleich in Englisch, ist damit leicht zu verstehen: „Unseen Places“ (bis 19.02.2023) führt im Kunst Haus Wien in Unbekanntes, in noch nie Gesehenes. Reiseführer dabei sind die Serien, mit denen Gregor Sailer seinen Werken eine thematische Ordnung verleiht. Nach Abschluss seines Masterstudiums Photographic Studies an der Fachhochschule Dortmund 2015 begann er in seinem Heimatort Schwaz in den verlassenen Stollen eines Bergwerks zu fotografieren. Tief unter den Tiroler Alpen waren während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeiter in der Messerschmitthalle für Bau von Kampfflugzeugen eingesetzt. „The Box“ zeigt mit aufwändiger Lichtsetzung in an sich absoluter Dunkelheit Reste dieser Anlage und damit auch die Brutalität und Härte, der die Betroffenen ausgesetzt waren.

 

„The Polar Silk Road“ ist das Ergebnis mehrerer Reisen Richtung Nordpol, um den globalen Machtkampf um diese ökologisch, ökonomisch und politisch begehrte Region der Weltmächte zu entlarven. Neben schwer unterdrückbarem Gruseln ist auch Schmunzeln erlaubt.

„The Potemkin Village“ war schon zu Zeiten der Zarin Katharina die Große zu allgemeiner Täuschung errichtet worden und ist für Kriegsvorbereitungen ungebrochen aktuell. Man baut, um ein möglichst entsprechendes Szenario zu erhalten, die Städte der Gegner, zumindest ihre Fassaden detailgetreu nach, um einen Straßenkampf Schuss für Schuss vorbereiten zu können. Die Fotos wurden erstaunlicherweise durchwegs mit entsprechenden Genehmigungen gemacht, was nicht immer leicht war und eine Menge Geld kostet. Gregor Sailer darf jedoch dankbar feststellen, dass er von seiner Kunst leben darf. Sie verkauft sich gut, ist international längst mit einer Reihe von Preisen anerkannt und wurde u. a. in New York, Mailand oder Berlin ausgestellt. Eine Kleinigkeit tragen auch seine Bücher dazu bei, wie beispielsweise der feine Katalog, der pünktlich zu dieser Ausstellung erschienen ist.

Universität Dortmund, Subraum, 2005 © Johannes Naumann, Gregor Sailer, Stefan Tuschy

Universität Dortmund, Subraum, 2005 © Johannes Naumann, Gregor Sailer, Stefan Tuschy, Bildrecht Wien 2022

Kunst Haus Wien Logo 350

Statistik