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DÜRER-GRAPHIKEN Von Hexen, Meerwundern und der Apokalypse

Albrecht Dürer Meerwunder Detail © Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien.

Grafiken aus einer Zeit, als die Welt noch voller Geheimnisse steckte

Das Kupferstichkabinett erfreut sich des Besitzes von mehr als 500 Druckgraphiken von Albrecht Dürer (1471-1528). Zu der Gesamtzahl von 100.000 erscheint diese Summe gering. Man braucht aber nicht dazu zu sagen, dass diese Blätter wahre Kostbarkeiten sind. Jedes einzelne davon ist viel mehr als nur ein Holzschnitt oder ein Kupferstich, der irgendwann in entsprechender Auflage vervielfältigt wurde. Waren sie zu Lebzeiten des Künstlers weit verbreitet und stellten einen soliden Teil seines Einkommens dar, sind sie längst gesuchte und kaum bezahlbare Kunstwerke. Entstanden sind die gezeigten Graphiken zwischen 1495 und 1500. Es handelt sich dabei um die ersten für Dürer gesicherten Drucke, die als Teil seines Frühwerks gelten. Glaubt man der aktuellen Forschung, war der Meister 1495 in seine Heimatstadt Nürnberg zurückgekehrt, litt aber an einem Mangel an Aufträgen für Gemälde. Die magere Zeit überbrückte Dürer mit dem Herstellen von Holzschnitten und Kupferstichen, um sein finanzielles Auskommen zu sichern.

Albrecht Dürer Vier nackte Frauen © Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien

Deren Abzüge ließen sich unter anderem auf Jahrmärkten relativ leicht verkaufen. Die Motive mussten dabei, heute ist es nicht anders, spektakulär sein. Den Betrachter durfte es bei deren Anblick ruhig gruseln, wie bei den apokalyptischen Reitern, die über hilflos am Boden liegende Menschen hinweggaloppieren. Auch Lachen war erlaubt, wenn Dürer ungleiche Paare zusammenstellte wie den Jüngling mit der älteren verheirateten Frau oder den dicken Koch mit der etwas indigniert dreinschauenden Bürgersfrau. Voyeuristisches Interesse weckten bei den Männern die vier nackten Frauen oder das „Meerwunder“, das sich an einem Ufer lasziv räkelt. Für das andere Geschlecht bot das „Männerbad“, in dem sich nahezu unbekleidete Herren drängeln, verschämte Schaulust. Zur moralischen Erbauung schuf Dürer eine „Junge Frau, vom Tode bedroht“ und den verlorenen Sohn, der in einem heruntergekommenen Gehöft neben seinen Schweinen reumütig zu einer über Dächer lugenden Kirche blickt.

 

29 Stück dieser Bilder sind bis 3. März 2019 unter dem vielversprechenden Titel „Von Hexen, Meerwundern und der Apokalypse. Frühe Druckgraphiken von Albrecht Dürer“ im Theatermuseum, dem Ausweichquartier des Kupferstichkabinetts, ganz aus der Nähe zu studieren. Erst beim genauen Hinschauen erkennt man die Virtuosität, teils bizarre Szenen zu komponieren und diese in faszinierender technischer Perfektion umzusetzen. Bei den ersten Werken fehlt es noch, aber bereits ab 1495 scheint auf jedem Druck das unverkennbare Logo Albrecht Dürers auf. Sensationell sind auch die Beispiele, die aus der Buchserie „Die Apokalypse“ stammen.

Auf ihnen hat Dürer mit gewaltiger Phantasie die Offenbarung des Apostels Johannes umsetzt und zu deuten versucht. Über einer irdischen Landschaft spielt sich das Geschehen dieses bis heute nicht enträtselten Teils des Neuen Testaments ab. Die Stellen wurden wörtlich in die Bildsprache übersetzt, mit all dem Grauen, das diese endzeitliche Vision enthält. Es handelt sich dabei um Holzschnitte, die auf der Rückseite mit Text bedruckt und zu einem Buch gebunden waren. Im Kupferstichkabinett gibt es davon leider nur lose Seiten. Als gesichert gilt, dass Dürer sowohl Entwerfer und Schneider der Holzblöcke als auch Drucker und Herausgeber war. Inklusive Titelblatt der lateinischen Ausgabe von 1511 sind es 15 Blätter, die für diese Ausstellung ausgewählt wurden, so „Die Marter des Evangelisten Johannes“ oder „Das Tier mit den Lammhörnern“, die durchaus eine Anregung sein könnten, einmal die Bibel herzunehmen und ganz hinten aufzuschlagen, um sich in diese geheimnisvollen Texte zu vertiefen.

Albrecht Dürer Die apokalyptischen Reiter © Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste
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